Plastikmüll im Ozean: 2050 mehr Kunststoff als Fische in den Weltmeeren

Plastikmüll im Ozean: 2050 mehr Kunststoff als Fische in den Weltmeeren

von Daniel Anthes

Die Weltmeere werden zur Mülldeponie und das Plastik nimmt schon bald mehr Platz ein als Fische.

Absurd, aber durchaus möglich: Bis zur Mitte des Jahrhunderts könnte es vom Gewicht her mehr Plastikmüll als Fische in den Ozeanen geben.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Ellen MacArthur Foundation im Auftrag des Weltwirtschaftsforum (WEF), welche 180 Experten-Interviews und 200 Untersuchungen zum Thema Plastik und seines Materialflusses auswertete.

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So landen derzeit acht Millionen Tonnen an Kunststoffen in den Weltmeeren, was ungefähr einem Müllwagen pro Minute entspräche. Laut den Autoren, welche die Studie am Dienstag zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos vorstellten, stiege diese Menge bei unverändertem Handeln bis 2030 auf zwei Ladungen pro Minute an.

Bis 2050 könnte sich die Zahl sogar vervierfachen und damit das Verhältnis zu den Fischbeständen komplett auf den Kopf stellen.

So abwegig scheint das Umwelt-Horrorszenario dabei gar nicht zu sein, ist Plastik mittlerweile doch ein allgegenwärtiges Material geworden. Sein Verbrauch hat sich in den vergangenen 50 Jahren verzwanzigfacht und soll sich in den kommenden 20 Jahren noch einmal verdoppeln. Momentan stünden auf Produktionsseite 311 Millionen Tonnen Plastik zu Buche. Sage und schreibe 150 Millionen Tonnen hiervon schwimmen bereits in den Meeren.

Das führe dazu, dass sich selbst bei einer abgestimmten Müllvermeidung der Zufluss von Plastik in den Ozeanen nur stabilisieren, nicht aber abnehmen würde.

Kunststoffrecycling dringend benötigtPlastik findet sich mit über einem Viertel seiner Verwendung vor allem als Verpackungsmaterial wieder. Das Problem hierbei: nur rund 14 Prozent werden recycelt. Im Vergleich zu 58 Prozent bei Papier und bis zu 90 Prozent bei Eisen ist das ein natürlich ein sehr überschaubarer Wert. Doch damit nicht genug – rund ein Drittel der Plastikverpackungen entweicht den Sammelsystemen und gelangt in die Ökosysteme, wo es Land und Meer belastet.

Unterm Strich ergeben sich damit aufgrund von Umweltverschmutzung indirekte Folgekosten von rund 40 Milliarden US-Dollar, die selbst den Gewinn der Plastikindustrie übertreffen. Doch die 36-seitge Studie unter dem Titel "The New Plastic Economy" präsentiert auch eine Lösung: Eine "neuen Kunststoffwirtschaft" gemäß dem Leitbild der zirkulären Ökonomie, welche bereits teilweise mit heutigen Technologien und Designansätzen umsetzbar sei.

Neben der Verminderung der Freisetzung von Kunststoffen in der Natur erfordere dies vor allem die radikale Steigerung von Wirtschaftlichkeit, Qualität und Mengen beim Recycling. Auch müsse man den Prozess der Kunststoffen-Herstellung dringend von fossilen Rohstoffen entkoppeln und nachhaltigere Verfahren und Materialien entwickeln.

Mit derzeit rund sechs Prozent frage die weltweite Produktion von Plastik so viel Öl nach wie der Luftverkehrssektor. Und im Hinblick auf das prognostizierte starke Wachstum rechnen die Forscher bis 2050 sogar mit 20 Prozent des gesamten Ölverbrauchs.

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