Nach erstem Jahr: Effizientes Recycling-Verfahren für Seltene Erden funktioniert

Nach erstem Jahr: Effizientes Recycling-Verfahren für Seltene Erden funktioniert

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Seltene Erden sind ein wichtiger Rohstoff für die Elektronikbranche. Ein Recyclingverfahren gab es nicht - bis jetzt.

von Angela Schmid

Bislang ließen sich Seltene Erden kaum recyceln - eine Testanlage hat im letzten Jahr das Gegenteil bewiesen.

Sogenannte Seltene Erden werden in der IT-Branche dringend benötigt. Einmal in Smartphones, Neonröhren oder Computerbildschirme verwendet, gelten die Metalle jedoch als verloren. Ein wirtschaftliches Recyclingverfahren gab es bislang nicht. Die TU Bergakademie Freiberg hatte vor einem Jahr (zusammen mit der FNE Entsorgungsdienste GmbH und der NARVA Lichtquellen GmbH) eine bundesweit einmalige Anlage aufgebaut, welche die wertvollen Metalle aus Leuchtstoffröhren zurückgewinnen sollte.

Mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entwickelten die Freiberger Forscher ein Verfahren, für das sie den Technologietransferpreis des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst erhielten. "Die Erfahrungen sind äußerst positiv", erklärt Karin Jacob-Seifert, Geschäftsführerin der FNE Entsorgungsdienste. Seit einem Jahr betreibt sie die bundesweit einzige kommerzielle Recyclinganlage nach dem sogenannten SepSelsa-Verfahren (Separation Seltener Erden aus entsorgungspflichtigen Leuchtstoffabfällen), das die TU Bergakademie entwickelte.

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Dabei geht es um die Metalle Yttrium, von dem weltweit etwa 6000 Tonnen jährlich verbraucht werden, und Europium, mit einem Bedarf von gut 500 Tonnen jährlich. Abgebaut werden sie vor allem in China. Ein Teil der Metalle findet den Weg in ausgedienten Geräten wieder zurück. Der Rest landet bisher ungenutzt auf dem Müll. 

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Seltene Erden werden vor allem in China gefördert, wie hier im Tagebau in Ganxian.

Die Geschäftsführerin ist von der Anlage überzeugt. Auch wenn die Wirtschaftlichkeit zurzeit noch nicht optimal ist. Denn die Rohstoffpreise für Seltene Erden sind politisch gesteuert und stark gefallen. Ähnlich wie beim Öl können die wichtigsten Förderländer die Preise drücken - oder extrem anziehen.

Seltene Erden kommen erst im Handy nach Deutschland

Dabei finden großen Mengen an Seltenen Erden ihren Weg nach Deutschland - eben in Elektrogeräten. Der Rohstoffimport über Elektrogeräte lohnt sich mit einem funktionierenden Recycling-Verfahren doppelt.

Die Diplom-Chemikerin will deshalb an dem Projekt festhalten und das Verfahren so nachbessern, dass sich die Wirtschaftlichkeit erhöht. Knapp 30 Tonnen Schlämme, in denen die Seltenen Erden enthalten sind, wurden bisher recycelt – zehn Prozent davon sind Yttrium und Europium. Das könnte noch mehr werden, wenn weitere Hersteller Interesse daran zeigen. Denn in der Branche ist das Recyceln von "Seltenen Erden" ein heißes Thema. "Die Anlage ist so erweiterbar, wie sich die Auftragslage gestaltet", sagt Karin Jacob-Seifert.

Das Besondere daran ist, dass der Reinheitsgrad der Rohstoffe nach dem Recycling so hoch, dass sie Lampenproduzent NARVA anschließend wieder verwendet. "De facto ist es eines der wenigen Verfahren, die den Sprung aus dem Labor in die industrielle Produktion geschafft haben und das dabei gleichzeitig wirtschaftlich ist", erklärt Professor Martin Bertau, Direktor des Instituts für Technische Chemie. "Seine Bedeutung liegt darin, dass wir auf einfachstem Wege sämtliche Leuchtstoffe unabhängig von ihren Seltenerdgehalten hin aufarbeiten. Der große Clou: Wir isolieren die Metalle in reiner Form voneinander – ohne unzählige Trennstufen, wie dies in der klassischen Seltenerd-Aufbereitung der Fall ist."

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