Pflanzen-Projekt: London geht auf Bienenjagd

Pflanzen-Projekt: London geht auf Bienenjagd

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Bienenjagd mit der Kamera: Londoner Forscher wollen ihre Mitbürger zum bienenfreundlichen Gärtnern verlocken. (Foto: Joseph Woodgate / QMUL)

von Peter Vollmer

Während halb Deutschland Pokemon sucht, wollen britische Forscher in London eine Bienenjagd starten - es gibt sogar Amazon-Gutscheine zu gewinnen.

Ein bisschen erinnern sie an die Nummerngirls beim Boxen, nur mit mehr Fell: Forscher der Queen Mary University of London haben Bienen diesen Frühling mit Nummern versehen. Nun fliegen zahlreiche nummerierte Tiere durch London.

Grund ist ein Wettbewerb, den das "Bee Sensory and Behavioral Ecology Lab" der Hochschule gestartet hat. Das "London Pollinator Project" soll die Großstadt attraktiver für Bienen machen.

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Eine gute Idee, denn deutsche Forscher haben in diesem Jahr festgestellt, dass Bienen urbane Gegenden bevorzugen. Pestizide und Monokulturen auf dem Land setzen ihnen zu - in Städten finden Sie Gärten und Balkone mit nahrhaften Wildblumen.

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Die Unsicherheit von Pestiziden sorgt für Diskussionen. Insbesondere für Bienen sind sie extrem ungesund.

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Ihre Ergebnisse haben die Forscher im Juni im Journal Proceedings of the Royal Society B veröffentlicht - da lief das "Pollinator Project" allerdings schon. Denn zum 21. Juni haben die Forscher zahlreiche gefangene und nummerierte Bienen freigelassen. Jeder, der eine solche Biene in seinem Garten oder auf seinem Balkon fotografiert, kann gewinnen. Auch der bienenfreundlichste Garten oder die meisten fotografierten Nummern-Bienen bringen Preise.

Hoffnung auf mehr Bienen durch das Projekt

Die Aktion soll natürlich dafür sorgen, dass die Menschen ein waches Auge für die Bedürfnisse der Bienen entwickeln, aber auch für mehr bienenfreundliche Pflanzen in der Großstadt sorgen. Nicht nur aus reiner Tierliebe: 14,2 Milliarden Euro tragen Insekten zur europäischen Wirtschaftsleistung bei. Das sind 28 Euro pro Kopf - einen Teil davon sollte man also in Form von Blumen zurückzahlen.

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Nummer 35 geht farblich auf Nummer sicher: Bienen mit solchen Marken fliegen in diesem Sommer durch London. (Foto: Joseph Woodgate / QMUL)

Clint Perry, Projektkoordinator der "School of Biological and Chemical Sciences" der Uni, erklärt: "Wir hoffen, dass das Projekt die Öffentlichkeit dazu ermuntert, Blumen zu pflanzen, die unsere gefährdeten Stadt-Bienen mit Nektar und Pollen versorgen. Und hoffentlich sogar ihren Bestand vergrößern."

Nicht zuletzt bieten die Reisen der Bienen spannende Einblicke in ihren Alltag. Auch diese Informationen haben die Forscher bereits verwertet und den Tagesablauf einer Biene rekonstruiert. Genauer gesagt von vier, die binnen 24 Stunden zusammengerechnet 180 Kilometer hinter sich gelegt haben. Und anders als etwa Ameisen seien die Bienen wahre Vagabunden, schreiben die Forscher.

Bis zum 21. August können Londoner noch Fotos einsenden. Den Sichtungsverlauf zeigt eine interaktive Karte - bislang sind dort aber nur ein Dutzend Fundorte eingetragen. Die Gewinner sollen Anfang September gekürt werden - am Ende dürften allerdings die Bienen die wahren Sieger sein.

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