Neuer Stern-Report: Wirtschaftswachstum und Klimaschutz sind vereinbar

Neuer Stern-Report: Wirtschaftswachstum und Klimaschutz sind vereinbar

von Nora Marie Zaremba

Klimaschutz kann ein Motor für Wirtschaftswachstum und Wohlstand sein, schreibt der Star-Ökonom Nicholas Stern. Aber die Zeit für ein Umsteuern drängt.

Vor fast genau acht Jahren wurde der Stern-Report veröffentlicht. Die Studie, benannt nach dem britischen Ökonomen und Hauptautoren der Untersuchung Nicholas Stern, warnte eindringlichst vor den möglichen Folgen des Klimawandels. Dürre, Wasserknappheit, Überschwemmungen, das alles würde die Weltwirtschaft Billionen von Dollar kosten, wenn nicht umgehend gehandelt würde, so die zentrale Botschaft des Berichts.

Sterns Erkenntnisse schreckten die Öffentlichkeit auf und erzeugten ein mediales Echo, wie zuvor kaum ein anderer Klimabericht. Denn die Warnungen kamen erstmals von einem klugen Kopf der Weltwirtschaft - und nicht von einem Klimaforscher oder Umweltschützer. Aber auch harsche Kritik an den Berechnungen Sterns blieb nicht aus. Der Vorwurf: Die Kosten des Klimawandels seien viel zu hoch angesetzt. Vergangenes Jahr beteuerte Stern dagegen im Interview mit WiWo Green, dass er und sein Team damals konservativ gerechnet und die Folgekosten des Klimawandels sogar noch unterschätzt hätten.

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Sterns zweiter StreichIn New York wird heute nun der zweite große Klimabericht vorgestellt, der unter der Leitung Sterns entstanden ist. Auch er dürfte wieder für Schlagzeilen sorgen. Unter dem verheißungsvollen Titel „Better Growth - Better Climate“ (zu deutsch: Besseres Wachstum, besseres Klima) liest sich der Report weit optimistischer als sein Vorgänger.

Weltweiter Klimaschutz und Wirtschaftswachstum, so lautet die Botschaft, können gemeinsam verwirklicht werden. Nämlich dann, wenn richtig investiert wird – und zwar genau in den nächsten 15 Jahren.

Der Bericht zeigt auch, wie das gehen soll: In diesem Zeitraum würden weltweit ohnehin Investitionen in Höhe von rund 90 Billionen US-Dollar in städtische Infrastruktur, Energiesysteme und den Verkehrssektor getätigt. Das Geld müsse aber in Bereiche fließen, die klimaschonend wachsen könnten, schreiben die Experten.

Vier Sektoren hebt der Report besonders hervor:

  • Städte:

    Planer müssen sie kompakter bauen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ausstatten. Damit ließen sich in den nächsten 15 Jahren mehr als drei Billionen US-Dollar Investitionskosten einsparen. Außerdem würden nicht nur der Ausstoß von Treibhausgasen vermindert, sondern auch die Lebensqualität in vielen Metropolen erheblich verbessert, z. B. durch geringere Luftverschmutzung.
  • Landnutzung:

    Zwölf Prozent der weltweit nicht mehr für den Ackerbau nutzbaren Flächen müssten wiederhergestellt werden, dann könnten weitere 200 Millionen Menschen ernährt werden. Auch die Emissionen durch Entwaldung würden so verringert.
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    Energie:

    Da der Preis von Solar- und Windenergie stark fällt, könnte mehr als die Hälfte neuer Stromversorgungskapazitäten in den nächsten 15 Jahren aus erneuerbaren Energien stammen. Damit würde die Abhängigkeit von der besonders klimaschädlichen Kohle verringert.
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    Ressourceneffizienz:

    Der Abbau der Subventionen von weltweit aktuell 600 Milliarden US-Dollar für fossile Brennstoffe (verglichen mit 100 Milliarden US-Dollar für erneuerbare Energien) würde helfen, die Energieeffizienz zu verbessern und Geld für gezielte Armutsbekämpfung freizumachen. Allerdings: Die meisten dieser Subventionen gewähren Entwicklungsländer ihren Bürgern, zum Beispiel auf Benzin. Fallen sie weg, könnte das die Staaten politisch destabilisieren. Dennoch hilft ein sparsamerer Umgang mit Ressourcen auch den Unternehmen, weil sie Geld sparen. Auch mehr und besseres Recycling kann hier weiterhelfen.

Bei aller Aufbruchstimmung, die der Bericht verbreiten möchte, ist aber klar: Klimaschutz ist nicht möglich, wenn wir unser Verhalten nicht ändern. Das gilt für Unternehmen wie für Privatleute gleichermaßen.

Da nur wenige Unternehmen bisher von sich aus wirklich klimafreundlich handeln, gibt der Bericht politischen Entscheidungsträgern dann auch gleich zehn Handlungsempfehlungen an die Hand. Als unerlässlich wird beispielsweise eine Reform des Emissionshandels gesehen, bei dem Unternehmen für ihren CO2-Ausstoß bezahlen müssen.

Erkenntnisse von KonservativenWer die Erkenntnisse des zweiten Stern-Reports für nicht sonderlich neu hält, der muss sich einmal die Autoren anschauen. So haben Ökonomen führender internationaler Organisationen wie der OECD, der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds und der Internationale Energieagentur zur Arbeit beigetragen. All diese Organisationen galten bisher nicht als Hort von Klimaschützern. Ihre Mitarbeit ist vielleicht ein erstes Zeichen, dass langsam ein echtes Umdenken stattfindet.

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