Neuer Wohnraum: Berliner Initiative hilft Flüchtlingen beim Bau von Mini-Häusern

Neuer Wohnraum: Berliner Initiative hilft Flüchtlingen beim Bau von Mini-Häusern

von Nora Marie Zaremba

Beim Projekt der "TU Kreuzberg" bauen Flüchtlinge ihre kleinen Notunterkünfte selbst.

Vor einer Turnhalle im Berliner Stadtteil Moabit direkt gegenüber dem Landesamt für Gesundheit und Soziales, bundesweit unter dem Kürzel "Lageso" bekannt, hat sich eine 15-köpfige Truppe aus Jugendlichen und Ehrenamtlichen versammelt.

Gemeinsam wollen sie kleine Unterkünfte bauen - sogenannte "Tiny Houses". Einmal fertig, sollen die Minihäuschen mit dem Konzeptnamen "Elementhouse" in die Turnhalle kommen und besonders Flüchtlingsfamilien einen Rückzugsort bieten. "Etwas Privatsphäre in dieser Ausnahmesituation“, sagt Van Bo Le-Mentzel, Berliner Architekt und Initiator der Aktion.

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Verschiedene Nationen bauen miteinander

Bevor Schrauben, Bohrer und Holzplatten verteilt werden, schreibt Schreiner Edgar Reinke die Namen der Anwesenden auf ein großes White-Board. Nathapan, Sam, Seyiet und die anderen Jugendlichen kommen aus ganz unterschiedlichen Ländern wie der Türkei, Pakistan, Thailand, Palästina und Syrien. Manche von ihnen sind selbst Flüchtlinge, andere haben an ihrer Schule von der Bauaktion erfahren und wollen mithelfen.

Organisatoren sind neben Architekt Le-Mentzel und Edgar Reinke auch Lehrer Klaus. Flüchtlingshelferin Derya ist ebenfalls mit ein paar ihrer Schützlinge anwesend. Sie freut sich, dass so viele unterschiedliche Nationen zusammenbauen. "Das fördert das Verständnis füreinander", sagt sie.

Die Bau-Aktion am Lageso ist Teil eines größeren Projekts, dass Van Bo le-Mentzel ins Leben gerufen hat: Die "Tiny-House-University Kreuzberg“ - kurz TU Kreuzberg. Im Rahmen dieses Projekts will er mit den Flüchtlingen herausfinden, wie die Wohnung der Zukunft aussehen kann. Denn von den Flüchtlingen, so ist er überzeugt, können wir alle viel lernen. Hörsäle gibt es bei der TU-Kreuzberg aber nicht. Der "Unterricht" soll da stattfinden, wo die Flüchtlinge sind - in den Turnhallen, an Schulen oder eben am Lageso.

Mit möglichst wenig Material gebautDas Konzept für die "Tiny Houses“ stammt von Edgar Reinke, einem Partner der TU Kreuzberg. 80 Zentimeter Breit und zwei Meter lang sind die Minihäuschen. Sie bestehen lediglich aus jeweils zwei klappbaren Holzwänden, Fenstern, einem Dach und mehreren Betten im Innenraum. Als Module konzipiert, sind sie leicht zu transportieren, einfach nachzubauen und lassen sich schnell an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Wenn jemand vier Betten braucht und dafür auf Wohnraum verzichten möchte, stellt das kein Problem dar.

Kosten sollen die Minihäuschen möglichst wenig. "Der Clou ist, dass sie mit Material gebaut werden, das andere nicht mehr brauchen“, erklärt Le-Mentzel. Das Material für die ersten Tiny-Houses wurde von Schreinereien aus der Umgebung gespendet.

Architekt Van Bo Le-Mentzel selbst ist in Berlin schon lange kein Unbekannter mehr. Berühmt wurde er mit seiner Aktion "Hartz IV Möbel", bei der er Baupläne für Stühle und Tische frei ins Internet stellt. Jeder soll sie mit günstigen Materialien nachbauen können. Mit seinen Ideen will Le-Mentzel aufrütteln. "In der Wohnungsfrage stecken alle Fragen des Kapitalismus. Wenn wir sie neu aufrollen, können wir die ganze Gesellschaft verändern", erklärt der Architekt.

Flüchtlingen ihre Stärke zeigenGenauso wichtig ist, dass die Flüchtlinge ihre kleinen Unterkünfte selber bauen und sich auf diese Weise auch weiterhin befähigt fühlen. "Die Flüchtlinge haben es geschafft, lebend übers Mittelmeer zu kommen. Damit gehören sie zu den Stärksten der Gesellschaft. So muss man die Flüchtlinge auch behandeln, und nicht als Opfer", sagt Le-Mentzel, der 1979 selbst als Flüchtling aus Laos nach Deutschland gekommen ist. Die Erfahrung prägt seine Arbeit.

An der TU Kreuzberg kann man sich einen Tag einbringen und lernen, wie ein Tiny-House gebaut wird. In drei Monaten wird zusammen ausprobiert, einen Wohnwagon zu bauen. Das langfristige Ziel der TU Kreuzberg ist es, den Teilnehmern einen Studentenstatus zu vergeben und am Ende auch ein offizielles Zertifikat. Dafür ist Architekt Le-Mentzel noch auf der Suche nach Universitäten und öffentlichen Einrichtungen, die Partner seines Projekts werden möchten.

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