"Rolling Coal": Mit Rußwolken gegen den Naturschutz

"Rolling Coal": Mit Rußwolken gegen den Naturschutz

von Peter Vollmer

US-Truckbesitzer pimpen ihre Motoren auf, um "Frauen, Homosexuelle und Ökos" mit Abgaswolken einzunebeln. Die Praxis ist auch ein Protest gegen Umweltpolitik.

Bisher hatte man nur von Umweltschutzbewegungen gehört. Jetzt kommt eine "Umweltschmutzbewegung"  dazu – und erregt die Internetgemeinde: In den USA bauen Truckbesitzer ihre Motoren um, um Hybrid-Fahrer, Passanten oder einfach die Umwelt in schwarzen Ruß zu hüllen. Mittlerweile sehen viele "Rolling Coal" als Form des Protestes.

Neu ist das Ganze nicht: Schon 2007 erklärte ein Nutzer im Urban Dictionary, dass man beim "Rollin' Coal", also dem Einnebeln in einer Rußwolke, am besten "den teuren Wagen hinter sich nimmt, bevorzugt wenn er von einer attraktiven Frau, einem homosexuellen Mann, Großstadtmenschen oder Öko gefahren wird.“

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Dabei waren es damals einzelne Diesel-Truck-Fahrer, die Spaß an der Modifikation ihres Wagens und an den schwarzen Rußwolken hatten. Und auch am Ärgern ihrer Mitmenschen. Doch "Rolling Coal" wurde immer beliebter.

Die Anhänger vernetzten sich digital, woraus schließlich auch ein mehr oder weniger politischer Protest wurde. Gegen Präsident Obama, die "Klima-Lüge" oder die Umweltbehörde EPA, welche die Besitzer der 20-Liter-Trucks mit immer weiteren Umweltauflagen gängelt.

Elisabeth Kulze von vocativ.com ist bei ihrer lesenswerten Spurensuche nach der Begeisterung für die Umweltverschmutzung etwa auf einen 25-jähigen Mechaniker gestoßen, der sagt, es mache ihm einfach Spaß.

Fahren, Rauch rauspusten, eine gute Zeit haben. Sein Kollege erklärt, dass es ihm besser gehe, wenn er nervige Verkehrsteilnehmer einfach anrußen kann: "I rolled coal on a Prius once just because they were tailing me."

Die Einzelteile für die Modifikation kosten zwischen 500 und 5000 Dollar, der Einbau gilt als unkompliziert. Dem Motor muss ein erhöhter Dieselbedarf vorgegaukelt werden. Der nicht komplett verbrannte Diesel verrußt, so dass man ihn in einer schwarzen Wolke durch einen Kamin, oder eben den Auspuff, jagen kann.

Dieser Ruß funktioniere "Prius-abweisend", so ein älterer Internetforen-Witz mit Blick auf die beliebten Hybrid-Wagen von Toyota. Das Ergebnis kann man auch in zahlreichen Internetvideos sehen.

Dass irgendwann jeder Motor unter einer solchen Beanspruchung leidet, nehmen die meisten hin. Trotzdem dürfte sich "Rolling Coal" weder als globaler Trend, noch als polit-kritische Ausdrucksform für konservative Tea-Party-Mitglieder etablieren.

Von den Motor- und Umweltschäden abgesehen: Der zusätzliche Verbrauch verringert die Reichweite der Wagen beträchtlich. Teils verdoppelt sich der Spritbedarf - und damit auch die Kosten für Kraftstoff. Man verbrennt eben nicht nur eine Menge Diesel, sondern auch eine Menge Geld – und Hirn.

Hier noch ein paar Bilder, die so ziemlich alles sagen (via: break.com)

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