Peptide: Eiweiß-Müll wird Kosmetik-Rohstoff

Peptide: Eiweiß-Müll wird Kosmetik-Rohstoff

von Angela Schmid

Firmen, die Stärke aus Reis gewinnen, schmeißen die Überreste bislang weg. Nun haben Forscher daraus allerdings Peptide für die Kosmetikindustrie gewonnen.

Jung auszusehen und körperlich in Topform zu sein, ist ein Menschheitstraum. Ein Milliardenmarkt für die Kosmetikindustrie, die immer auf der Suche nach neuen Wirkstoffen ist. Insbesondere die (Wieder-)Verwertung von Nebenprodukten aus der Lebensmittelindustrie werden als wichtige Rohstoffquelle für biobasierte Produkte gepriesen. Einer der vielversprechendsten Ansätze verbirgt sich im Reis.

Reis enthält viele wertvolle Bestandteile und dient weiten Teilen der Erdbevölkerung als Grundnahrungsmittel. Zum überwiegenden Teil besteht das Getreide aus Stärke. Diese wird von vielen Betrieben extrahiert und verkauft, etwa als gluten- und allergenfreie Babynahrung.

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Die Eiweiße, die dabei übrig bleiben, landen auf dem Müll. Dabei sind es reine Naturprodukte, die der Körper gut aufnimmt. Vorläufige Analysen ergaben, dass im Eiweiß enthaltenden Peptide antioxidative und blutdrucksenkende Aktivitäten aufweisen. Die Cholesterin senkende Wirkung wird noch untersucht.

In dem EU-Projekt BIORICE haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen gemeinsam mit europäischen Partnern ein Verfahren entwickelt, um diesen Rohstoff zu nutzen. „Wir haben aus einem Nebenprodukt, das eigentlich Kosten verursacht, ein hochwertiges Produkt generiert, das in Nahrungsmitteln und Kosmetika genutzt werden kann“, so Dr. Jürgen Grän-Heedfeld, Wissenschaftler am UMSICHT. „Das ist für diesen Rohstoff bislang einzigartig.“

Noch keine industrielle HerstellungUm an das vielversprechende Verjüngungsmittel zu gelangen, werden die Eiweiße gespalten, gefiltert und anschließend getrocknet. Zurück bleibt das reine Peptid, das ein wenig an Milchpulver erinnert. „Auf diese Weise können wir im Labor Peptid-Mengen von 100 bis 200 Gramm leicht herstellen“, erklärt Grän-Heedfeld. Das Herstellungsverfahren umfasst viele Parameter. „Um diese richtig einzustellen, braucht man viel Erfahrung“, so der Wissenschaftler.

Damit bringen die Forscher Peptide aus einer bislang unerschlossenen Quelle auf dem Markt. Dennoch ist der Körper bereits mit ihnen vertraut: Essen wir Reis, zerlegt der Magen diesen auch in die noch kleineren Aminosäuren, also in die einzelnen Bausteine der Peptide und Eiweiße.

Am Ende der Peptid-Herstellungskette steht ein Unternehmen mit Sitz in der Schweiz und in Italien, das diese vermarkten wird. Bevor sie als Bestandteile von Cremes und Nahrungsergänzungsmitteln in die Supermarktregale wandern, stehen allerdings noch viele Untersuchungen und Analysen an – vor allem, was ihre Verträglichkeit und Wirkungsweise angeht.

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