Report: So unterschiedlich nehmen Länder den Klimawandel wahr

Report: So unterschiedlich nehmen Länder den Klimawandel wahr

von Nora Marie Zaremba

Eine Studie will die Regierung auf die kommenden Verhandlungen zum Klimaschutz vorbereiten.

Was denken die Menschen in Kambodscha über den Klimawandel? Und welche Umweltdebatten laufen aktuell in Indien? Antworten auf diese Fragen liefert ein neuer Klimabericht mit dem Titel "Energiesicherheit und Klimawandel" der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS).

In dem Report beschreiben Auslandsmitarbeiter aus mehr als 60 Ländern, wie die Öffentlichkeit, die Medien und die Politik ihrer jeweiligen Einsatzländer über den Klimawandel diskutieren. Warum das wichtig ist? Im kommenden Jahr steht die Klimakonferenz in Paris an, auf der die Weltgemeinschaft sich auf Vorgaben für den internationalen Klimaschutz einigen muss. Da hilft es, die Befindlichkeiten der Bevölkerung in einzelnen Ländern zu kennen, auf die Politiker in den jeweiligen Staaten Rücksicht nehmen müssen.

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Arme Länder fordern GerechtigkeitWenig verwunderlich ist eines der Hauptergebnisse des Reports: Jede Region nimmt den Klimawandel anders wahr. Während er für die Bürger Europas etwas Abstraktes ist, ist er für viele Menschen aus den Ländern Asiens und Afrikas längst Realität.

Ein Beispiel ist Tansania: Das ostafrikanische Land wurde gerade in der Vergangenheit sowohl von schweren Überflutungen als auch von Dürren heimgesucht. Die lokalen Medien greifen dies auf und berichten fast täglich von zu starkem oder ausbleibenden Regen oder auch steigenden Lebensmittelpreisen. Die Öffentlichkeit verbindet diese Katastrophen in erster Linie mit dem Klimawandel. Besonderes in jüngster Zeit finden auch Gerechtigkeitsdebatten statt. Daran schließen sich Forderungen nach Entschädigungen von großen Klimasündern wie den USA an.

Tansania steht damit exemplarisch für die Entwicklungsländer, die schon länger von den Industriestaaten Entschädigungszahlungen für die Auswirkungen des Klimawandels verlangen. Auf dem Gipfel in Paris werden diese Forderungen wieder auf die Agenda kommen.

Allerdings: Inwiefern einzelne Stürme auf den Klimawandel zurückzuführen sind, ist bis heute wissenschaftlich umstritten. Dürren und Extremhitzen allerdings werden durch die steigenden Erdtemperaturen aber mit ziemlicher Sicherheit wahrscheinlicher.

Günstige Energieversorgung geht vor KlimaschutzIn den aufsteigenden Ländern Asiens, allen voran in China und Indien, ist die Diskussion um den Klimawandel vor allem mit dem Thema Energieversorgung verknüpft. Die politische und wirtschaftliche Herausforderung besteht darin, den eigenen wachsenden Energiehunger schnell, sicher und günstig zu stillen. China beispielsweise setzt auch in Zukunft auf die günstige einheimische Kohle als größten Energieträger, ungeachtet der negativen Konsequenzen für die Umwelt.

Auch das wird sich in Paris zeigen: Dass China sich auf konkrete Reduktionsziele für seinen Ausstoß von Treibhausgasen festlegt, gilt unter Experten als sehr unwahrscheinlich. Auch Indien gilt als hin- und hergerissen zwischen Wachstum- und Klimaschutz. Dass die zunehmend kaufkräftige Mittelschicht in diesen Ländern einen Sinn für die Umwelt hat, zeigte eine Umfrage der Unternehmensberatung Accenture kürzlich: Demnach achten in diesen Ländern rund die Hälfte der Konsumenten auf Nachhaltigkeit, in den Industrieländern sind es im Schnitt nur rund 20 Prozent.

Da passt es ins Bild, dass zum Beispiel chinesische Medien inzwischen ausführlicher als früher über die Umweltprobleme, zum Beispiel über steigende Lungenkrebsraten und die Luftverschmutzung in Megastädten berichten. Das alles trägt dazu bei, dass Klima- und Umweltschutz auch von der Politik inzwischen ernster genommen werden. Allerdings hapert es noch zu oft an der Umsetzung von Umweltschutzrichtlinien.

Was die Mitarbeiter der KAS außerdem beobachtet haben: Überall auf der Welt gewinnen Erneuerbare Energien an Bedeutung. Jedoch machen neue Methoden zur Förderung von Schiefergas und -öl den Erneuerbaren zunehmend Konkurrenz. Besonders die USA setzen immer stärker auf das Fracking zur Förderung von fossilen Rohstoffen. Das Schiefergas verdrängt dort zwar die CO2-intensive Kohle aus den Kraftwerken, die Umweltfolgen der Förderung sind aber umstritten.

Zur Vorbereitung auf die KlimakonferenzenDen Report haben die Macher zeitlich geschickt positioniert: Im Oktober will die EU über gemeinsame Klima- und Energieziele bis zum Jahr 2030 abstimmen. Wie verbindlich diese sein sollen, darin sind sich die Staaten aber uneins. Zudem steht noch in diesem Jahr eine große Klimakonferenz in Lima, Peru, an. Nächstes Jahr folgt dann der Großgipfel in Paris. Die deutsche Regierung kann also etwas Futter für die Vorbereitung gut gebrauchen.

Dieses soll der Bericht laut Christian Hübner, Koordinator der Umwelt-, Klima- und Energiepolitik bei der KAS, auch liefern. Politische Handlungsempfehlungen möchte die CDU-nahe Stiftung mit diesem Report aber nicht aussprechen.

Das wäre derzeit wohl auch politisch heikel: Denn Kanzlerin Angela Merkel wird nicht zum Klimasondergipfel nach New York am 23. September fahren, zu dem UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon wichtige Staats- und Regierungschefs geladen hat. Sie hält an dem Tag lieber eine Rede vor dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Dafür wurde Merkel heftig kritisiert. Anstatt der Kanzlerin wird Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) nach New York reisen.

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