Schweiz: Coop beliefert städtische Supermärkte per Bahn statt LKW

Schweiz: Coop beliefert städtische Supermärkte per Bahn statt LKW

von Felix Ehrenfried

In Genf werden Supermärkte per Güterzug beliefert. Das spart Geld und entlastet die Straßen. Ein Vorbild für Deutschland?

Das Problem dürfte vielen Stadtpendlern bekannt sein: Wer morgens mit dem Auto unterwegs zur Arbeit ist, steht auf den Haupteinfahrtstraßen deutscher Städte im Stau. Grund für den dichten Verkehr sind viele andere Pendler, aber auch Kolonnen von LKW, die sich allmorgendlich den Weg in die Metropolen bahnen.

Viele von ihnen haben innerstädtische Supermärkte zum Ziel, um diese mit frischen Lebensmitteln zu versorgen. Das kostet Sprit, viel Zeit und LKW-Fahrer wie Pendler oftmals auch gehörig Nerven.

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1,2 Millionen Lastwagenkilometer eingespartDiesem Problem hat sich die Schweizer Handelskette Coop jetzt angenommen, und setzt seit einiger Zeit auf Zugwaggons statt LKW-Anhänger beim Warentransport in die Stadt.

Das Projekt mit dem Namen CityCargo Genève startete vor gut einem Jahr in Genf. Seitdem rollen täglich die Waren für die innerstädtischen Supermärkte von Coop auf Gleisen ins Stadtgebiet. Im Zentrum werden diese Container mittels einer einfachen Verladetechnik auf LKW gesetzt, die die Waren dann nur noch die letzten Kilometer, vom Bahnhof bis zum Supermarkt, transportieren. Die Einsparungen lagen im vergangenen Jahr bei 1,2 Millionen Lastwagenkilometer, erklärt Philipp Wegmüller, der das Projekt für Coop koordiniert.

Zwar ist es im Handel üblich, große Warenmengen per Zug zu transportieren, jedoch werden viele Lieferungen meist in einem Zentrallager verteilt und dann mittels LKW in die Supermärkte gebracht. Einen direkten Transport in den Stadtkern auf Schienen gab es bisher noch nicht.

Mit dem Projekt habe Coop innerhalb des ersten Jahres immerhin rund 500 Tonnen CO2 eingespart, sagt Wegmüller. Zum Vergleich: Eine Tonne des Treibhausgases stößt ein sehr sparsames Auto auf 10.000 Kilometer Strecke aus. Außerdem sei das Projekt finanziell rentabel, sodass man das Konzept demnächst auch auf weitere Städte ausweiten wolle. Welche das sind und wie viel Coop durch den Schienentransport in die Innenstadt an Kosten einspart, verrät das Unternehmen aber nicht.

Auch für Deutschland interessant?Bisher werden 42 Verkaufsstellen in Genf über das CityCargo System beliefert. So kommen jährlich rund 380.000 Europaletten Waren über das System in die Innenstadt.

Dabei erreicht ein erster Güterzug, beladen mit Frischwaren wie Obst und Fleisch, Genf schon im Morgengrauen. Ein zweiter Zug verlässt das Verteillager von Coop in der westlichen Schweiz bei Lausanne um neun Uhr morgens, beladen mit Milchprodukten. Der dritte Transportzug, der täglich nach Genf fährt, ist mit weniger verderblichen Waren beladen und erreicht den Stadtkern zur Mittagszeit.

Das Projekt von Coop zeigt, dass durch die kluge Kombination von Schienen- und Straßenverkehr Geld eingespart, die Umwelt geschont, und die Städte entlastet werden können.

Jedoch ist eine einfache Übertragung des Systems auf deutsche Großstädte wohl nicht so einfach möglich. Hier ist auf vielen Schienenabschnitten der Verkehr derart dicht getaktet, dass wenig Platz für weitere Güterzüge zur Verfügung steht.

Auch befinden sich viele Güterbahnhöfe nicht direkt im Stadtzentrum, sodass die LKW noch einige Kilometer zurücklegen müssten. Dennoch könnte es sich für Edeka, Rewe und Co. lohnen, einen Blick auf das Projekt in der Schweiz zu werfen. Denn Einsparung von Transportkosten, verbunden mit einem positiven Marketing durch weniger Transporter auf deutschen Straßen dürfte auch den deutschen Handelsriesen nur recht sein.

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