Plastikfischer: Marine Müllabfuhr jagt Abfall statt Makrelen

Plastikfischer: Marine Müllabfuhr jagt Abfall statt Makrelen

von Benjamin Reuter

Vor den Küsten Europas reinigen Plastikfischer das Meer. Das ist auch dringend nötig ...

Statt zappelnder Meerestiere jagt eine Handvoll Fischer vor den Küsten Frankreichs und Belgiens einem anderen Fang hinterher: Seit einigen Monaten landen Plastikflaschen, Kunststofftüten und ausrangierte Kanister in ihren Netzen. Je nach Tragfähigkeit der Trawler ziehen die Plastikfischer zwei bis acht Tonnen Müll an Bord. Im Hafen holen ihn Lastwagen ab und bringen ihn zu einer Recyclingstation.

Die ungewöhnliche Aktion ist Teil eines Programms der belgischen Stiftung Waste Free Oceans, zu Deutsch: abfallfreie Ozeane. Die Stiftung bezahlt die Fischer für ihre Müllabfuhr. Das Ziel der Umweltschützer: Die Ozeane wenigstens von einem Teil der rund 100 Millionen Tonnen Plastikmüll zu befreien, die Experten zufolge mittlerweile in ihren Weiten treiben.

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Es ist höchste Zeit. Delfine und Haie schlucken Tüten und Zahnbürsten und verenden elend daran; Fische verwechseln zersetzte Plastikreste mit Plankton und fressen den Unrat. So gelangen giftige Chemikalien über die Nahrungskette zurück zum Menschen. Mit dem Recycling wollen Umweltschützer das Problem zumindest entschärfen: Aus dem aufgefischten Plastikmüll fertigen erste Unternehmen Jeans, Socken, Verpackungen und Teppichböden.

Eine Tonne bringt 300 EuroStiv Wilson, Aktivist bei der Naturschutzorganisation 5 Gyres, sieht die Möglichkeiten aber realistisch. Zum einen lässt sich bestenfalls ein kleiner Teil des Abfalls einsammeln. "Die Ozeane sind einfach zu groß." Zusätzliches Problem: Weil eine Tonne Müll etwa in Deutschland nur zwischen 200 und 300 Euro bringt, ist das Plastikfischen ein Zuschussgeschäft. Es funktioniert nur mit Subventionen.

Die Europäische Union will Trawlerbesitzer künftig aus dem Fischereifonds für das Müllfangen bezahlen. Einig sind sich die Experten indes, dass nicht weiter solch gigantische Mengen Plastik in den Meeren landen dürfen. Helfen könnte zum Beispiel eine Rücknahmepflicht für Kunststoffe.

Hier ein Youtube-Video von 5 Gyres, das zeigt, wie viel Plastik-Mikropartikel in den Großen Seen schwimmen.

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