Recycling: Unternehmen gewinnt Zinn aus Elektromüll

Recycling: Unternehmen gewinnt Zinn aus Elektromüll

von Marius Hasenheit

Zinn gilt als Konfliktmaterial, weil es oft in Krisenregionen abgebaut wird. Eine Firma will den Rohstoff nun fair herstellen – mit Hilfe von Recycling.

Ob nun faire Smartphones von Shift und Fairphone oder die grün-soziale Computermaus von Nager-IT – gelötet werden sie alle. Dabei sind die Pioniere der fairen Elektronikindustrie auf ein Problem gestoßen: Wie lässt sich der Zinn, der für das Zusammenlöten der Einzelteile benötigt wird, nachhaltig gewinnen?

Fairlötet will dafür einen Weg gefunden haben. Für seinen Löt-Draht will das Start-up nur unter einwandfreien Bedingungen recycelte Metalle verwenden. Statt sie selbst abzubauen, gewinnt das Unternehmen seine Rohstoffe aus Elektromüll.

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Zinn aus dem ElektromüllDafür mischt das Unternehmen gebrauchtes Restmaterial eines deutschen Elektronikherstellers mit recyceltem Zinn. Um eine gute Verarbeitung des Produktes sicherzustellen, setzt es noch die sogenannten Mikrolegierungskomponenten Kupfer und Germanium hinzu. Damit erhält es einen Anteil von Sekundärrohstoffen von 99 Prozent.

Allerding hat Zinn ein Problem: Der Rohstoff wird heute noch unter widrigsten ökologischen und sozialen Bedingungen abgebaut und spült über Umwege Geld in die Kriegskassen von sogenannten Warlords. Daher zählt Zinn auch als zu den sogenannten Konflikt-Mineralien, die ihren Namen durch die Krisenregionen erhalten haben, in denen sie abgebaut werden.

Damit der Zinn nun auch wirklich fair ist, müssen die Bestandteile aus konfliktfreiem Abbau stammen. Sicherstellen soll das für Fairlötet das Unternehmen Stannol. Um abzuschätzen zu können, wie groß die Nachfrage nach fairem Zinn ist, stellte das Team von Fairlötet eine Umfrage online. Einige Anbieter von fairer Elektronik, wie Shift und Nager-IT, haben daraufhin Kontakt aufgenommen.

Keine bessere Lieferkette oder sicherer AnbauDas Problem des Konflikt-Zinns löst Fairlötet mit seiner Idee allerdings nicht, weil keine saubere Alternative wie etwa eine nachhaltigere Lieferkette oder bessere Arbeitsbedingungen in den Abbau-Ländern entstehen. Das liegt auch daran, dass der faire Abbau von Konflikt-Mineralien und die Überwachung der Lieferkette äußerst aufwendig und kostenintensiv sind. Aus diesem Grund ist auch Fairphone immer noch auf der Suche nach fairem Gold und Wolfram.

Für die Umwelt aber ist das recycelte Zinn in jedem Fall ein Gewinn. Wann es das faire und nachhaltige Löt-Zinn geben wird, ist jedoch noch nicht ganz klar, da das Team sein Vorhaben in seiner Freizeit voran bringt.

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