Regenwald: Abholzung in Brasilien steigt wieder massiv

Regenwald: Abholzung in Brasilien steigt wieder massiv

von Lara Sogorski

Noch vor kurzem schien es, als sei Brasiliens Regenwald gerettet. Die Abholzung sank deutlich. Jetzt kehrt sich der Trend gefährlich um.

Es war eine Nachricht, die Hoffnung machte: Kürzlich gab die brasilianische Regierung bekannt, dass die Abholzung des Regenwaldes im Amazonas-Gebiet in den vergangenen acht Jahren um gewaltige 84 Prozent zurückgegangen sei.

Der Schutz der Bäume ist eines der wichtigsten politischen Ziele in Brasilien, denn davon hängt nicht nur das Klima im eigenen Land, sondern auf der ganzen Welt ab. Brasilien hätte demnach eigentlich gute Aussichten auf den Titel als Klimaretter. Denn mit der gesunken Abholzung sank auch der CO2-Ausstoß um satte 39 Prozent.

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Allerdings wird die gute Stimmung schon wieder getrübt: Aktuelle Berichte zeigen, dass die Abholzung in diesem Jahr wieder zugenommen hat. Demnach stiegen die Rodungen im Mai im Vergleich zum selben Monat im Vorjahr um das Fünffache. Insgesamt ist in den vergangenen Monaten laut Satellitenbildern ein Anstieg der Abholzung um 14 Prozent zu beobachten.

Der Grund für die Trendwende in diesem Jahr könnte eine geplante Gesetzesnovelle sein:

Zwar gibt es seit 1965 ein Waldschutzgesetz, aber darum wird immer wieder heftig gestritten. Erst im vergangenen Jahr gab es eine Novelle des so genannten Código Forestal, mit der sich die Agrarindustrie unter anderem 76 Millionen Hektar mehr Flächen zusichern wollte - eine Fläche doppelt so groß wie Deutschland. Vorgesehen ist auch, dass Strafen für illegale Abholzungen für die kommenden fünf Jahre ausgesetzt werden.

Präsidentin kämpft gegen das GesetzAnfang 2012 kam die Neuerung auf den Tisch, im vergangenen April folgte die Zustimmung des Abgeordnetenhauses. Präsidentin Dilma Rousseff hatte sich dagegen ausgesprochen, doch keine Mehrheit bekommen. Ihre offizielle Unterschrift als Zustimmung hat sie noch nicht geleistet. Zwei Mal legte sie im vergangenen Jahr bereits ein Teil-Veto gegen das neue Gesetz ein.

Doch auch ohne Zustimmung der Präsidentin soll die Novelle laut Umweltschutzorganisationen im vergangenen Jahr schon zu einem sprunghaften Anstieg der Abholzung geführt haben. NGOs schätzen, dass deshalb zwischen August 2012 und April 2013 etwa 1890.7 Quadratkilometer Regenwald zerstört wurden – knapp doppelt so viel wie im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres.

Dabei ist die Bedeutung des Regenwaldes in Südamerika unumstritten. Mit einer Fläche, die sich über neun Staaten erstreckt, ist er der größte verbliebene Regenwaldblock weltweit. Brasilien hat dabei den weitaus größten Flächenanteil. Damit ist der brasilianische Regenwald einer der größten CO2-Speicher weltweit und die Abholzung hat weitreichende Folgen. Insgesamt bis zu 20 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen gehen laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen bereits auf die Zerstörung von Wäldern zurück.

Grundsätzlich ist sich Brasilien seiner Verantwortung bewusst. 2009 verpflichtete sich die Regierung auf dem Weltklimagipfel in Kopenhagen, die Zerstörung des Regenwaldes bis zum Jahr 2020 um 80 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Glaubt man den neuesten Zahlen, scheint dieses Ziel in Gefahr. Stellt sich nur die Frage nach dem Warum.

Warum der Regenwald in Gefahr istDas Problem ist wie so häufig ein Zwiespalt zwischen Wirtschaftswachstum und Umwelt. Brasilien gilt als eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt und könnte in einigen Jahren schon unter die Top 5 in dieser Kategorie aufsteigen. Unter anderem muss deshalb die Lebensmittelproduktion im Land steigen. Die Agrarindustrie pocht auf mehr Flächen für Ackerbau und Viehzucht: Derzeit seien nicht einmal 30 Prozent der Landflächen dafür freigegeben. Als Vergleich: In Deutschland sind es 47 Prozent.

Aber nicht nur die Landwirtschaft treibt die Zerstörung des Regenwaldes voran. Nach Informationen von Greenpeace werden Bäume auch für die Produktion von Holzkohle gefällt, die dann in die Herstellung von Roheisen wandert. Der daraus hergestellte Stahl wiederum finde sich in der Autoindustrie wieder, bei Konzernen wie Ford, BMW oder Mercedes.

Wie sich der Konflikt zwischen wirtschaftlichen und Umwelt-Interessen auswirkt, wird besonders im Bundesstaat Mato Grosso deutlich, wo viele Rinderzüchter und Sojaproduzenten ihre Betriebe haben. Allein von August 2010 bis April 2011 stieg hier die Waldzerstörung nach Analysen des staatlichen Instituts für Weltraumforschung (Inpe) um 43 Prozent.

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