Schneckenmann: Warum ein Chinese in einem tragbaren Haus lebt

Schneckenmann: Warum ein Chinese in einem tragbaren Haus lebt

von Benjamin Reuter

Ein als "Schneckenmann" bekannter Chinese wohnt in einem Haus aus Plastik und Bambus, das er überall hin mitnimmt.

Wir alle sollen heute möglichst mobil sein. Arbeiten in Frankfurt, die Frau in Berlin, die Kinder aus erster Ehe in München und die Oma in Hamburg. So verpendelt man sein Leben in Zügen, Flugzeugen und Autos, zieht häufig um und fühlt sich nirgendwo zu Hause.

Ein hypermobiler Chinese lebt dieses Leben seit Jahren - und zeigt gleichzeitig, wie dem "nie-zu-Hause-sein" in unserer modernen Gesellschaft beizukommen ist. Der Wanderer nämlich nimmt sein Haus überall hin mit (siehe Bild links). Dabei trägt er es wie eine Schnecke umher, was ihn in den chinesischen Medien den Spitznamen "Schneckenmann" eingebracht hat.

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Nun ist der 38-jährige Liu Lingchao, wie er richtig heißt, kein moderner Arbeitsnomade der Mittel- oder Oberschicht, sondern eher ein Wanderarbeiter. Denn er sammelt Plastikflaschen und Dosen, die er wieder verkauft. Und das in ganz China, wie die Blogger von Inhabitat herausgefunden haben wollen.

Sein Häuschen besteht genau aus diesen Resten - verstärkt mit einer tragenden Konstruktion aus Bambus. Leicht ist das ganze trotzdem nicht: Rund 60 Kilogramm wiegt die Konstruktion, laut dem Internetportal China News. Das macht die Fortbewegung nicht unbedingt schneller - auch deshalb wurde er als "Schneckenmann" bekannt.

Man könnte an dieser Stelle jetzt einige mehr oder weniger ernst gemeinte philosophische Fragen anschließen, wie zum Beispiel: Zeigt der "Schneckenmann", dass die zunehmende Mobilität uns zunehmend belastet und ausbremst, statt uns schneller zu machen?

Oder ist Lingchao gar der Gründer einer neuen Bewegung: Nicht mehr Slow Food ist angesagt, sondern Slow Life mit einer starken Betonung auf Recycling? Ist er am Ende vielleicht sogar wir alle, ewig wandernd, aber nie das Ziel erreichend?

Wer sich nicht mit solcherart Gedanken aufhalten will, kann auch einfach über die Geschichte schmunzeln.

(Copyright Bilder: China News)

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