Revolution in Kuba! Diesmal aber ist sie grün ...

Living: Revolution in Kuba! Diesmal aber ist sie grün ...

von Thiemo Bräutigam

Die Bewohner von Havanna betreiben städtische Landwirtschaft im großen Stil. Allerdings ist das Guerilla Gardening hier staatlich gefördert.

Mit der kubanischen Hauptstadt Havanna verbinden die meisten Menschen vor allem Zigarren, Rum und Che Guevara. In diesem Kontext bekommt der Begriff Guerilla Gardening einen ganz neuen Klang. Denn dass die Stadt das weltweit wahrscheinlich erfolgreichste Beispiel für Urban Farming ist, wissen die Wenigsten.

Rund die Hälfte aller Nahrungsmittel werden in der Stadt am Meer vor Ort angebaut. Anfangs war der Grund für den Trend zum Stadtacker das US-Embargo, das es dem Land erschwerte Güter zu importieren. Mittlerweile ist die städtische Landwirtschaft zur Normalität geworden.

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Der BBC-Reporter Monty Don, der regelmäßig für den Sender Gärten auf der ganzen Welt besucht (Video am Ende des Textes), sieht in der grünen Revolution in Kuba sogar ein Vorbild für eine Welt der Zukunft, in der wir aus Gründen des Umweltschutzes und des Ölmangels Landwirtschaft wieder mit den einfachsten - aber auch sehr gesunden Methoden - betreiben müssen. Weder gibt es in dieser Welt künstlichen Dünger, noch genveränderte Pflanzen noch große Landmaschinen, die ganze Landstriche umpflügen.

Schon Mitte der 1990er Jahre gab es fast 30.000 Gartenparzellen in der zwei Millionen Einwohner zählenden Stadt. Gerade in der städtischen Peripherie sind viele Flächen für urbanen Ackerbau vorbehalten. Vor allem die Bezirke im Osten und Südwesten der Stadt eignen sich für die Kultivierung von Nahrung - schlicht deshalb weil sie dünn besiedelt sind und viele Brach- und Freiflächen haben.

Insgesamt werden gut 35.000 Hektar Land in Havanna für urbane Landwirtschaft genutzt und mehrheitlich ökologisch bewirtschaftet. Das liegt ebenfalls am US-Embargo, welches den Zugang zu Düngemittel auf Öl-Basis erheblich erschwert hat. Lediglich der Zucker-, Kartoffel-, und Tabakanbau in den ländlichen Regionen werden mit herkömmlichen Pflanzenwachstumsmitteln behandelt.

Das führt dazu, dass eine Unterscheidung zwischen Bio und Konventionell auf den Märkten kaum Sinn ergibt - alles ist organisch hergestellt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion blieb den Kubaner gar keine andere Wahl. Von einem Tag auf den anderen wurden zahlreiche Güter knapp: Diesel, Benzin, Landmaschinen und eben auch konventionelle Düngemittel fehlten plötzlich.

Die städtische Nahrungsmittelproduktion verkürzte in dieser Situation die Transportwege und die kleinen Gartenparzellen machten große Landmaschinen überflüssig. Aus der Not geboren, zeigt Havanna heute, welche enorme Chance durch Urban Farming für die Großstädte dieser Welt existiert. Die Menschen in den Städten brauchen gesunde Nahrung und sauberes Wasser - das gilt damals wie heute.

Urban Farming als Sicherheitsinteresse einer NationAnders als zum Beispiel in vielen europäischen Großstädten, geht das Urban Farming-Engagement in Havanna also nicht auf private Initiative grüner Graswurzelbewegungen zurück, sondern ist staatlich gefördert. Schon in den 1980er Jahren ließ das Verteidigungsministerium unter dem heutigen Präsidenten Raul Castro Pläne zur Selbstversorgung entwickeln. In den 1990er Jahren zogen die Bürger Havannas jedoch massiv nach. Heute werden viele der Stadtgärten von Bürgern bewirtschaftet.

Seit 1997 existiert sogar das Urban Agriculture National Movement, was übersetzt soviel wie Nationalbewegung für städtische Landwirtschaft bedeutet. Die vormals in Besitz von Privateigentümern oder dem Staat befindlichen Flächen wurden an einzelne Bürger und Initiativen verteilt. Dies führte zu einem starken Anstieg kooperativer Formen von urbaner Landwirtschaft. Davon profitiert das gesamte Stadtbild noch heute.

Mülldeponien und ungenutzte, versiegelte Flächen wurden renaturiert und zu Garten- und Ackerbauflächen umstrukturiert. Havanna ergrünt und die Natur hält dank der ökologischen Landwirtschaft auch in der Stadt Einzug. Auch Arbeitsplätze wurden so geschaffen. Gerade für Frauen, Berufseinsteiger und Rentner ist das urbane Ackern als Nebentätigkeit attraktiv.

Kleingärten, städtische Ackerparzellen, Vertical Farming - überall auf der Welt interessieren sich Menschen für Lebensmittel die lokal hergestellt und auch lokal konsumiert werden. Havanna zeigt, was möglich ist.

BBC schickt Monty Don regelmäßig in die Gärten der Welt. In diesem Video zeigt er Havannas Stadtgärten:



Die Urban Farming Metropole Havanna ist Teil einer Artikelserie, in der wir bei WiWo Green jede Woche ein Projekt für die nachhaltige Stadt der Zukunft vorstellen. Vergangene Woche haben wir uns die Vision eines Algenhochhauses angesehen.

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