Öko-Hotels: Null Sterne, aber Vollpension

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Öko-Hotels: Null Sterne, aber Vollpension

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Zurück zur Natur: Beim „Null Stern“-Hotel in den Schweizer Bergen wird das wörtlich genommen. (Foto: Atelier für Sonderaufgaben / Null Stern)

von Marlene Thiele

Weg von Massenabfertigung, zurück zur Natur: Nachhaltige Hotels boomen. Einige Betreiber setzen dabei auf besondere Konzepte.

Wer etwas Besonderes schaffen will, muss manchmal ungewöhnliche Wege gehen. In einen Bunker zum Beispiel oder mitten in die Schweizer Berge. So wie Frank und Patrik Riklin. Von den beiden Künstlern stammt die Idee zum „Null Stern“-Hotel: Wer hier bucht, bekommt Natur pur – denn geschlafen wird unter freiem Himmel. 

Null Sterne bedeutet für die beiden dabei nicht den Verzicht auf Komfort, sondern die Befreiung vom Sternesystem des gewöhnlichen Hotelbetriebs – und mit ihr die Befreiung von Auflagen, Größen- und Luxuswahn. „The only star is you“, sagt Daniel Charbonnier, der die beiden Gründer mit seiner Tourismusfirma berät. „Der Gast steht im Zentrum mit Fokus auf das Erfahren eines anderen, neuen Luxus.“

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Ein Butler-Service ist bei der Übernachtung im „Null Stern“-Hotel inklusive. (Foto: Atelier für Sonderaufgaben/Null Stern)

Dieser andere, neue Luxus dürfte vor allem Naturliebhabern gefallen: Das Hotelbett ist freistehend, ohne Dach und ohne Wände. Lediglich eine hüfthohe Mauer ist am Kopfende verbaut, an der ein Stromanschluss und zwei Nachttischlampen verbaut sind. Wer hier übernachtet, schläft bei klarem Wetter unter dem Sternenhimmel ein – und spürt morgens den Frühtau der Berge im Gesicht.  

Ist das Doppelbett nicht gebucht, ist es im Stand-by-Modus, mit einer Landwirtschaftsplane überdeckt. Organisiert wird das bis Ende August von den Bewohnern des Tals. Sie stellen auch den Butler, der den Gästen morgens Kaffee und Brötchen mit Bio-Salami serviert. Das ist im stolzen Übernachtungspreis von umgerechnet 230 Euro enthalten. Dafür muss der Freiluftgast ohne Dusche und Toilette auskommen.

Weder fließendes Wasser noch Strom

Bei ihren Hotelprojekten legen Frank und Patrik Riklin Wert auf Nachhaltigkeit. Stets greifen die Gründer auf bereits verfügbare Ressourcen zurück und binden den gesamten Ort in das Projekt mit ein. So wie 2009, als sie das Konzept des „Null Stern“-Hotels erstmals in einem Zivilschutzbunker umgesetzt haben.

In diesem Sommer ist nun also das erste „Null Stern“-Hotel unter freiem Himmel gefolgt – und es soll nicht das einzige bleiben: Die beiden Künstler wollen ihre Idee in der Schweiz verankern. In mehreren Tälern sollen „Null Stern“-Hotels unter freiem Himmel geschaffen werden – als dauerhafte Installationen, mitten in der Schweizer Natur.

Auch in Schweden wird Luxus neu definiert: als Verzicht auf alles, was nicht zwingend nötig ist. Die zwölf Kolarbyn Ecolodges, zeltförmige Hütten aus Holzbrettern und bedeckt von Moos und Tannenzweigen, sind mitten im Wald gelegen. Fließendes Wasser und Strom sucht man hier vergeblich, dafür gibt es in jeder Hütte einen kleinen Steinofen.

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Ohne Wasser und ohne Strom, aber mit eigenem Ofen: die Kolarbyn Ecolodges in Schweden. (Foto: Marcus Jonson)

Ziemlich einfache Verhältnisse – aber um Komfort geht es beim Aufenthalt im Waldhotel auch nicht. Das Gefühl, inmitten eines Naturparadieses aufzuwachen, geweckt vom Gezwitscher der Vögel, soll hier im Vordergrund stehen. Zum Frühstück machen steht ein Schuppen voller Öko- und Fairtrade-Lebensmittel bereit, es gibt eine Kanne, um frisches Wasser zu holen, und zum Kochen eine Feuerstelle. Wer hier morgens seinen ersten Kaffee trinken will, muss jedoch erst einmal Feuerholz sammeln – im Wald, versteht sich. 

Gebäude aus natürlichen Materialien

Noch in den Startlöchern steht das rumänische Castelul de Lut Valea Zanelor (übersetzt etwa: Ton-Schloss im Feental). Seit 2014 baut das Künstler-Ehepaar Razvan und Gabriela Vasile dort an einem Gebäudekomplex, der bald als Hotel mit zehn Zimmern und Restaurant eröffnet werden soll.

Das Gebäude ist komplett organischen Ursprungs: Razvan und Gabriela Vasile bauen mit Ton, Holz, Sand und Stroh, also mit Materialien, die schon im Mittelalter verbaut wurden. Kein Wunder, dass das Gebäude aus der Zeit gefallen wirkt – mit seinen schiefen Dächern und steinernen Schornsteinen allerdings weniger wie ein Schloss, als viel mehr wie das Hobbit-Dorf bei Der Herr der Ringe.

Bei der Architektur haben die zukünftigen Hausherren den Fokus vor allem auf die Harmonie zwischen Bauwerk und Natur gelegt: die Form der Dächer ist von den umliegenden Gebirgen inspiriert. Wann das Castelul de Lut Valea Zanelor eröffnet und wie teuer eine Übernachtung sein wird, steht noch nicht fest.

Bio-Baumaterialien Ein Dorf aus Abfall

Häuser aus Stroh, Straßen aus Gülle: Abfall-Materialien feiern ein Revival. Wir zeigen, wie künftig mit Müll gebaut werden könnte.

Fast wie der Tintenstrahldrucker daheim: Dieser 3D-Drucker baut aus Lehm und Stroh ein ganzes Haus. (Foto: WASP)

Knapp 100 weitere nachhaltige Übernachtungsmöglichkeiten finden sich bei BIO HOTELS. Der Verein legt Wert auf nachhaltiges Wirtschaften, regionalen Einkauf und umweltfreundliche Energie- und Abfallkreisläufe. Alle Mitgliederhotels sind „eco hotels certified“ – das heißt, dass der CO2-Verbrauch der Gäste einen gewissen Maximalwert nicht übersteigt. Zudem verpflichten sich die Hoteliers dazu, ständig an der Verbesserung ihrer CO2-Bilanz zu arbeiten.

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