News: Mikroplastik in Flüssen mit Schadstoffen belastet

News: Mikroplastik in Flüssen mit Schadstoffen belastet

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Mikroplastik-Teilchen sind kaum sichtbar, werden aber zur Gefahr im Boden deutscher Küsten und Flüsse. Weit stärker als gedacht lagern sich giftige und teilweise krebserregende Stoffe an dem Mikroplastik an.

Kleinstteilchen aus Kunststoff, sogenanntes Mikroplastik, sammelt sich im Sediment an und wird so giftiger als bislang gedacht.

Mikroplastik, also millimeterkleine Plastikteilchen, dürften gefährlicher als bislang angenommen sein: Weit stärker als gedacht lagern sich an diesen nämlich giftige und teilweise krebserregende Stoffe an. Das teilte die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) am Montag als Ergebnis eines Forschungsprojektes mit.

Ein Forscher-Team hatte auf zwei Expeditionen Schadstoffe und Plastikteilchen entlang der Mündungen von Weser, Elbe, Jade, Trave und Warnow sowie in Boddengewässern gesammelt und ausgewertet. Das Ergebnis: Der Kunststoff ist ungefähr drei- bis viermal so hoch belastet wie das umgebende Sediment.

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Das Plastik stammt aus unterschiedlichen Quellen. Es ist zum Beispiel in kosmetischen Produkten enthalten und wird in den Kläranlagen nicht herausgefiltert. Oder es entsteht aus größeren Plastikteilen, die von Wind und Wetter zersetzt werden. Ein Großteil dieser Kunststoffe sinkt ins Sediment ab - bisherige Untersuchungen widmeten sich aber eher dem Wasser.

Die Forscher unter der Leitung der Umweltchemikerin Gesine Witt brachten eigens entwickelte Schadstoffsammler - das sind etwa bechergroße Kupfergefäße, die mit Silikonfasern bestückt sind - an die Messpunkte und sammelten sie nach drei Monaten wieder ein. Besonders in der Weser- und der Elbmündung fanden sie an den Plastikteilen erhöhte Ablagerungen von Polychlorierten Biphenylen (PCB). Viele Stoffe aus dieser Familie gelten als krebserregend.

Auch PAK gefunden

Eine andere Stoffgruppe, polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), fanden sich ebenfalls in manchen Sedimenten, vermutlich weil dort Ölprodukte ins Wasser gelangten. "Es ist ein Irrtum, zu glauben, wir könnten die Schadstoffe in die Umwelt entlassen und die Natur wird dann schon irgendwie damit fertig", sagte der geschäftsführende HAW-Präsident Claus-Dieter Wacker.

Greenpeace warnt Kosmetikbranche geht zu lasch mit Mikroplastik um

Die großen Kosmetikunternehmen wollten Mikroplastik aus ihren Produkten verbannen. Ziel verfehlt, urteilt nun Greenpeace nach einer Befragung ebenjener Firmen.

Bei einer Infoausstellung zu Plastikmüll in den Meeren zeigt eine Greenpeace-Mitarbeiterin Kosmetika mit Mikroplastik. Quelle: dpa

"Je länger sich die Plastikteile im Wasser befinden, desto mehr Giftstoffe binden sie an sich und bilden eine Art Giftcocktail", erklärte Witt. Den Verbrauchern empfahl sie, beim Einkauf darauf zu achten, keine plastikhaltigen Kosmetikprodukte zu kaufen.

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