Öko-Landwirtschaft: Ameisen ersetzen Pestizide

Öko-Landwirtschaft: Ameisen ersetzen Pestizide

von Jennifer Garic

Oft stehen Bauern vor der Frage: Schädlingsbefall oder Pestizide? Ameisen könnten eine dritte Antwortmöglichkeit sein, denn sie schützen Pflanzen effektiv.

Manche Pflanzen lassen sich ohne Pestizide kaum noch sinnvoll anbauen. Dabei haben Landwirte nicht erst seit dem Bio-Boom ein großes Interesse an nicht-chemischen Alternativen. Nun rücken Ameisen in den Blick der Forscher – eine neue Studie traut gerade Weberameisen zu, Pflanzen erfolgreich vor Krankheiten schützen zu können.

Dr. Ameise als Erntehelfer? Der dänische Biowissenschaftler Joachim Offenberg hat sich mit dem Einsatz von Ameisen als Schädlings- und Pestbekämpfer beschäftigt. Den Weberameisen traut er nun zu, effektive Helfer zu sein.

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Die Weberameisen bauen sich kleine Nester in Bäumen. Erste Versuche fanden auf Cashew-, Mango- und Citrusbäumen sowie Ölpalmen statt – mit stets positiven Ergebnissen. Die Bäume waren deutlich seltener von Krankheiten oder Schädlingen befallen, die Ernte fiel höher aus und es wurden hochwertigere Früchte geerntet.

Das Geheimnis liegt in der Aggressivität: Die Ameisen töten Insekten, die sich von „ihren“ Bäumen ernähren wollen. So kommen andere Tiere – und damit auch Krankheiten - gar nicht erst an den Stamm.

Deutliche ErtragssteigerungIm Beispiel der Cashewernte fiel der Ertrag bei einem Einsatz von Ameisen um enorme 122 Prozent höher aus. Sprühten die Bauern zudem noch geringe Mengen eines Insektizides, steigerte sich der Ernte-Ertrag sogar um über 150 Prozent.

Nicht nur beim Ertrag, auch bei den Kosten schneiden die Ameisen gut ab: Sie kosten weniger als die Hälfte im Vergleich zu den Pestiziden, die ohne sie gebraucht würden. Etwa 25 Cent muss man pro Baum für die Ameisen ausgeben. Die robusten Tiere begnügen sich mit etwas Zuckerwasser als Futter, überleben aber auch bis zu acht Monate ohne.

Schwieriger ist der Einsatz der Ameisen auf dem Feld. Durch die große Fläche, die es zu schützen gilt, ist es schwer eine Ameisendichte aufzustellen, die groß genug ist, um effektiv zu arbeiten.

Kampf gegen Grashüpfer verlorenEin Problem bei der Mangoproduktion in Thailand waren zum Beispiel die Grashüpfer. Die Ameisen konnten nichts gegen sie ausrichten. Deswegen fiel hier die Ernte mit komplettem Verzicht auf Insektizide geringer aus. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Weberameisen auch Menschen zum Beispiel bei der Ernte angreifen und beißen. Das lässt sich aber mit einem Imker-Anzug oder einem Abwehr-Pulver verhindern.

Offenberg, dem Autor der Studie, zufolge, würden die Vorteile der Ameisen die wenigen Nachteile weit überwiegen. Es müsse nur geprüft werden, bei welchen Obst- und Gemüsesorten die Ameisen eine besonders große Hilfe sind. Denn es sind nicht nur die Weberameisen, die helfen können. 13.000 weitere Ameisengattungen könnten Pflanzen vor Krankheitsbefall schützen.

Klingt innovativ, ist es aber nicht: Schon vor 1700 Jahren haben Bauern im heutigen China Ameisen als Fußsoldaten im Kampf gegen Schädlinge eingesetzt. Viel Wissen ging mit der Zeit allerdings verloren.

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