Nachhaltigkeitsmagazine: Lesen für eine bessere Welt

Nachhaltigkeitsmagazine: Lesen für eine bessere Welt

von Marius Hasenheit

Zahllose Magazine zum Thema Nachhaltigkeit werben um Leser. Wir haben uns zehn spannende Zeitschriftenprojekte angesehen.

Immer mehr deutschsprachige Magazine verbinden die Diskussion um Nachhaltigkeit mit gesellschaftspolitischen Themen, aber auch praktischen Tipps zu Genuss und Lebensqualität.

So schreibt das Hamburger Wirtschaftsmagazin Enorm zum Beispiel über die ZwischenZeitZentrale, eine Organisation, die leerstehende Gebäude in Bremen einer Zwischennutzung zuführt. Das Trennt-Magazin berichtet über kreative Produkte aus Abfällen und die Zeitschrift Sinn über grüne Architektur, Selbstversorgung und Lebensmittelzusätze.

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Doch können sich die neuen Magazine auf dem gebeutelten Markt für Printmedien bewähren und welche von ihnen sind die Interessantesten?

Die Zeiten für neue Magazine sind schwierig. Während 2014 ein Drittel der umsatzstärksten Zeitschriften hinter den Zahlen des Vorjahres zurückblieben, wächst die Anzahl der Magazine und damit die Konkurrenz. 2013 gab es schon 1.542 verschiedene Zeitschriften auf dem deutschen Markt. 1997 waren es noch 500 weniger.

Um bei dieser Flut von Blättern nicht den Überblick zu verlieren, hier eine Übersicht der neuen Generation von Nachhaltigkeitsmagazinen:

Sinn

Im August 2013 kam das Sinn Magazin, ein Umwelt- und Sozialmagazin, auf den Markt. Dessen Themen reichen von Upcycling und Rezeptideen bis hin zu grüner Architektur. Die Chefredakteurin Marika Muster und ihr Team von Freiberuflern geben seitdem das Blatt vierteljährlich mit einer Ausgabe von immerhin 15.000 Heften heraus. Begonnen haben sie in Norddeutschland, doch inzwischen ist Sinn in ganz Deutschland erhältlich. Noch findet man es selten im Kiosk, doch gibt es auf der Homepage eine Auflistung der Verkaufsstellen und die Möglichkeit das Heft für je sechs Euro zu bestellen.

Enorm

Ähnlich zum Sinn Magazin, jedoch weitaus fokussierter auf Wirtschaft, ist Enorm. Seit vier Jahren berichtet die Redaktion über Wirtschaftsmodelle, Unternehmen und Personen, die sich den wachsenden Herausforderungen in Gesellschaft und Umwelt annehmen. Das Magazin ist mit einer Druckauflage von 35.000 Exemplaren vergleichsweise auflagenstark. Wirtschaft und soziale Werte in Einklang zu bringen, ist anscheinend immer mehr Menschen wichtig. Die aktuelle Ausgabe von Enorm porträtiert Nachhaltigkeitsmanager und berichtet unter anderem über Etikettenschwindel in der Palmölproduktion, Crowdinvesting und vegane Boxausrüstung. Enorm wurde 2010 gegründet. Die meisten Bahnhofskiosks führen das Heft, Kostenpunkt 7,50 Euro.

Oya

Wer nicht nur Wirtschaft und Werte, sondern auch Körper und Geist zusammen bringen möchte greift zum Oya Magazin. Auch dieses Blatt widmet sich positiven Geschichten aus der Wirtschaft, jedoch auch der Kunst und klassischen Ökothemen wie ökologischer Landwirtschaft auf Biohöfen. Das Magazin selber wird von einem Gemeinschaftshof in Mecklenburg-Vorpommern aus koordiniert und zusammengestellt. Dort lebt das Team ein Stück weit die propagierte Entschleunigung. Erst im März vergangenen Jahres finanzierte sich das Blatt durch eine Crowdfundingkampagne. Nun erscheint das Heft alle zwei Monate mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren. Das Oya-Abo kostet 36 Euro, für Geringverdienende nur 26 Euro.

