Selbstversuch: Fünf Apps für Weltenretter

Selbstversuch: Fünf Apps für Weltenretter

von Jürgen Klöckner

Weniger Müll, Wasser, Essen, Autofahren: Unser Autor hat fünf Apps getestet, die ein grüneres Leben versprechen. Was taugen sie?

Im Schnitt verursache ich zehn Tonnen CO2 pro Jahr, Sie auch. Ein Autokilometer verbucht rund 150 Gramm der chemischen Verbindung auf meinem Ökokonto, da ist der Besuch in der Waschstraße noch gar nicht drin. Auch in den wenigen Sekunden, in denen ich diesen Text bereits schreibe, hat der Stromverbrauch meines Computers höchstwahrscheinlich die Umwelt mit einigen Gramm CO2 belastet.

Aber das sind nur vage Werte. Ich will es genauer wissen: Da schwirren eine Menge Verbrauchsdaten um mich herum, die ich alle gerne erfahren würde - ich will meine eigene Umweltbilanz erfassen, so gut es geht - und so meinen CO2-Fußabdruck verkleinern.

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Dafür habe ich fünf Apps auf meinem Smartphone getestet, an jedem Wochentag eine. Denn leider kann ich kein Team aus Wissenschaftlern um mich herum aufbauen, das mich 24 Stunden überwacht. Aber es gibt ja diese kleinen, tollen Programme für Smartphones für so ziemlich jede Lebenslage - und tatsächlich auch für mein nicht ganz ernst gemeintes Experiment.

Die gute Nachricht: Sie kosten alle nichts. Die schlechte: Sie machen ein ziemlich schlechtes Gewissen. Der Mensch ist nunmal eine Datenwolke - und diese Apps machen alle Umweltsünden sichtbar, ob Sie wollen oder nicht: Sie messen den Wasserverbrauch, den CO2-Wert meiner Ernährung und wie effizient ich Auto fahre. Aber manche Menschen zählen ja auch Kalorien, so ziemlich jeder hat irgendwie im Hinterkopf, was er ausgibt - wieso dann nicht auch mal messen, wie man gerade die Umwelt versaut. Alleine das kann vielleicht schon genügen, sein bequemes Leben umzustellen.

Denn die Energiewende beginnt bei jedem Bürger, sagt Bundesumweltminister Peter Altmaier. Und wenn diese Apps dazu beitragen, sind sie auch den Strom wert, den sie auf meinem Smartphone verbrauchen. Also los!

Montag: Eco-Challenge - Für die tägliche HerausforderungEigentlich sage ich meiner App, was sie zu tun hat: Zeige den Weg, nenne ein Rezept, erzähle mir, was gerade in der Welt geschieht. Doch die preisgekrönte App Eco-Challenge gibt mir Befehle. Jede Woche stellt sie ihren Nutzern neue Aufgaben aus einem bestimmten Themengebiet. Etwa: Plastik, Wasser, Ernährung - um einen so zu einem „nachhaltigen Lebensstil“ zu bewegen, wie die Macher der Universität Potsdam versprechen. Weil die App schon etwas älter ist, gibt es bereits einige Herausforderungen auf Abruf.

Beispiel: Plastik. Zum Aufwärmen gibt es interessante Infos. Eine schöne Grafik vergleicht 25 Minuten Nutzung mit 100 Jahren Abbau der Tüte: ziemlich unverhältnismäßig. Ich kann ausrechnen, wie viel Plastik ich verbraucht habe: Matratzengröße, Legosteine, Knöpfe, Schnuller, alles muss ich angeben. Angeblich komme ich auf 329671 Milliliter Erdöl. Ist das viel? Um das herauszufinden, kann ich den Verbrauch mit meinen Freunden über Facebook vergleichen.

Dann geht es zur Challenge, die mich einige Tage begleitet. Ich soll drei Plastiktüten weniger verbrauchen, kürzer duschen oder meine eigene, natürliche Seife machen. Die App dokumentiert meinen Fortschritt, ich kann ihn mit meinen Freunden teilen und sie sogar herausfordern. Eine nette Idee, wenn denn nur meine Freunde die App nutzen würden. Vielleicht ändert sich das ja jetzt!

Eco-Challenge für iPhone, kostenlos

Dienstag: Get-Neutral - 577 Gramm CO2 zum FrühstückGar nicht dran denken, wie viel CO2 die Herstellung und der Transport dieses saftigen Steaks in die Umwelt geblasen hat, das gerade vor mir liegt - manchmal frühstücke ich spät. 5400 Gramm, und da ist die Energie fürs Braten und das Bratöl noch nichtmal eingerechnet.

