Öl, Gas, Kohle: Neu angezapfte Reserven sind "CO2-Bomben"

Öl, Gas, Kohle: Neu angezapfte Reserven sind "CO2-Bomben"

von Benjamin Reuter

Schiefergas in den USA, Öl in der Tiefsee vor Brasilien, Kohle in Westchina - neue Rohstoffquellen schaden der Umwelt, ihre Erträge sind dabei gering, so eine Studie.

Die Wirtschaft in den Schwellenländern explodiert. Der Energiehunger steigt. Die Erdbevölkerung wächst. Millionen neue Autos kommen jährlich auf die Straßen. Die Welt giert nach fossilen Rohstoffen. Die Folge: Aus den letzten Winkeln der Erde, aus den größten Tiefen und an den ungewöhnlichsten Orten saugen, pressen und brechen Unternehmen Öl, Gas und Kohle aus dem Boden.

Wo die konventionellen, günstig und einfach zu bergenden Ressourcen nicht mehr ausreichen, nimmt die Suche nach unkonventionellen Lagerstätten beinahe manische Züge an. Ölfelder unter dem Eis der Pole, Landstriche aus Teersand, kilometerlange Gesteinschichten voller Schiefergas und Hügelketten bestehend aus Kohle – von diesen, bis vor kurzem verschloßenen, Lagerstätten erhofft sich das junge rohstoffsüchtige 21. Jahrhundert Nachschub.

Anzeige

Eine von Greenpeace als "Point of no Return" betitelte Untersuchung des Think-Tanks Ecofys zeigt nun: Allein die derzeit in 14 Staaten laufenden Projekte (von Greenpeace als "CO2-Bomben" bezeichnet) unkonventionelle Reserven anzuzapfen, bergen genug klimaschädliche Gase wie CO2, um die Erderwärmung endgültig über die Klippe von zwei Grad zu schieben.

Man könnte einwenden: Dass Greenpeace in Sachen Klima Alarm schlägt, ist ungefähr so ungewöhnlich, wie einen Prediger von der Sünde reden zu hören. Doch Ecofys besticht schon lange mit seinen peniblen und sauber recherchierten Studien. Es lohnt sich also hinzusehen.

Und das sind die Zahlen: Ab 2020 haben die Rohstoffe, die laut Ecofys in den 14 Staaten - darunter Australien, China, die USA, Brasilien - aus dem Boden kommen, das Potenzial, den CO2-Ausstoß um sechs Gigatonnen pro Jahr zu erhöhen. Derzeit liegt der Ausstoß bei etwas mehr als 30 Gigatonnen. Allein diese Projekte werden bis 2050 20 bis 30 Prozent der gesamten Klimagase freisetzen, die die Welt auf mehr als zwei Grad erwärmen könnten.

Insgesamt können die Mineralöl- und Kohleunternehmen aus allen derzeit laufenden unkonventionellen Projekten laut Ecofys 29.400 Milliarden Kubikmeter Gas, 260.000 Millionen Barrel Öl und 49.600 Millionen Tonnen Kohle fördern. Problematisch dabei: Rohstoffe aus den exotischen Lagerstätten müssen mit viel mehr Energieaufwand gefördert werden, als die aus herkömmlichen Vorkommen. Das trübt die Umweltbilanz zusätzlich.

Zur Einordnung: Derzeit werden täglich rund 80 Millionen Barrel Öl pro Tag gefördert – die Menge an unkonventionellen Öl-Ressourcen würde bei heutigem Verbrauch also gerade einmal etwas mehr als acht Jahre reichen. Die Kohle gerade einmal sieben Jahre. Das Gas zehn Jahre. Die Suche wird also weitergehen.

Hier gibt es die Ecofys-Studie mit dem Titel "Effects of New Fossil Fuel Developments on the Possibilities of Meeting 2°C Scenarios" als PDF.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%