Regal aus Schrott: Deutscher designed erfolgreichstes Recyclingmöbel der Welt

Regal aus Schrott: Deutscher designed erfolgreichstes Recyclingmöbel der Welt

von Benjamin Reuter

Vom deutschen Designer Oliver Schübbe stammt das Regal Frank - das weltweit erfolgreichste Möbelstück aus Recycling.

Wenn es ein Billy-Regal der Recyclingbranche gibt, dann hat es Oliver Schübbe entworfen. Der Innenarchitekt aus Herford bei Bielefeld nennt seine Kreation "Frank".

30 000 Exemplare hat er bisher verkauft. Damit ist das Regal das erfolgreichste Recyclingmöbel der Welt. Das Besondere im Gegensatz zum Original von Ikea: Schübbe schreinert Frank aus Teilen ausrangierter Schreibtische, Schränke und sogar Tischtennisplatten.

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Upcycling boomt in DeutschlandDer 41-Jährige fertigt seit rund 15 Jahren Sessel, Regale oder Tische aus weggeworfenen Einrichtungsgegenständen und Sperrmüll. Er ist einer der Pioniere der Aus-Alt-mach-Neu-Bewegung in Deutschland, auch bekannt unter dem Begriff Upcycling.

Sie hat sich zu einer kleinen Boombranche gemausert: In den Innenstädten deutscher Großstädte verkaufen immer mehr Boutiquen und Designgeschäfte Recyclingmöbel. Auch im Internet finden Shops wie Zweitsinn aus Dortmund zunehmend Kunden.

Das sehen auch die Kreativen. Zum renommierten Recycling Designpreis, der von der Second-Hand-Kaufhauskette Recyclingbörse und dem Kunstmuseum Marta, beide aus Herford, vergeben wird, gibt es immer mehr Einreichungen. Waren es 2009 noch 200, sind es mittlerweile 600, davon 400 aus Deutschland.

Probleme, an Material zu kommen, haben die Gestalter nicht.

Rund sieben Millionen Tonnen Einrichtungsgegenstände, vom Stuhl bis zum Bett, werfen die Deutschen pro Jahr weg. Das meiste davon landet in der Verbrennung.

"Umgeben von Schrott"Schübbe hat sein Studio direkt auf einem Wertstoffhof – „umgeben von Schrott“, erzählt er. Bevor der Abfall im Ofen landet, durchsucht er ihn auf Brauchbares. Nichts ist ihm dabei zu kaputt.

Der Designer ekelt sich nicht einmal vor gebrauchten Schaumstoffmatratzen.

Er und seine Mitarbeiter, die seine Möbel in Lizenz bauen, fischen gezielt die sauberen Stücke heraus, reinigen sie und polstern mit ihnen zum Beispiel bunte Sessel.

Andere Designer stellen aus Schallplatten urige Lampen her oder verwandeln Schubladen in neue Küchenregale. Je exotischer das Material ist, desto höher klettern die Preise.

Die Stühle aus alten Weinfässern des Pfälzer Designers Magnus Mewes etwa kosten rund 200 Euro. Schübbes Frank-Regal ist für weniger als 100 Euro zu haben.

Ein Schritt gegen den WegwerfwahnDer Trend zu Recyclingmöbeln, sagt Schübbe, habe in Berlin vor mehr als zehn Jahren begonnen. „Inzwischen sind sie aber in der ganzen Republik begehrt.“

Dennoch ist dem Pionier klar, dass seine Geschäftsidee keine generelle Blaupause für eine nachhaltige Möbelproduktion sein kann.

Denn dafür ist seine Fertigung per Hand viel zu aufwendig. Zudem kritisiert Schübbe, dass Möbel inzwischen so wie Kleidungsstücke seien: Jede Saison müsse was Neues her, Altes lande im Müll.

Die großen Unternehmen haben gegen den Wegwerfwahn noch kein Rezept gefunden. Bisher fehlen schlicht die Rücknahmemöglichkeiten.

Eine der wenigen Ausnahmen ist der US-Hersteller Interface, der seine Teppichplatten wieder einsammelt und sie fast vollständig zu neuen Bodenbelägen verarbeitet. Schübbe schwebt eine Art Leasingsystem für Möbel vor. Die Anbieter könnten sie am Ende ihres Lebens zurücknehmen und das Material wiederverwenden.

Bis das so weit ist, kämpft Schübbe weiter gegen den Möbelmüllberg – mit vielen Tausend Frank-Regalen.

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Der Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe der gedruckten Wirtschaftswoche Green Economy mit dem Schwerpunkt Bauen erschienen. Sie können sie hier herunterladen.

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