Regionen: Kommunen sehen Energieversorgung als Megathema der Zukunft

Regionen: Kommunen sehen Energieversorgung als Megathema der Zukunft

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Strom und Verkehr sind zwei der kommunalen Top-Themen der kommenden 20 Jahre.

von Angela Schmid

Eine groß angelegte Befragung zeigt, dass Energiethemen für die deutschen Kommunen immer wichtiger werden - Stadtplaner hingegen fordern die Verkehrswende.

Gefragt nach dem wichtigsten Thema der Zukunft, sind sich deutsche Kommunen weitgehend einig: Der Ausbau einer intelligenten Energieversorgung. Noch kümmere man sich um Gebäudesanierung und Energieeffizienz, aber die Energieversorgung wird immer wichtiger - das geht aus der VDI-Studie "Das denken die deutschen Kommunen – Handlungsfelder heute und im Jahr 2030" (pdf) hervor.

Gemeinsam mit der Universität Hohenheim befragte der Verein deutscher Ingenieure sämtliche 11.084 Kommunen in Deutschland zu den Herausforderungen ihrer Stadt heute und im Jahr 2030. 10,2 Prozent beteiligten sich daran. Im Fokus der Studie standen neben Ressourceneffizienz auch Mobilität, Energie, lokales Klima, Stadtentwicklung und Abfallwirtschaft sowie Digitalisierung und Bürgerbeteiligung.

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"Diesen Ansatz gab es bisher noch nicht", erklärt Christof Kerkhoff von der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik, der für die Studie verantwortlich ist. Aus Sicht des VDI sind Kommunen zentrale Orte der Gesellschaft und spielen eine entscheidende Rolle auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft.

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Das sind die wichtigsten Themen der Kommunen für 2030. (Quelle: VDI e. V.)

Ob Klimaanpassung, Energiewende, sichere Arbeit, bezahlbares Wohnen, nachhaltige Mobilität, Zuwanderung oder demografischer Wandel: Die Herausforderungen zur Umsetzung einer nachhaltigen Stadtentwicklung sind enorm. "Wir wollten sehen, wo Handlungsdruck besteht", erklärt Kerkhoff den Hintergrund der Befragung.

Umweltthemen werden wichtiger

Strategische Masterpläne seien meistens noch die Ausnahme, so Kerkhoff. Dabei scheinen sie notwendig zu sein, schaut man sich die relevanten Zukunftsthemen an: 68 Prozent der Kommunen glauben, dass der Ausbau intelligenter Energienetze und Energiespeicher von größerer Bedeutung sein wird. 61 Prozent sehen das Mobilitätsmanagement inklusive alternativer Mobilitätskonzepte als wichtige Aufgabe der Stadt der Zukunft. Auch die Anpassungen an Klimafolgen und an Wetter-Extremereignisse sowie der Ausbau des ÖPNV werden als bedeutender eingestuft als es heute noch der Fall ist.

Heute dagegen belegen die Sanierung des öffentlichen Gebäudebestandes und Neubau Platz eins der Themenagenda. Danach folgen die Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden, Wasser und Abwasser sowie der Ausbau des ÖPNV und der Verkehrsinfrastruktur. Ressourceneffizienz steht zur Überraschung von Kerkhoff bei vielen Kommunen dagegen derzeit noch nicht auf der Agenda. Die meisten widmen der Frage, wie sich natürliche Ressourcen schonender verbrauchen lassen, keine allzu große Aufmerksamkeit. Nur 13 Prozent der Kommunen beschäftigen sich damit.

Vor allem maßgeschneiderte Beratungs- und Förderangebote vermissen die Kommunen. "Es wird viel über Ressourceneffizienz geredet, aber jeder versteht etwas anderes darunter", so die Feststellung von Kerkhoff. Ein Bereich, in dem Kommunen aus seiner Sicht mehr Unterstützung benötigen.

Kommunen brauchen neue Verkehrskonzepte

Städte können jedoch viel zum Klimaschutz beitragen und dabei gleichzeitig für ihre Bewohner attraktiver werden. Ein Zukunftskonzept zu städtischer Mobilität des dänischen Stadtplanungsbüros Gehl zeigt Potenziale, CO2 zu sparen. Vor allem durch eine Einschränkung des Verkehrs. „Das Zeitalter der Autostadt ist vorbei. Kopenhagen, Amsterdam oder Berlin zeigen, wie Städte mit mehr Radfahrern sauberer und attraktiver werden", sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Daniel Moser, der die Studie vorstellte. "Andere Städte müssen diesen Beispielen folgen und künftig deutlich mehr in den Ausbau des Radverkehrs investieren."

Nach Ansicht der Stadtplaner hinkt der Verkehr dem Klimaschutz hinterher. Der CO2-Ausstoß stagniert seit 1990, während Deutschland insgesamt seine Emissionen in diesem Zeitraum um 27 Prozent gesenkt hat. Für Moser steht daher fest, dass künftig weit größere Anstrengungen nötig sind, um das Pariser Klimaabkommen, noch vor dem Jahr 2035 klimaneutral zu werden, zu erreichen. "Dies kann nur gelingen, wenn auch die Zahl der Verbrennungsmotoren in den kommenden Jahren drastisch sinkt. Hierbei kommt Städten eine Vorreiterrolle zu", so der Greenpeace-Experte.

Paris, Oslo oder Helsinki hätten bereits begonnen, Autos mit Verbrennungsmotoren deutlich zu beschränken und mittelfristig ganz zu verbieten. Möglich werde das, weil Städte mit ihrer hohen Bevölkerungsdichte rasch nachhaltige Alternativen anbieten könnten. "Die Liebesbeziehung der Menschen zu ihrem Auto flaut langsam ab", sagt Jan Gehl, der Gründer des gleichnamigen Instituts.

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