Protest in der Lausitz: Darum sind wir gegen die Kohlekraft

Protest in der Lausitz: Darum sind wir gegen die Kohlekraft

von Matthias Adler

Kommt nach der Anti-AKW-Bewegung die Anti-Kohle-Bewegung? Wir haben uns bei einem Kohleprotest umgehört.

Droht der Kohlekraft in Deutschland das gleiche Schicksal wie der Kernenergie? Derzeit sieht es noch nicht danach aus, weil der Kampf gegen die Kohle längst nicht so politisch ist, wie der in der Vergangenheit gegen die Atomeiler – ein Brokdorf fehlt den Kohlegegnern bisher.

Aber auch der Einsatz gegen die Atomkraft in Deutschland startete als kleine Bewegung, am Ende stand eine neue Partei: Die Grünen. Und auch gegen die Kohle scheint sich mehr und mehr Widerstand zu regen. Einerseits wegen ihrer Auswirkungen auf den Klimawandel – Kohle ist laut den meisten Schätzungen doppelt so klimaschädlich wie Erdgas – und andererseits wegen der Folgen des Braunkohletagebaus, wie er auch in der Lausitz stattfindet.

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Schon bald will das Energieunternehmen Vattenfall seinen Tagebau dort ausweiten, Dörfer müssen weichen. Dagegen protestierten am Samstag tausende Anwohner und zugereiste Aktivisten mit einer Menschenkette zwischen Kerkwitz bei Guben in Brandenburg und dem polnischen Grabice. Beide Orte sollen dem Tagebau zum Opfer fallen.

Rund 7500 Kohlegegner sollen laut Umweltschutzverbänden vor Ort gewesen sein, allein 2000 Menschen sind durch den Tagebau von der Umsiedelung bedroht. Rund 50 Menschen protestieren auch für die Tagebaue, unter anderem wegen der Arbeitsplätze, die sie erhalten und schaffen würden.

Wir von WiWo Green waren vor Ort und haben zehn Menschen befragt, warum sie gegen die Kohle protestieren. Ihre Antworten im Protokoll:

Angelika Müller, Düsseldorf

Ich bin gegen Kohle, weil es die Luft mit CO2 verpestet. Wir sollten die Umwelt nicht noch mehr verändern und nach unseren Wünschen umbauen. Ein Wandel ist notwendig. Dieser Wandel kann nur mit regenerativen Energiequellen vollzogen werden. Heute lacht die Sonne, das ist doch das beste Zeichen. Die Natur bietet uns Menschen alles, was wir zum Leben brauchen. Wenn wir sie zerstören, bleibt uns nichts mehr.

Charlene Wolf, Berlin

Es gibt wahnsinnig viele Gründe gegen die Kohle zu sein. Zum einen gibt es den Klimawandel - eine globale Bedrohung. Und wenn ich regional denke, dann bin ich der Meinung, dass dies ein guter Zeitpunkt für einen Wandel ist. Es ist an der Zeit, neue Wege zu gehen. Wenn wir weitermachen wie bisher, gibt es hier in 40 Jahren gar nichts mehr. Keine Kohle, kein Tourismus, keine Jobs und keine Natur. Davon wird eine Generation betroffen sein, die es jetzt noch gar nicht gibt. Dann einen Wandel herbeizuführen, wird der Gesellschaft noch viel höhere Kosten bescheren.

Gregor Fitkau, Berlin

Kohle stinkt, das ist meine Meinung. Wir brauchen keine neuen Kohlekraftwerke. Und ich glaube, dass wir genug Energie auf saubere Art und Weise herstellen können. Das Problem ist aber, dass gerade in Brandenburg die Kohleenergie mit Arbeitsplätzen in Verbindung gebracht wird. Das Thema im Wahlkampf aufzugreifen, wird vielleicht auch kurzfristig Stimmen bringen. Deutschlandweit wird die Pro-Kohle-Haltung der Politik langfristig abgestraft werden, da bin ich mir sicher.

Hans-Ulrich Steffen, Berlin

Ich bin nicht nur gegen Kohle, sondern auch gegen Atom. Beruflich bin ich als Geograph tätig, daher kenne ich mich recht gut aus, welche klimatischen Probleme mit der Kohleenergie verbunden sind. In meinen Augen ist es schlicht der totale Wahnsinn, auf die Braunkohle zu setzen. Es heißt immer, die Leute hier wären von den Unternehmen abhängig, vielmehr ist es andersherum – die Unternehmen sind von den Menschen abhängig.

Katarzyna Bena, Zgorzelec (Görlitz)

Ich bin hier, weil ich das meine Heimat ist. Ich komme aus der Oberlausitz - der polnischen Seite. Kohle hat keine Zukunft. Die Energiewende hat eine Zukunft. Daher ist klar, wofür ich mich entscheide, wofür ich meine Stimme erhebe. Ich habe erlebt, welche Zerstörung die Kohlekraft mit sich bringt. Ich habe gesehen, wie ganze Landstriche und Dörfer verschwinden. Es ist an der Zeit, auf Kohle zu verzichten.

Maciek Drygiel, Gdina

Ich mag diese Bewegung gegen die Kohle, weil sie für eine Veränderung steht. Dafür setze ich mich gerne freiwillig ein. Ich schätze die Natur und ich will, dass sie erhalten bleibt. Kohletagebaue bringen Zerstörungen, die letztendlich auch die Menschen zerstören werden. Ich bin hier, um meinen Respekt für die Natur zum Ausdruck zu bringen.

Pjotr Antonienicz, Wroclaw

Der Grund, warum ich heute hier bin ist, dass ich ein Zeichen für die Demokratie in Polen setzen will. Es hat ein Votum der lokalen Bevölkerung gegeben, das sich klar gegen neue Tagebaue ausspricht. Die Regierung Polens weigert sich, dieses Votum ernst zu nehmen. Ich bin hier, weil sich etwas verändern muss. Die Energiepolitik natürlich, aber auch die ganze Demokratiebewegung in Polen braucht einen Wandel.

Ralf Petermann, Berlin

Ich bin hier, weil ich ein Ökologist bin. Das wird oft als Schimpfwort gebraucht, doch ich identifiziere mich damit. Ich liebe die Natur. Ich bin gegen jegliches Wirtschaftswachstum. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Energiethemen nicht mit Umweltschutzthemen konkurrieren sollten. Wir Menschen brauchen weniger von allem, dann brauchen wir auch weniger Energie und zerstören weniger die Umwelt.

Torsten Hübner, Leipzig

Die Energiewende ist doch eigentlich auf dem besten Weg. Wir haben schon so viel erreicht. Wenn ich mir anschaue, was sich in Deutschland alles getan hat, wo es schon überall Solar- und Windkraftwerke gibt, dann frage ich mich, wozu wir neue Kohlekraftwerke brauchen? Das passt einfach nicht mehr hierher. Andere Kohlekraftwerke werden geschlossen und hier werden neue gebaut? Das macht doch keinen Sinn.

Andrea Tinners, Berlin

Ich bin davon überzeugt, dass wir im 21. Jahrhundert einfach nicht mehr auf fossile Brennstoffe angewiesen sind. Kohle steht meiner Meinung nach nur für Klimaveränderung und Umweltzerstörung. Nachhaltigkeit gibt es nur mit regenerativen Energien – mit Sonne, Wind und Wasser.

(Copyright alle Fotos: Peter Jelinek)

Korrektur: Nicht RWE will in der Lausitz graben, wie in einer früheren Version des Textes geschrieben, sondern Vattenfall. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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