Sauerstofftherapie: Aquacleaner schützt Teiche vor Algenbefall

Sauerstofftherapie: Aquacleaner schützt Teiche vor Algenbefall

von Wolfgang Kempkens

Einen umgekippten See zu sanieren ist teuer, verbraucht Energie und kann Jahre dauern. Eine neue Technik soll das ändern.

Wenn ein See "umkippt", stirbt nach und nach alles Leben in ihm. Überdüngung führt dazu, dass das Wachstum von Algen und anderen Pflanzen explodiert.

Die bedecken die Wasseroberfläche und nehmen den Lebewesen darunter Licht und Sauerstoff. Sterben die Algen ab, sinken sie auf den Grund. Bei ihrer Zersetzung wird wiederum viel Sauerstoff verbraucht. Vergangenen August vermehrten sich die Algen im Eriesee im US-Bundesstaat Ohio so stark, dass 400.000 Menschen tagelang kein Leitungswasser nutzen konnten.

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Tausende Dorfweiher, Feuerlöschteiche und kleine Seen sind bedroht, wenn zu viele Nährstoffe etwa aus der Landwirtschaft ins Wasser sickern. Dann wächst die Schlammschicht, der Lebensraum für Fische schrumpft, ein See erstickt.

Wenn gar nichts mehr hilft, rücken Bagger an, die den Schlamm aufsaugen, Mähboote entfernen Algen und Schlauchleitungen werden verlegt, die den See mit Sauerstoff anreichern. Lauter Maßnahmen, die hohe Transport- und Arbeitskosten verursachen, und Energie verbrauchen. Zudem kann es einige Jahre dauern, Teiche oder Seen zu sanieren.

„Wir können die Solarflügel auch verlängern“, sagt Andreas Voss, der das Gerät entwickelt hat. Eine Bordbatterie ermöglicht den Betrieb auch nachts und an trüben Tagen. In der jetzt geplanten Größe wird der Aquacleaner einen Durchmesser von 80 Zentimeter haben.

Crowdfunding soll Prototypen finanzierenBisher gibt es ein realitätsnahes funktionstüchtiges Modell, das durch Eigenmittel finanziert wurde. „Wir haben es erfolgreich in einem wassergefüllten, acht Meter tiefen Behälter getestet“, sagt Voss. Jetzt hoffen Voss und sein Partner Joachim Kopf auf Wagniskapital.

In der ersten Runde des Crowdfunding-Portals der Deutschen Umweltstiftung in Osnabrück wollen sie die eher bescheidene Summe von 5.000 Euro einsammeln. Das Geld soll reichen, um einen Prototypen zu bauen. Später soll eine App dazukommen, die die Temperatur von Wasser und Luft und den Säuregehalt des Wassers auf dem Smartphones abbildet. Eine Bordkamera soll Unterwasserbilder liefern.

Wann der Aquacleaner, für dessen Entwicklung und Produktion das gleichnamige Unternehmen im baden-württembergischen Sulz gegründet wurde, serienreif ist, steht noch nicht fest, wohl aber sein Preis: rund 2.000 Euro. Jedes Gerät kann ein Gewässer mit einer Größe von bis zu 200 Quadratmetern sauber halten, so Voss. Auf größeren Seen könnten mehrere Geräte für genug Sauerstoff sorgen.

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