Selbst gezüchtet: Obst aus dem Küchen-Reaktor

Selbst gezüchtet: Obst aus dem Küchen-Reaktor

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Die Rubus Arcticus, besser bekannt als Allackerbeere, lässt sich im CellPod nachzüchten. (Foto: VTT)

von Marlene Thiele

Ein neues Haushaltsgerät ermöglicht es, binnen einer Woche aus Pflanzenzellen frisches Obst und Gemüse zu züchten.

Erdbeeren aus Spanien oder Birnen aus Chile haben es immer schwerer, denn Verbraucher greifen vermehrt zu Produkten aus der Region. Laut bayerischem Handelsverband wird in Bayern bereits jeder fünfte Euro für heimische Lebensmittel ausgegeben.

Regional ist im Trend. Trend ist aber auch die Urbanisierung – wer in der Stadt wohnt, muss dann doch wieder eine Weile fahren, bis er die Möhren direkt vom Feld kaufen kann.

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Forscher des Technischen Forschungszentrums Finnland (VTT) bringen Konsument und Ernte wieder zusammen: Mit ihrem sogenannten CellPod lässt sich in kürzester Zeit eine gesunde Mahlzeit aus Pflanzenzellen heranzüchten, unabhängig von Wohnort und Wetter. "Die Urbanisierung und die Umweltbelastung durch die Landwirtschaft machen es nötig, bei der Produktion von Lebensmitteln neue Wege einzuschlagen", so Lauri Reuter, einer der Forscher des VTT.

Der CellPod sei einer dieser Wege: "Mit seiner Hilfe können Konsumenten bald auf neue und spannende Weise regionales Essen daheim produzieren", so Reuter.

Fad aber gesund

Vor allem die kurze Zuchtdauer von nur einer Woche macht den CellPod zu einer echten Innovation: Es geht so schnell, weil nicht etwa eine ganze Pflanze aus einem Samen gezogen wird, sondern nur ein Teil von ihr auf der Grundlage bestimmter Zellen entsteht – eben die Frucht als Zellansammlung.

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Echte Beere oder gezüchtete Zellkultur? Bis auf Aussehen und Geschmack soll es kaum Unterschiede geben. (Foto: VTT)

Sie enthält das gesamte genetische Potenzial der Pflanze, also auch alle Vitamine und Antioxidantien, sodass beispielsweise der Nährwert einer Moltebeeren-Zellkultur dem der eigentlichen Beere gleicht. Es gibt es aber Luft nach oben: Noch schmecken die gezüchteten Zellen nämlich eher fad.

Reaktor mit Optimierungsbedarf

Auch andere Verbesserungen sind denkbar: Die Nährwerteigenschaften der Zellen können sowohl künstlich an den Bedarf angepasst, als auch auf natürliche Weise optimiert werden. Wie in der Natur können beim CellPod Licht und Temperatur reguliert werden, wodurch sich Pflanzen mit ganz unterschiedlichen Wachstumsbedingungen heranzüchten lassen. Neben den bereits getesteten Beerensorten könnte beispielsweise gleichermaßen aus Birkenzellen gesundes Essen entstehen.

Auch optisch wird der CellPod noch weiterentwickelt. Im Moment sieht er aus wie eine Designerlampe, klein genug um auf dem Küchentisch eine gute Figur zu machen. Da der CellPod aus dem 3D-Drucker kommt, sind Veränderungen am Design aber kein Problem.

Gute Vorschläge sind dabei willkommen: Die Forscher vom VTT freuen sich über Meinungen und Verbesserungsvorschläge ihrer zukünftigen Kunden auf ihrer Facebook-Page.

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