Nashörner: Zum eigenen Schutz vergiftet

Nashörner: Zum eigenen Schutz vergiftet

Der Zweck heiligt die Mittel: Südafrikanische Tierschützer injizieren Nashörnern Gift und Farbe, um sie für die Wilderei zu verderben.

Sie tragen ein scheinbar wertvolles Gut auf der Nase – und müssen dafür sterben. Die Rede ist von Nashörnern und ihrem namensgebenden Körpermerkmal aus Horn. Bis zu 25 000 US-Dollar kostet ein Kilo gemahlenes Horn auf dem Schwarzmarkt, Tendenz steigend. Die meisten Käufer kommen aus Asien und schreiben dem Hornpulver wahre Wunderwirkungen zu: Es soll Fieber senken, Krämpfe lösen, Schlaganfälle und Epilepsie therapieren.

Manche sagen gar, dass es Krebs heilt. Dabei besteht das gemahlene Horn nur aus dem Eiweiß Keratin – wie auch menschliche Fingernägel. Trotzdem halten es einige Kunden für eine Delikatesse. Die vietnamesische Oberschicht nimmt gerne eine Prise Hornpulver nach fettigen Mahlzeiten oder vermischt es zu einem Cocktail, dem „Drink of Kings“. „Aus wissenschaftlicher Hinsicht ist das Humbug“, schreibt der World Wide Fund for Nature (WWF). Doch das hält die Konsumenten nicht von ihrem Aberglauben ab. Sie  begehren das angebliche Wundermittel.

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In Südafrika wuchert deshalb die Wilderei. Dort leben etwa drei Viertel der weltweiten Nashorn-Population, laut WWF noch etwa über 20 000 Tiere. Sie sind stark bedroht: Allein dieses Jahr haben Jäger bereits mehr als zweihundert Tiere getötet; ein neuer Rekord, wie Greenpeace berichtet. Jetzt schlagen Tierschützer aus der südafrikanischen Provinz Mpumalanga mit einem unkonventionellen Mittel zurück: Sie vergiften die bedrohten Nashörner - um sie zu schützen.

Genauer gesagt vergiften sie nur die Hörner der grauen Riesen, für die Tiere selbst ist das unschädlich. Nach einer kurzen Betäubung bohren die Tierschützer ein Loch in das begehrte Horn und injizieren ein Gemisch aus pinkem Farbstoff und sogenannten Parasitiziden, die sonst als Schutz gegen Parasiten wie Flöhe oder Zecken eingesetzt werden.

Durchfall statt Wohlbefinden

Wird das Tier nun gewildert und sein Horn konsumiert, erkranken die Genießer beim Verzehr. Anstatt der erhofften Wunderwirkung auf Geist und Seele führt Hornpulver jetzt zu Schwindel, Magenschmerzen und Durchfall. Das Vorgehen sei legal und die Chemikalien rezeptfrei erhältlich, versichert Andrew Parker von der Sabi Sand Wildtuin Association, einer Gruppe von Landbesitzern aus Südafrika, die Nashörner mit der neuen Methode schützen wollen.

Er und seine Mitstreiter erhoffen sich durch diese Strategie zweierlei: Sie möchten die Wilderer direkt von ihren Untaten abhalten, denn durch die farbige Injektion verliert das Horn dramatisch an Wert. Außerdem erhoffen sich die Tierschützer einen Nachfrageeinbruch, wenn sich herumspricht, dass Nasen-Hornpulver von nun an krank macht, statt zu heilen. Moralische Bedenken haben die Tierschützer von der Sabi Sand Wildtuin Association nicht. Durch Werbung, Medienkampagnen und Schilder würden sie vor dem Gift schließlich gewarnt, sagen sie.

Doch nicht alle Tierschützer unterstützen die unkonventionelle Methode. Traffic, ein WWF-Netzwerk zur Überwachung des Wildtierhandels, kritisiert zum Beispiel, dass diese Abschreck-Strategie nur auf kleineren Flächen funktioniere. Zudem glaubt Traffic nicht an ein Ende des illegalen Treibens. Es sei wahrscheinlicher, dass die Händler die Hörner einfach wieder zurückfärbten.

Chaos im Namen des Tierschutzes

Das Nashorn in Südafrika ist nur eine Spezies, die von Tierschützern unkonventionell geschützt wird. Viel Aufsehen erregen auch Aktionen zum Schutz von Walen. Immer wieder kommt es zu regelrechten Kämpfen auf hoher See. So zwängten sich zum Beispiel Mitglieder der Meerschutzorganisation Sea Shepherd in der Antarktis mit einem Boot zwischen einen japanischen Walfänger und ein Tankschiff, sie rammten beide Schiffe.

Friedlicher läuft dagegen der Schutz der Wallriffschildkröte in Australien ab. Tiere dieser Spezies verheddern sich in der steigenden Anzahl an im Meer zurückgelassenen Netzen und sterben in der Folge qualvoll. Da sie gegen den Müll im Meer nicht unmittelbar ankämpfen können, patrouillieren Tierfreunde deshalb nachts bei den Brutplätzen und schützen die Eier mithilfe von Käfigen vor natürlichen Feinden. So wollen sie die Population der Schildkröten von Beginn an behüten.

Auch hierzulande schrecken Tierschützer nicht vor unkonventionellen - und sogar drastischen – Methoden zurück. So ließen Aktivisten im Jahr 2010 in Brandenburg beispielsweise Tausende von Nerzen frei, die für die Pelzproduktion gezüchtet werden. Die Tiere genossen ihre Freiheit aber zu sehr und rissen Hühner in den umliegenden Ställen.

Von Marisa Steiner

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