Schiffsverkehr: Drastische Zunahme seit 1992 setzt Ozeane unter Druck

Schiffsverkehr: Drastische Zunahme seit 1992 setzt Ozeane unter Druck

von Peter Vollmer

Der Schiffsverkehr ist seit 1992 um bis zu 300 Prozent gewachsen. Das hat Folgen für die Umwelt.

Öl, Kleidung, Nahrungsmittel – es dürften weltweit über 100.000 Schiffe sein, die Milliarden Tonnen an Waren von Küste zu Küste transportieren. 80 Prozent des Welthandels laufen nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) über die Weltmeere. Mehr Schiffe auf den Weltmeeren bedeuten auch mehr Emissionen.

Über deren Höhe gibt es leider nur grobe Schätzungen. In Hafennähe lässt sich der größte Teil der Schwefeldioxid-Emissionen zwar auf den Schwerölverbrauch von Schiffen zurückzuführen, so das Umweltbundesamt. Aber auf hoher See?

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Forscher zeichnet Schiffsverkehr nachEin französischer Wissenschaftler versucht mit einem neuen Ansatz nun wenigstens die rasante Entwicklung des Schiffsverkehrs auf hoher See überschaubar zu machen.

Jean Tournadre, Geophysiker des französischen Meeresforschungsinstituts Ifremer, nutzt dazu Höhenmesser von Satelliten. Diese senden einen Radar-Impuls zur Erde und konstruieren anhand des Echos ein Bild der Erdoberfläche. Eine glatte, leere Fläche wie der Meeresspiegel schickt das Signal direkt zurück – anders als Eisberge, Inseln oder eben Schiffe.

Dass die Satelliten auch kleinere Objekte erfassen, war Tournadre bis 2007 nicht bewusst. Damals fahndete er mit den Satellitendaten nach möglichen Eisbergen in Polar-Seen. Einige Daten kamen ihm allerdings seltsam vor. Er fand heraus, dass es sich in einem Fall nicht um einen Eisberg, sondern um einen Leuchtturm handelte. Er stellte fest, dass er anhand der Signale auch Schiffe identifizieren konnte. Tatsächlich spiegelten sich in den Daten bekannte Schiffsrouten.

Größere Schiffe, mehr Verkehr

Also trug Tournadre die Daten von sieben Satelliten von 1992 bis 2012 zusammen und versuchte, die Entwicklung des Schiffsverkehrs nachzuzeichnen. Das Resultat: Der Verkehr auf den Ozeanen dürfte um etwa 300 Prozent zugenommen haben. Vor allem im Indische Ozean herrscht viel Betrieb.

Tournadre räumt ein, dass seine Ergebnisse die Entwicklung möglicherweise überzeichnen. Denn vor allem die immer größer werdenden Container-Schiffe finden die Satelliten leicht, während ihnen sehr kleine Schiffe entgangen sein könnten.

Doch auch wenn man die Daten vorsichtig betrachtet: In der Zeit von 1992 bis 2002 stieg der Schiffsverkehr um 60 Prozent an. Ab 2002 dürfte er sich nahezu verdoppelt haben. Weitere Untersuchungsergebnisse sind nun in dem Fachmagazin Geophysical Research Letters erschienen. (Hier kostenpflichtig abrufbar. )

Schiffe verlieren Abfall und TreibstoffJean Tournadre findet die Zunahme des Verkehrs "sehr beunruhigend" und sieht in den Schiffen die größte Quelle für Umweltverschmutzung auf dem offenen Meer. Beispielsweise habe der Schiffsverkehr auf der Strecke Sri Lanka – Sumatra – China dort den Anteil von Stickstoffdioxiden in der Atmosphäre um 50 Prozent erhöht.

Ein weiteres Problem: Viele Schiffe verlieren auf ihren Fahrten Treibstoff, Öl und andere Abfälle. Vor allem weist Tournadre aber auf die Lautstärke hin, die die Metallkolosse verursachen. Gerade empfindsame Säugetiere wie Wale leiden darunter. 

Auch Umweltschutzorganisationen wie der NABU kritisieren, wie große Schiffe mit ihren Verunreinigungen die Meere (und Küstenregionen) belasten. 2010 gab das "Joint Research Centre" der Europäischen Kommission eine umfangreiche Untersuchung zu Emissionen von Schiffen und möglichen Gegenmaßnahmen heraus. Ab Januar 2015 immerhin müssen Schiffe in Nord- und Ostsee den Schwefelanteil im Treibstoff reduzieren.

Emissionsärmere oder sogar -freie Schiffe (über einen Prototyp haben wir hier berichtet) sind aber meist noch Zukunftsmusik. So sind es kurioserweise Piraten, die ihre Gewässer am effektivsten vor Emissionen und Ölteppichen schützen. Denn überall nahm die Schiffsverkehr laut Studie zu - außer im Golf von Somalia. Die Satellitendaten zeigen, dass die Schifffahrt hier seit 2006 zum Erliegen gekommen ist.

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