Obama: So will er die USA zum Klimaschutz-Vorreiter machen

Obama: So will er die USA zum Klimaschutz-Vorreiter machen

von Benjamin Reuter

Die USA wollen den Ausstoß von klimaschädlichem CO2 bis 2030 um 30 Prozent senken. Das klingt ersteinmal gut – doch Fragen bleiben.

Die USA haben sich bisher nicht als Pionier beim Klimaschutz profiliert. Erst mauerte der konservative George Bush als Präsident im Weißen Haus über Jahre gegen Maßnahmen, den CO2-Ausstoß des Landes zu senken. Als Barack Obama 2009 seine erste Amtszeit antrat, erwarteten viele Experten, Bürger und Umweltschützer, dass er sich für mehr Klimaschutz engagieren würde – und der frisch gewählte Präsident versprach es auch.

Umsetzen wollte Obama sein Ziel dann beim angeblich historischen Klimagipfel in Kopenhagen 2009, als er beinahe im Alleingang ein Dokument für den künftigen Klimaschutz entwarf. Das Problem: Obama (und Kanzlerin Merkel) reisten vor dem Ende des Gipfels aus Kopenhagen ab, das Papier wurde nie ratifiziert.

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Nun scheint es Obama noch einmal wissen zu wollen. Wohl in Vorbereitung auf den wohl wieder als historisch bezeichneten Klimagipfel im kommenden Jahr in Paris, will er die USA zu einem Vorreiter beim Klimaschutz machen. Dafür hat die US-Umweltschutzbehörde EPA nun auf mehr als 600 Seiten Vorschläge präsentiert.

Zentral sind dabei die folgenden Punkte:

- bis 2030 sollen die CO2-Emissionen aus Kraftwerken um 30 Prozent sinken. Basisjahr ist 2005. Das Ziel und der Status quo zeigt folgende Grafik:

- die Ziele können die einzelnen US-Bundesstaaten je nach Gusto umsetzen. Das bedeutet: Sie können ihren CO2-Ausstoß über einen Zertifikatehandel neutralisieren, mehr erneuerbare Energien installieren oder strengere Schadstoffvorschriften für Kohlekraftwerke erlassen. Das Problem, wie die New York Times schreibt: Die USA könnten zu einem Flickenteppich beim Klimaschutz werden, ohne Koordination und Orientierung an Best-Practice-Beispielen. Schon jetzt kündigten einige Gouverneure in den Bundesstaaten an, die Vorgaben aus Washington nicht umsetzen zu wollen.

- Interessant: Jeder Bundesstaat bekommt aus Washington eine eigene Vorgabe, um wie viel er seinen CO2-Ausstoß reduzieren muss. Die Werte wurden in Zusammenarbeit mit Experten festgelegt, so dass die Wirtschaft der einzelnen Bundesstaaten nicht leidet. So muss das vor allem von Kohlekraft abhängige Kentucky seine Emissionen um 19 Prozent senken, Washington State muss ganze 84 Prozent schaffen. Der Bundesstaat im Nordwesten der USA unterhält allerdings nur ein Kohlekraftwerk, der Rest des Stroms wird vor allem aus Wasserkraft gewonnen. In den USA sind rund 600 Kohlekraftwerke am Netz.

- die Vorgaben aus der Hauptstadt Washington zielen vor allem auf Kohlekraftwerke ab. Sie sind für beinahe die Hälfte der CO2-Emissionen in den USA verantwortlich.

- Die EPA-Vorgaben müssen erst noch durch verschiedene Anhörungen im Kongress, bevor sie endgültig verabschiedet werden können. Verhindern können sie die Republikaner in Washington wohl aber nicht mehr. Anpassungen sind aber noch möglich.

Wie ernst meint es Obama?Die Frage ist am Ende: Wie ambitioniert ist Obamas Klimaschutz-Vorstoß? Um das zu beantworten, lohnt ein Blick auf die Entwicklung in den USA bisher. Wegen des Schiefergasbooms hat das Land jetzt schon seine CO2-Bilanz im Vergleich zu 2005 um 13 Prozent verbessert . Der Weg zu 30 Prozent Einsparung ist also fast zur Hälfte geschafft.

Allerdings: Bisher weiß niemand, wie klimafreundlich durch Fracking gewonnenes Erdgas wirklich ist, das derzeit die Kohle in den Kraftwerken verdrängt. Manche Experten halten es nicht für sauberer als Kohle. Am Ende könnten sich die Klimaschutzexperten der USA also schlicht verrechnet haben und der Energiemix des Landes ist schmutziger als gedacht.

Hinzu kommt: Um die Erderwärmung wirklich zu bremsen, müssten die USA (und die Welt) wahrscheinlich mehr tun. Denn bis 2050 muss der CO2-Ausstoß global um 40 bis 70 Prozent sinken, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. In den Jahrzehnten danach muss er auf quasi Null fallen.

Die Gasförderer aber versprechen, dass Fracking künftig ebenso sauber sein kann (im Bezug auf die Klimawirkungen) wie auf herkömmliche Weise gewonnenes Erdgas. Ist das der Fall, könnten die USA tatsächlich ohne größere Kosten die selbstgesteckten Klimaziele erfüllen. Denn Erdgas gibt es im Land mehr als genug, wie diese Grafik der US-Energiebehörde EIA zeigt:

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