Plastikmüll: Kampf gegen Dreck an Nord- und Ostsee

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Plastikmüll: Kampf gegen Dreck an Nord- und Ostsee

von Angela Schmid

In Schleswig-Holstein begegnet man dem Müll aus dem Meer mit verschiedenen Projekten.

Mehr als 160 Millionen Tonnen Abfall schwimmen in den Ozeanen. Zehn Millionen kommen jährlich hinzu, schätzen Wissenschaftler. Die Kunststoffe kommen meist vom Land. In Staaten ohne richtiges Recyclingsystem wird der Müll oft einfach verbrannt und die Reste im Meer entsorgt. Der Wind und die Strömung treiben den Abfall auf das offene Meer und am Ende auch an die Strände in Europa, etwa nach Schleswig-Holstein.

Erschreckend deutlich wurde die Situation bei der Untersuchung von Pottwalen, die im März an der Nordsee gestrandet waren. Vier der 13 Wale hatten teils große Mengen Plastikmüll in ihren Mägen – unter anderem Reste eines 13 Meter langen und 1,2 Meter breiten Schutznetzes, das in der Krabbenfischerei eingesetzt wird, eine 70 Zentimeter lange Plastikabdeckung aus dem Motorraum eines Autos und die scharfkantigen Reste eines Kunststoffeimers. Dies war zwar nicht der Grund für die Strandung und den Tod der Tiere, spiegelt aber die Situation auf dem offenen Meer wider.

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Tierärzte und Biologen vermuten, dass die besonders betroffenen Tiere - wären sie nicht ohnehin gestrandet - durch die Müllreste große gesundheitliche Probleme bekommen hätten. „Diese Funde zeigen uns die Auswirkungen unserer Kunststoffgesellschaft: Tiere nehmen unbeabsichtigt Plastik und anderen Kunststoffmüll auf, leiden darunter, im schlimmsten Fall verhungern einige bei vollen Mägen. Das ist eine dringende Mahnung, verstärkt gegen Müll im Meer vorzugehen“, betont Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Die Grünen).

Um über solche Folgen von Plastikvermüllung aufzuklären, hat das Land nun ein Projekt für Kinder und Jugendliche gestartet: Beim Citizen Science-Projekt „Dem Plastikmüll auf der Spur“ sollen 40 Schulen von der Ost- und Nordseeküste und 40 Schulen von der chilenischen Pazifik-Küste zusammenarbeiten. Gemeinsam mit ihren Lehrern und Meereswissenschaftlern erheben die Schüler Daten, die Forschern später bei ihrer Arbeit helfen sollen.

Die Schüler untersuchen größere Strandabschnitte und tragen ihre Ergebnisse auf der Webseite www.save-ocean.org ein, wo die internationalen Daten verglichen und Lösungsansätze diskutiert werden können.  Das Projekt der sogenannten Forschungswerkstatt der Uni Kiel ist beliebt: Im vergangenen Jahr engagierten sich 600 Schüler. „Wir erleben auf Schüler- wie auf Lehrerseite eine Welle der Begeisterung, den Willen, etwas zu verändern und hohes Interesse an der Einbindung forschungsnaher Projekte in den Schulen“, fasst die Lehrerin Katrin Kruse, die für das erste Citizen Science-Projekt verantwortlich ist, die erste erfolgreiche Phase zusammen.

Umweltminister von Schleswig-Holstein fordert Mikroplastik-Verbot„Fishing for Litter“ ist eine weitere Initiative, um die Meere vom Müll zu befreien. Eine Aktion des Naturschutzbunds, der inzwischen alle Küstenländer mit ins Boot geholt hat. Rund 140 Fischer sammeln den als „Beifang“ gefischten Müll und entsorgen ihn kostenlos im Hafen. An der Nordsee seien rund 80 Prozent davon Plastik, erklärt Dr. Kim Cornelius Detloff, Leiter des Meeresschutzes beim NABU, der den Müll auswertet und versucht, die Verursacher zu ermitteln.

Eine Arbeit, die nur selten zum Erfolg führt. Denn nicht nur von fernen Inseln landen die Folien, Tüten und Planen in Nord- und Ostsee. „Es ist ein offenes Geheimnis, dass auch in der Schifffahrt Müll illegal im Meer entsorgt wird, um die Kosten für die Müllentsorgung im Hafen zu sparen“, so Detloff. Die Forderung, die Müllgebühren über die Hafengebühr einzuziehen und damit die Gründe für die illegale Entsorgung zunichte zu machen, ist bisher nicht realisiert worden.

Auch wenn das Land die „Fishing for Litter“-Initiative des NABU finanziell unterstützt, reicht dies dem Umweltminister nicht. „Lösen können wir das Problem damit noch lange nicht“, so Habeck. Schleswig-Holstein setzt sich daher für rechtliche Regelungen auf Bundes- und EU-Ebene ein, auch für ein Verbot von Mikroplastik. „Die negativen Folgen für die Umwelt und auch für uns Menschen können nur verhindert werden, wenn an der Quelle des Mülls, bei der Plastikproduktion, angesetzt wird.

"Letztlich erfordert es ein Umdenken - Wir müssen aus unserem Plastikalltag raus“, so Habeck. Und weiter: „Neben der Entwicklung neuer Technologien wie umweltfreundlichere Schiffe, ökosystemgerechter Fangtechniken in der Fischerei und Alternativprodukte für Plastik müssen auch die biologischen Belastungsgrenzen in Bezug auf Lärm, Wärme und Licht sowie die Wirkungen von Plastikmüll im Meer noch weiter erforscht werden.“

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