Das sagt mir die App Get-Neutral. Sie scannt den Barcode auf Verpackungen von Nahrung und theoretisch auch Bekleidung. In meinem Test hat das leider nie funktioniert. Doch angeblich sie kann noch mehr: Die Macher haben aus dieser App eine Art Social-CO2-Spiel gemacht: Wer Produkte scannt, klettert einen Highscore noch oben und wird mit Gutscheinen belohnt, die er bei einem Biosupermarkt oder -Restaurant einlösen kann.

Mir reicht es aber erstmal, den CO2-Gehalt meiner Mahlzeiten zu erfassen. Was es so richtig bitter macht: Jeden Wert vergleicht die App sofort: Wie viele Waschgänge das sind, wie viele Autokilometer, etc. So komme ich auf 577 Gramm CO2 zum Frühstück, Mittags 6460 Gramm (ich habe es aber auch krachen lassen), Abends nochmal 421 Gramm, insgesamt 7458 Gramm. Laut App hätte ich dafür auch sechs Stunden staubsaugen können. So starte ich schonmal mit einem richtig schlechten Gewissen in den nächsten App-Tag.

Get-Neutral für iPhone und Android, kostenlos

Mittwoch: GoDriveGreen - Wenn es das Auto sein mussSo, Schluss mit Bahnfahren. Ich will auch mal raus mit dem Auto, habe keine Lust auf Verspätungen und Umsteigen. Rein ins Auto, Gas geben! Immer dabei an: Die App GoDriveGreen, auch kostenlos. Vorher habe ich ihr die Daten meines Autos verraten. Marke, Modell, Baujahr, Übersetzung. Auch den Benzinpreis will sie wissen - dafür muss man allerdings erst die deutschen Euros pro Liter in Dollars per Gallon umrechnen - noch gibt es diese App nur auf Englisch. Das genügt dann auch schon - los gehts.

Ab dem ersten Meter verfolgen Pfeile meine Route. Fahre ich mit konstanter Geschwindigkeit, sind sie grün, werde ich langsamer verfärben sie sich gen Rot. Und weil ich auf einer Landstraße unterwegs bin, muss ich ständig abbremsen und wieder  beschleunigen - die Pfeile verfärben sich im Sekundentakt.

So zeigt die App in Echtzeit, wie stark ich gerade meine Reifen und Bremsen beanspruche - und errechnet so einen Green-Score: Je effizienter ich fahre, desto besser der Wert. Die App merkt sich die Route und den Green-Score, sodass ich meine Fahrweise jedes Mal vergleichen kann. Wer will, kann sich in diesen Statistiken stundenlang verlieren.

GoDriveGreen für iPhone, kostenlos

Donnerstag: MyWaterDiary - WaschtagIch liebe Balkendiagramme. Diese App für den Wasserverbrauch liefert mir einen für jeden Tag. Kochen: Plus ein Liter, Putzen: plus fünf Liter, Waschen: Plus 95 Liter. Die App speichert jeden Liter Wasser, spuckt ihn als Balkendiagramm aus und errechnet einen Durchschnitt. Eine nette kleine App, nicht sonderlich spektakulär.

MyWaterDiary für iPhone und Android, kostenlos

Freitag: EcoCleaning - Was kann ich tun?Letzter Tag. Zeit, zu handeln! Ich will meinen CO2-Fußabdruck endlich wissen. Dazu muss ich mir Zeit nehmen: Die App EcoCleaning rechnet all die Öko-Sünden zusammen, die ich im Laufe des vergangenen Jahres begangen habe: Wie viel Kilometer ich gefahren bin, wie viel Gramm Rind ich pro Woche gegessen habe und so weiter.

Am Ende komme ich auf 23,851 Tonnen CO2, die ich angeblich 2012 emittiert haben soll - das ist mehr als der doppelte Wert, der der Durchschnitts-Deutsche in seinem Klimasünden-Register führt. Allerdings war ich 2012 viel unterwegs - ich habe alleine 14 Tonnen CO2 verflogen.

Um das wieder hinzubiegen, müsste ich 1195 Bäume pflanzen, auch das sagt mir die App - und macht mir für jeden Posten, den ich angegeben habe, Vorschläge: Esse weniger Fleisch, kaufe dir ein Elektroauto, isoliere deine Wände. So kann ich Schritt für Schritt meinen CO2 Fußabdruck verkleinern und sehe das auch in einer Grafik. In der kommenden Woche werde ich mit fünf weiteren Apps versuchen, meinen Alltag grüner zu gestalten.

EcoCleaning für iPhone, kostenlos

Wie die Apps aussehen, zeigt unsere Galerie:

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