Schwimmende Farm: Nahrung kommt demnächst vom Meer

Schwimmende Farm: Nahrung kommt demnächst vom Meer

von Sabrina Keßler

Britische Studenten haben schwimmende Gewächshäuser, Sealeaf genannt, entwickelt. In ihnen sollen Lebensmittel für Küstenstädte wachsen.

Die Welt hat ein Problem: Die Bevölkerung wächst rasant, fruchtbares Land wird knapp und die Nachfrage nach Lebensmitteln ist so groß wie nie zuvor. Vor allem Großstädte stehen in naher Zukunft vor der Herausforderung, ihre Einwohner mit ausreichend Nahrung zu versorgen: Bis 2015 werden knapp 3,8 Milliarden Menschen in den Megametropolen der Welt leben – und alle wollen essen.

18 von den 21 größten Städten der Welt liegen nahe am Meer - dazu gehören unter anderem Sao Paolo, Shanghai und Bombay. Glücklicherweise, haben sich britische Studenten jetzt gedacht. Denn sie wollen die Ozeane in Küstennähe zu den Feldern der Zukunft umgestalten.

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Dafür haben die Londoner Design-Studenten Idrees Rasouli, Roshan Sirohia, Jason Cheah und Sebastiaan Wolzak ein System namens „Sealeaf“ entwickelt. Dabei handelt es sich um kleine schwimmende Gewächshäuser, die mit Gemüse bepflanzt und dann vor den Küsten der Stadt zu Wasser gelassen werden.

Das Ziel: "Durch lokalen Anbau reduzieren wir massenhaft CO2 und sorgen für Nahrungssicherheit in den Städten.“ Städte könnten so weiterhin mit Häusern bebaut werden - und ihre Einwohner ließen sich mit Nahrungsmitteln vom Meer versorgen, weite Transportwege entfallen.

Mit dem Problem steigender Nahrungsmittelimporte haben derzeit viele Mega-Cities zu kämpfen. So führt der Inselstaat Singapur inzwischen 93 Prozent der Nahrungsmittel für seine Einwohner ein. Und das, obwohl das Land früher mehr als 20.000 Bauernhöfe beherbergte. Doch Platz für Ackerbau ist heute kaum noch.

Gewächshäuser auf dem MeerDie Lösung des Problems soll mit Sealeaf vom Meer kommen. Dafür werden mehrere Gewächshäuser, jedes so groß wie ein Terrarium, ins Wasser gelassen und dann mit Stegen verbunden. Auf ihnen soll der Meeres-Farmer bequem und trocken alle schwimmenden Beete erreichen können.

Die Gewächshäuser können Regenwasser auffangen und Sonnenwärme speichern. Die Pflanzen selbst wachsen in einer Nährlösung und nicht in Erde. In jedem der schwimmenden Beete finden sechs Pflanzen Platz.

Bei einem Preis von 50 US-Dollar pro Modul und etwa sieben Ernten jährlich, wie es zum Beispiel beim Chinesischen Senfkohl der Fall ist, könnten 20 Kilogramm Gemüse pro Jahr geerntet werden. Ein Bauer könnte mit einem Modul 105 US-Dollar im Jahr verdienen, haben die Londoner Studenten errechnet.

Anders als zum Beispiel Urban Farming in Wolkenkratzern, das zwar sehr beeindruckend, allerdings meist wenig ökologisch und energieintensiv ist, sollen die Gewächshäuser auf dem Wasser nicht nur Nahrung liefern, sondern auch lokale Ressourcen wie Solar-Energie und Regenwasser zur Bewässerung nutzen. Das System wäre damit fast autark - nur die Nährlösung und Pflanzen müssten die Bauern zuführen. Sealeaf zeigt damit: Manchmal lohnt es sich auch klein zu denken.

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