Neuer Kartendienst für Stadtgärtner: Zeigt her eure Brachen!

Neuer Kartendienst für Stadtgärtner: Zeigt her eure Brachen!

von Marius Hasenheit

Die Online-Plattform Living Lots ist eine Art Atlas für das Urban Gardening. Jetzt wollen die Gründer auch in Deutschland starten.

Urban Gardening, das Gärtnern in der Stadt, ist fast schon ein alter Hut. Seit etwa fünf Jahren ist die Neuauflage des guten alten Schrebergartens in aller Munde. Doch finden sich Stadtgärtner zusammen, steht vor dem ersten Spatenstich erst einmal die Suche nach einer geeigneten Grünfläche an. Je nach Metropole sind sie nicht gerade übermäßig vorhanden – und wenn, dann sind sie nicht immer sofort als solche zu erkennen. Selbst wenn die Gärtner dann eine Fläche ausgemacht haben, kann es dauern, bis die Besitzverhältnisse und Bedingungen für die Nutzung geklärt sind.

Die beiden US-Stadtgartenfans Paula Segal und Eric Brelsford wollen das langwierige Prozedere mit ihrem Projekt Living Lots abkürzen – einer Internetplattform, auf der digitale Karten brachliegender Flächen verfügbar sind. Interessierte können sich so ohne viel Aufwand einen Überblick verschaffen, wo sie Flächen bewirtschaften können.

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Atlas für StadtgärtnerErste Erfolge hat das Projekt auch schon vorzuweisen: Bereits 25 Gruppen haben über den Kartendienst brachliegende Flächen gefunden. Die interaktiven Karten sind nicht nur für New York, sondern auch für Los Angeles, New Orleans und Philadelphia verfügbar.

Die Plattform macht auch Informationen wie zum Beispiel Belastungen durch Schadstoffe und die Besitzverhältnisse öffentlich. Wer als Landbesitzer Flächen zur Verfügung stellen will, kann sie einfach auf der Plattform eintragen. Anwohner oder die Stadtverwaltung können auch auf freie Flächen in der Nachbarschaft hinweisen. Am Ende soll eine Art großer Flächennutzungsplan entstehen.

Nun wollen Paula Segal und Eric Brelsford das Kartensystem auch nach Deutschland bringen. Dafür haben sie sich mit ihrem Konzept beim Orange Social Design Award beworben, der Ende Oktober erstmals von dem Kultur- und dem Online-Ableger des Wochenmagazins Der Spiegel vergeben wird.

Die Idee kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn der Urban-Gardening-Boom ist ungebrochen. In London wurden durch das Projekt Capital Growth von 2008 bis 2012 ganze 2298 kleine Gärten auf über 50 Hektar Brachflächen aufgebaut. Laut Schätzungen ernteten die Londoner im vergangenen Jahr in ihren Gärten 750.000 Tomaten, 300.000 Kürbisse und Zucchinis und 15.000 Äpfel. Stadthühner legten zudem rund 100.000 Eier. Zusammengenommen produzierten die Gemeinschaftsgärten 357 Tonnen Lebensmittel im Wert von 1,8 Millionen Euro.

Ob nun die Krautgärten in München, der Rosa-Rose-Garten in Berlin, der Stadtgarten in Nürnberg oder der Hack-Museumsgarten in Ludwigshafen, auch in Deutschland ist die Anzahl der Urban-Gardening-Projekte stark ansteigend.

Kritik am Gardening-TrendJedoch können sich nicht alle mit dem Trend zum privat kultivierten Grün in der Stadt anfreunden. In der Bay Area in Kalifornien meldeten sich zuletzt immer mehr Gegner zu Wort, die den Pflanzboom für die Verteuerung von Bauland und Wohnraum mitverantwortlich machen.

Der Hintergrund: San Francisco vergibt Steuererleichterungen an Landbesitzer, die ihre Flächen für Urban-Gardening-Projekte zur Verfügung stellen. Aber die Stadt ist beliebt und Sehnsuchtsort für viele Unternehmensgründer, Studenten und Glücksritter (auch wegen ihrer Offenheit für Trends wie das Urban Gardening) – folglich explodieren die Mieten. Das passt nicht für alle mit Subventionen für die landwirtschaftliche Nutzung von Stadtfläche zusammen.

Doch der Preis von Baugrund und Miete sollte in teuren Städten nicht gegen Grünanlagen und Gärten sprechen. Sonst würden diese auch sehr schnell ihre Attraktivität verlieren. Außerdem muss auch nicht immer eine Konkurrenzsituation zwischen Wohnraum und Stadtgarten entstehen.

So zum Beispiel bei der Nutzung von Dachflächen. Gerade Dächer von Parkhäusern eignen sich für Urban-Gardening besonders, da es sich um Flächen handelt, die meist zu keinem anderen Zweck genutzt werden können. In Berlin und Stuttgart beispielsweise haben sich solche Gärten auf Parkhausdächern bereits etablieren können. In Berlin gibt es zudem die Initiative Dachgärten für alle, die die Dächer von Mietshäusern begrünen will.

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