Flow

Mit einer Druckauflage von 100.000 Stück ist Flow aus dem Verlag Gruner + Jahr das auflagenstärkste Magazin unter den hier vorgestellten Blättern. Seit November 2013 thematisiert das Magazin für alternative Wirtschafts- und Lebenskonzepte Entschleunigung und Lebensqualität. Für Idee und Design wurde Flow bei den begehrten Lead Awards als Newcomer-Magazin des Jahres 2014 ausgezeichnet. Das Abo kostet 41,70 Euro und umfasst sechs Ausgaben.

Slow

Im Mai dieses Jahres präsentierte der Emotion-Verlag mit dem Magazin Slow in einer Auflage von 60.000 Stück einen Konkurrenten zum erfolgreichen Flow. Auch dieses Magazin beschäftigt sich mit Lebensqualität, Zeitwohlstand und Entschleunigung. Die gewonnene Zeit soll dem Genuss gewidmet werden. So berichtet Slow zum Beispiel über boomende Kleinstbrauereien, die Craft Beer brauen. Das Heft kostet 6,90 Euro im Einzelhandel und das Abo 23,90 Euro.

 

Utopie

Das Team um Camilla Elle vom Utopie Magazin will den Lesenden nicht nur Utopien zurückgeben, sondern auch Entwicklungen in Kunst, Kultur und Geisteswissenschaften vielseitig aufbereiten. Die Idee scheint Leser zu locken: Utopie sammelte in einer Crowdfundingkampagne 5000 Euro. Damit sollen die Druckkosten der ersten Ausgabe mit einer Auflage von 1.000 Exemplaren gedeckt werden. Sie soll parallel zur fünfsprachigen(!) Onlineversion im kommenden Frühjahr erscheinen. Das Magazin kooperiert mit vielen internationalen Autoren und beschäftigt sich unter anderem mit dem Thema Postwachstum.

Transform

Richard Gasch und Jan Korte bezeichnen sich mit ihrem Transform Magazin eher als „angewandt-visionär“. Sie wollen Themen wie Postwachstum mit einer ordentlichen Prise Humor und Augenzwinkern vorstellen und "Anstöße für den gesellschaftlichen Wandel geben, ohne die Richtung vorzuschreiben". Inspirieren ließen sich die Berliner von dem Witz des britischen Philosophiemagazins Idler, sowie dem amerikanischen Aktivistenblatt Yes Magazine, mit dem sie kooperieren. Sie wollen gesellschaftspolitische Themen unter einem Blickwinkel der "sanftmütigen Dissidenz" betrachten. Bevor sie ihre Crowdfundingkampagne im Frühjahr starten, wollen sie ihre Erstausgabe von mehr als 100 Seiten als Onlineversion kostenlos anbieten. So können sich die potentiellen Unterstützer zunächst von dem Magazin überzeugen.

Zeo2

Zeo2 ist das politische Umweltmagazin der Taz. Hier geht es in erster Linie um Klima-, Energie- und Verkehrspolitik und die Endlichkeit von Ressourcen. Nachhaltige Lebenstile und Produkte werden zwar auch  thematisiert, doch der Fokus liegt ganz klar auf gesamtgesellschaftlichen Prozessen. Das Heft kostet 5,50 Euro und lässt sich online bestellen. Wie auch Slow und Sinn, erscheint Zeo2 vierteljährlich. Potenzielle Abonnenenten werden mit dem lesenswerten Atlas der Globalisierung der Zeitschrift Le Monde diplomatique gelockt, der dem Abo kostenfrei beiliegt.

Trennt Magazin

Das Trennt Magazin ist überaschend lesenswert. Warum überraschend? Weil das vermutlich die Wenigsten den Herausgebern zugetraut hätten. Das Magazin wird nämlich von Trenntstadt Berlin, einer Initiative der Berliner Stadtreinigung (BSR), ALBA, Berlin Recycling und der Stiftung Naturschutz Berlin herausgegeben. Die Stiftung und die Müllverwerter wollen das Trennen von Abfall zum Trend machen und geben dazu das Magazin heraus. Das Heft kann kostenfrei auf ihrer Homepage bestellt werden.

 

Unser Fazit nach der Lektüre: Der an Nachhaltigkeit interessierte Leser hat die Qual der Wahl, aber auch eine ziemlich gute Auswahl!

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