Plastikmüll im Meer: Die Situation ist viel schlimmer als gedacht

Plastikmüll im Meer: Die Situation ist viel schlimmer als gedacht

von Benjamin Reuter

US-Forscher haben nachgerechnet, wie viel Plastikmüll jährlich in die Ozeane gelangt – das Ergebnis ist erschreckend.

Wenn Wissenschaftler abschätzen wollten, wie viel Plastikmüll in den Ozeanen schwimmt, nahmen sie bisher Wasserproben in der Nähe der fünf großen Müllteppiche, die sich über die Weltmeere verteilen. Dann maßen sie die im Wasser vorhandenen Plastikteile und rechneten so die Müllmenge in den Meeren hoch.

Dabei kamen sie auf rund 269.000 Tonnen Plastikmüll, der in den Ozeanen treibt. Das ist viel. Aber eine aktuelle Studie warnt, dass die Menge sehr viel größer sein könnte.

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Menge an Plastikmüll verdoppelt sichEin Forscherteam, unter anderem von der University of Georgia aus dem gleichnamigen US-Bundesstaat, hat erstmals berechnet, wie viel Müll pro Jahr in die Ozeane gelangt. Die Untersuchung erschien im Fachmagazin Science (hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse).

Im Jahr 2010 sind demnach zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Plastikabfall in die Ozeane gewandert. Der wahrscheinliche Mittelwert liegt bei acht Millionen Tonnen. Die Menge könnte sich wegen des steigenden Verbrauchs an Plastik in den kommenden zehn Jahren verdoppeln, schreiben die Forscher.

Um zu diesem Wert zu gelangen, trugen die Wissenschaftler die Daten der Gesamtmüllmenge aller Länder mit einer Küste zusammen. Basierend auf diesen Zahlen entwickelten sie ein Berechnungsmodell, um die Gesamtmenge an Plastikmüll abzuschätzen, der in die Meere gelangt.

Das Gesamtmüllaufkommen aller Meeresanrainer lag demnach im Jahr 2010 bei 2,5 Milliarden Tonnen, davon waren 275 Millionen Tonnen Plastikmüll. Davon wiederum gelangten laut Schätzungen der Forscher die besagten acht Millionen Tonnen in die Meere. Bis 2025 könnte sich die Gesamtmenge an Plastikmüll, die auf unterschiedlichen Wegen in die Ozeane gelangt, auf 155 Millionen Tonnen addieren.

Funktionierende Abfallentsorgung fehltDer meiste Abfall gerät dort in die Meere, wo keine oder nur eine unzureichende Müllaufbereitung existiert. Das Problem ist besonders in Ländern mit einer hohen Bevölkerungsdichte an den Küsten gravierend. Dazu gehören vor allem China, Vietnam, Indonesien und die Philippinen.

Eine erste Maßnahme gegen die Müllflut, die sich in die Meere ergießt, wäre also eine funktionierende Abfallentsorgung. In den Industrienationen, wo diese schon existiert, gelangen wiederum große Mengen Mikroplastik, die in Kosmetika und Waschmitteln enthalten sind, über Flüsse und Abwässer in die Meere.

Die Frage bleibt am Ende, wo sich der ganze Plastikmüll befindet, wenn er in den Wasserproben an der Oberfläche nicht auftaucht? Die wahrscheinlichste Antwort: Der Müll sinkt im Laufe der Zeit in tiefere Wasserschichten ab. Dort setzt er schädliche Stoffe frei und reichert sich in der Nahrungskette an.

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