Panasonics schöne neue Hightech-Welt: Ist das die perfekte Stadt der Zukunft?

Panasonics schöne neue Hightech-Welt: Ist das die perfekte Stadt der Zukunft?

von Sabrina Keßler

Panasonic hat eine futuristische Stadt gebaut. Das Ziel: keine CO2-Emissionen. Die Bewohner zahlen einen hohen Preis.

Es erinnert an die Truman-Show, was dort im Süden Tokios passiert. An den gezirkelten Wegen der Stadt stehen perfekt gebaute Häuser in Reih und Glied, die sich optisch kaum voneinander unterscheiden. Wenige Quadratmeter perfekt gemähten Rasens und ein paar Bäumen trennen sie.

Über den Straßen wachen Kameras, die das geordnete Spektakel beobachten, während die Sicherheitsmänner ihre Runden drehen und die Bürger im Blick haben. Alles hat seine Ordnung, alles wird überwacht und alles dient einer einzigen Idee: Die perfekte Stadt der Zukunft zu bauen.

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Fujisawa Smart Town: Ein Leben ohne CO2Fujisawa Smart Town, so nennt sich die Trabantenstadt im Osten Japans, ist eine Vorstadt, wie sie die Amerikaner nicht besser hätten bauen können. Rund 3000 Menschen sollen hier die urbane Zukunft im Zeitalter des Internets leben – computergesteuert, überwacht und ja: auch nachhaltig.

Denn das ambitionierte Ziel der Erbauer ist urbanes Leben, das fast ohne CO2-Emissionen auskommt.

Sensoren überwachen alle BewegungenHinter der Modellstadt, die vergangene Woche eröffnet wurde, steht kein geringerer als der Elektronikriese Panasonic. Auf einem ehemaligen Fabrikgelände im Süden Tokios, rund 190.000 Quadratmeter groß, baute der Konzern in zwei Jahren eine City, die auch aus einem Sciencefiction-Film stammen könnte. Mehr als 400 Millionen Euro sind bereits in die Umsetzung des Projekts geflossen, die ersten Bewohner leben schon seit Anfang 2014 dort.

In den PanaHomes, wie das Unternehmen seine Häuser nennt, messen dutzende Sensoren das Licht und die Bewegungen der Bewohner, um den Stromverbrauch optimal zu regulieren. Dazwischen stehen firmeneigene Klimaanlagen, firmeneigene Kühlschränke und firmeneigene Fernseher, die ihre Daten automatisch an das Internet senden und ihren Energiebedarf perfekt den äußeren Umständen anpassen - alles kontrolliert vom Energiesystem des Konzerns. Selbst das Klo reinigt sich selbstständig - natürlich darf darin die für Japan üblichen Po-Dusche nicht fehlen.

Weiter oben, auf den Dächern der Häuser, produzieren Solaranlagen Elektrizität, die je nach Bedarf ins Netz gespeist oder in massiven Lithium-Ionen-Akkus gespeichert wird. Jedes Haus verfügt über eigene Brennstoffzellen, die nachts oder wenn Wolken den Himmel verdecken, Strom aus Wasser- und Sauerstoff produzieren und nebenbei heißes Wasser gewinnen. Selbstredend stammt auch diese Technik, genau wie die Solaranlagen und die Akkus von Panasonic.

Neben dem Verkauf ihrer Produkte wollen die Planer vor allem eines erreichen: Die Stadt soll mindestens 100 Jahre nachhaltig sein. „Fujisawa ist ein Gesamtkonzept für alle Lebensbereiche“, sagte Michael Langbehn, der Panasonic-Manager Deutschland, bei der Eröffnung des Projekts, das 2018 endgültig fertiggestellt sein soll. „In dieser Stadt können die Bewohner die ersten sein, die einen rundherum nachhaltigen und intelligenten Lebensstil ausprobieren“.

Auch Car-Sharing soll dazu beitragen. Mittels hauseigenem Tablet kann jeder Bewohner überprüfen, welche Elektroautos momentan zur Verfügung stehen und sie auf Wunsch an der nächsten Ecke ausleihen. Aufladen kann man sie an den zahlreichen städtischen Stationen oder direkt am Haus.

Zudem soll es Seminare für Umweltbildung oder Do-it-yourself-Kurse geben, die die Bewohner in perfekte Handwerker verwandeln. Sollte das Projekt Erfolg haben, so der Wunsch von Panasonic, könnten schon bald auf der ganze Welt solche Städte entstehen.

Wie schützt die Stadt Privatsphäre und Daten?Ganz unrealistisch ist das nicht: Experten sagen seit Jahren einen riesigen Markt für voll vernetzte Öko-Städte voraus. In mehr als 200 Projekten suchen derzeit Visionäre auf der ganzen Welt nach Wegen, wie immer mehr Menschen, von neuster Technik unterstützt, komfortabel leben können, ohne die Umwelt zu zerstören.

Doch so lobenswert diese Bestrebungen auch sind: Smart Cities wie Fujisawa werfen Frage nach persönlicher Autonomie, Privatsphäre und Datensicherheit auf. Die voll vernetzten Häuser ermöglichen es Firmen wie Panasonic uns rund um die Uhr zu überwachen und ganze Bewegungsprofile zu rekonstruieren. Sollte es Hackern gelingen, in die Infrastruktur dieser Städte einzudringen, ist das ganze System – so zukunftsweisen es auch sei mag – ganz schnell lahmgelegt.

Ein Werbeclip der Fujisawa Smart Town auf Youtube:

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