Nur noch klimafreundliche Investitionen: Münster "hofft auf den Domino-Effekt"

Nur noch klimafreundliche Investitionen: Münster "hofft auf den Domino-Effekt"

von Nora Marie Zaremba

Münster wird als erste Stadt rein klimafreundlich Investieren - warum, erklärt Grünen-Fraktionschef Reiners im Interview.

Münster in Nordrhein-Westfalen will als erste Stadt Deutschlands sein Geld künftig ethisch korrekt und vor allem klimafreundlich einsetzen. Otto Reiners, Fraktionsvorsitzender der Partei die Grünen in Münster, hat als Sprecher für Finanz- und Arbeitsmarktpolitik den Divestment-Prozess von Beginn an begleitet. Im Interview erklärt er, welche Reaktionen die Stadt auf ihre Divestment-Entscheidung bekommt, welche Hürden zu überwinden waren und wie das Umschichten der Anlagen nun praktisch umgesetzt werden soll.

Herr Reiners, Münster ist nun die erste deutsche Stadt, die divestiert, also ihr Geld aus klimaschädlichen Investitionen abzieht. Welche Reaktionen darauf erreichen Sie nun aus anderen Städten?

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Der Beschluss in Münster findet nicht nur europaweite, sondern sogar weltweite Beachtung. Zum Beispiel wurde auch in den Staaten über unsere Aktivitäten berichtet. Aber auch aus vielen deutschen Städten habe ich nicht nur Glückwünsche erhalten, sondern ich bin konkret um Unterstützung gebeten worden.

Glauben Sie, Münsters Ja zum Divestment kann andere Städte motivieren?

Wir hoffen sogar auf einen Domino-Effekt. Schließlich sind Köln, Bonn und viele weitere Städte dabei, einen ähnlichen Beschluss vorzubereiten. Sie sehen in Münster nun, dass wir nicht nur über Klimaschutz reden, sondern Worten Taten folgen lassen und den Wünschen vieler unserer Bürger nachkommen.

Wie hat die Diskussion in Münster genau begonnen?

Zu Beginn des Kommunalwahlkampfes 2014 haben wir Grünen auf einer Versammlung unserer Mitglieder öffentlich die Chancen und Risiken eines Divestment-Antrags diskutiert. In unser Wahlprogramm wurde dann aufgenommen, dass wir uns „für einen sauberen und sicheren städtischen Haushalt einsetzen. Konkret also keine Aktien mehr von Rohstoff-, CO² oder Nuklearunternehmen halten wollen“. Dass die Stadt nun beschlossen hat, zu divestieren, ist also die Umsetzung des Wahlprogramms, für das uns Bürger gewählt haben.

Blieben kritische Stimmen bisher aus?

Weitestgehend ja. Da Renditevergleiche wie beispielsweise die anerkannten Stoxx-Nachhaltigkeitsindices zeigen, dass die Performance von ethischen und ökologischen Geldanlagen im Vergleich zu schmutzigen Geldanlagen gleich hoch, gegebenenfalls sogar besser ist, haben Kritiker finanzpolitisch wenige Argumente.

Um welche klimaschädlichen Investitionen und welche Höhe geht es in Münster genau?

Es handelt sich um zwei Pensionsfonds zur Absicherung der Pensionen für Beamte. Die Stadt Münster hat gemeinsam mit weiteren Kommunen in NRW und Niedersachsen in den sogenannten Westfälischen-Versorgungs-Rücklage-Fond (kurz: WVR-Fonds) und dem Versorgungs- und Sanierungsfonds (kurz: VUS-Fonds) investiert. Die erwirtschafteten Mittel der Stadt Münster in beiden Fonds belaufen sich auf knapp 30 Millionen Euro. Zum Teil ist das Geld in Unternehmen wie RWE, OVM, Dutch, BASF oder Enel angelegt – nach ethischen und ökologischen Gesichtspunkten also durchaus fragwürdig.

Die Fossil Free Bewegung ist in Münster sehr stark. Wer steckt genau dahinter?

Bei Fossil Free handelt sich um eine bunte Gruppe, die in Münster sicherlich stark ist aufgrund unseres hohen Studentenanteils in der Stadt. Dass Fossil Free in Münster so aktiv ist, war für die positive Divestment-Entscheidung sicherlich sehr hilfreich.

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