Päpstliche Enzyklika: Lobet den Umweltschutz

Päpstliche Enzyklika: Lobet den Umweltschutz

von Peter Vollmer

Der Papst hat eine ungewöhnliche Enzyklika veröffentlicht. Sie soll eine Debatte zur Umweltpolitik anstoßen - und dafür findet Franziskus deutliche Worte.

Viel wurde im Vorfeld über die päpstliche Enzyklika gesprochen, ein früher Entwurf war sogar durchgesickert.

Nun hat der Vatikan „Laudato si“ veröffentlicht. Tatsächlich verlangt Papst Franziskus darin ein großes ökologisches Umdenken - und bricht mit einer alten katholischen Tradition.

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Die Umwelt sei „unser Haus“, der Körper „eine Gabe Gottes“, beginnt Franziskus. Und mit beidem habe die Menschheit verantwortungsvoll umzugehen. Klingt ein wenig belehrend und darf es auch: Eine Enzyklika ist eine der wichtigsten Formen, die dem Papst zur Verfügung stehen, um die katholische Lehre zu verbreiten.

Anstoß für die PolitikUm die reine katholische Lehre geht es Franziskus dabei gar nicht unbedingt, ganz genau hat der argentinische Papst nämlich auch die weltliche Politik im Blick. Die könne einen Anstoß gebrauchen, lies er bereits im vergangenen Jahr durchblicken. Die Enzyklika könnte helfen, Umweltthemen im Vorfeld der UN-Klimakonferenz, die im Dezember in Paris stattfindet, zur Debatte zu stellen.

Dabei bezieht Franziskus sich zunächst auf seine Vorgänger, die bereits „die unkontrollierte Tätigkeit des Menschen“ als Grund für ökologische Probleme benannt hätten. Nun gehe es darum, „die gesamte Menschheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen.“

Darauf geht Franziskus konkreter ein, als es der Satz zunächst vermuten lässt: Wasser, biologische Vielfalt oder soziale Ungerechtigkeit sind einige Stichpunkte, denen er sich ausführlich widmet. Immer mit Blick auf die Menschen, denn ein ökologischer Ansatz verwandle sich auch „immer in einen sozialen Ansatz.“

Zornige SätzeDas gilt spätestens bei der Diskussion um Überbevölkerung: „Die Schuld dem Bevölkerungszuwachs und nicht dem extremen und selektiven Konsumverhalten einiger anzulasten, ist eine Art, sich den Problemen nicht zu stellen.“

Einige Gruppen bekommen den Zorn des Heiligen Vaters sehr konkret zu spüren: Politiker, die sich der Technologie und dem Finanzwesen unterwürfen. Medien, die zu weit von den großen Problemen der Welt weg seien. Wirtschaftsstarke Marktteilnehmer, die das System lieber rechtfertigten, anstatt es zu verbessern. Gemeinsame Wurzel des Übels: Der von allen Seiten befeuerte Konsumdrang und die daraus entstehende Unsicherheit. Beides führe zu einem "kollektiven Egoismus". Und da kann der Glauben natürlich Abhilfe schaffen.

Die Enzyklika ist geschickt aufgebaut, am Ende von Franziskus Argumentation scheint eine Hinwendung zur christlichen Religion geradezu logisch. Doch auch wer an keinen oder mehrere Götter glaubt, dürfte in der Enzyklika genug interessante Gedanken finden, die die Lektüre rechtfertigen. (Den Text im deutschen Wortlaut finden Sie unter diesem Link auf den Seiten des Vatikans.)

Diskussion angefachtOb der Papst damit entscheidenden Einfluss auf die Umweltpolitik, vielleicht sogar die Klimaverhandlungen von Paris haben wird? Die Botschaft ist zumindest angekommen: „Er ist in diesem Thema persönlich so engagiert wie kein Papst vor ihm“, sagte Christina Figueres, die Exekutivsekretärin der UN-Klimarahmenkonvention.

Übrigens so engagiert, dass er mit einer Tradition bricht: Früher dienten Enzykliken dazu, Glaubensdiskussionen zu beenden, nicht anzufachen. Mit „Laudato si“ dürfte Franziskus das genaue Gegenteil gelungen sein.

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