Selbstversuch Plastikfasten: 40 Tage ohne Kunststoff

Selbstversuch Plastikfasten: 40 Tage ohne Kunststoff

40 Tage Plastikfasten: Kein Kunststoff kaufen und trotzdem gut leben - geht das? Unsere Autorin berichtet von ihrem Selbstversuch.

40 Tage ohne Plastik, von Aschermittwoch bis Ostern. Das ist mein Fasten-Vorhaben für dieses Jahr. Dabei braucht man Plastik überall: Morgens beim Zähneputzen fällt einem die Zahnbürste in die Hand, dazu die Zahnpasta-Tube, die Kaffeemaschine besteht aus Plastik, sogar der Mülleimer an sich - Plastik. Meine Brotdose, meine Turnschuhe, meine Haarbürste. Plastikfasten ist schwierig.

Denn alles kann ich nicht aus meinem Alltag verbannen, aber immerhin für 40 Tage beim Neukauf auf Plastik verzichten. Immerhin: Ein Blick ins Netz zeigt, ich bin nicht alleine. Die Umweltorganisation BUND hat sogar eine Aktion mit dem gleichen Ziel ins Leben gerufen: 40 Tage lang auf Plastik verzichten.

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Weltweit werden jährlich geschätzt 200 bis zu 250 Millionen Tonnen Plastik hergestellt. Die Kunststoffabfallmenge hat sich in Deutschland im Zeitraum von 1994 bis 2013 beinahe verdoppelt, so das Bundesumweltamt: Rund 5,7 Millionen Tonnen pro Jahr verbrauchen wir. Recycelt werden davon lediglich 42 Prozent.

Vor allem Plastik, das nicht verrottet, verschmutzt die Gewässer, wie ein Bericht des UN-Umweltprogramms (Unep) und der Schutzorganisation "Ocean Conservancy" beklagt. Tüten und PET-Flaschen machen in manchen Meeren bis zu 80 Prozent aller Abfälle aus. Eine Million Seevögel und bis zu 100.000 Meeressäuger sterben jedes Jahr an den Folgen von Meeresmüll. Die erschreckenden Bilder dazu motivieren mich zu meinem Vorhaben. Der erste Weg führt mich in den Discounter. Geht Müll fasten auch günstig?

Im Discounter möchte ich mich für die erste Woche versorgen, doch schon am ersten Regal merke ich, dass mein Vorhaben zum Scheitern verurteilt ist. Marmelade, Oliven, Gürkchen, Sekt und Wein bekomme ich im Glas, Eier im Karton, Mehl und Zucker in Papier. Doch alles Weitere steckt in Plastik: Getränke, Brot, Putzmittel, Käse, Butter, Milch – und am Obsttisch: Bananen in Plastik, Äpfel und Suppengrün abgepackt, Orangen und Kartoffeln im Netz. Ein Kürbis geht. Aber hier komme ich heute nicht weiter, ohne dass die Ernährung extrem einseitig wird.

Milch im Glas, kein Käse an der ThekeDer Supermarkt bietet eine größere Auswahl schon allein unter den unterschiedlichen Artikeln. Milch gibt es von vielen Firmen, in verschiedenen Größen und auch in Tetra-Pack aber eben auch im Glas. Super! So durchforste ich den Markt nach den Gläsern. Es gibt passierte Tomaten im Glas - dann kann ich schon mal Tomatensaucen machen.

Vor dem Nudelregal verzweifele ich aber fast. Ein circa acht Meter langes Regal voll mit Nudeln – dick, dünn, lang, kurz, gedreht, gefärbt, als Buchstaben oder Zahlen – alles in Plastik. Nur eine Firma bietet scheinbar Pappe – doch auch das trügt – sie haben Guckfenster.

Das Gemüse gibt es verpackt, aber auch unverpackt und so bekomme ich nach doppelter so langer Einkaufszeit als sonst den Einkaufswagen voll. Nur auf meinen geliebten Käse muss ich verzichten. Obwohl ich einen Behälter dabei habe. Die Dame an der Theke will mir aus hygienischen Gründen keinen Käse in die Box packen. Dafür bekomme ich auf dem Rückweg von meiner Stammbäckerei das geschnittene Brot in meinen Jutebeutel.

Markt schlägt BioladenÖkologisch zu sein, das schreiben sich die Bioläden auf die Fahne. Doch auch hier bekomme ich noch immer nicht die Dinge, die ich im Discounter und Supermarkt nicht unverpackt bekommen habe. Hier gibt es zwar Papiertüten für das Obst und den Käse an der Theke bekomme ich in Papier gewickelt, aber Butter gibt es nur in den üblichen Folien-Papierverpackungen und Quark, die meisten Nudeln oder Kaffee, Toilettenpapier - alles verpackt. Die Glas-Quote ist aber schon wesentlich höher: Getränke, Gemüse, Milch, Sahne und Jogurt...

Freitag ist Wochenmarkt im Stadtteil und hier ist die Stimmung eine andere. Ich bekomme meinen Käse an der Käsetheke in meine Dose gepackt, die ich mitgebracht habe. Der Demeter-Stand füllt mir nach dem Wiegen sämtliches Gemüse und Obst in meine Jutetaschen. Ohne, dass ich gefragt habe, bietet mir der Verkäufer an, die Äpfel in meine Tasche zu packen. Und die Preise sind günstiger als im Bioladen.

Der Mehraufwand wäre also nach der ersten Woche gar nicht so groß - wenn nicht immer noch ein paar Gegenstände fehlen würden. Das Toilettenpapier geht langsam zu Neige und auch meine Zahnbürste sollte ich neu kaufen. Aber wo bekomme ich solche Kosmetika her? Im Internet gibt es unterschiedliche Anbieter. Ich finde Zahnbürsten aus Bambus und Shampoo in Seifenform. Zwar viermal teurer als der Durschnitt im Drogeriemarkt, aber was tut man nicht für die Umwelt.

Verpackungsfreies Geschäft will helfenDann entdecke ich einen Laden in Bonn, der verpackungsfreie Produkte anbietet. Das Problem: Er liegt nicht um die Ecke. Hin und zurück sind gleich mal 46 Kilometer. Aber angucken möchte ich ihn mir doch. Er hat ein wenig den Charme von Tante Emma-Läden - klein, überschaubar, in den Regalen steht nur das Nötigste. Brot, Milchprodukte, Obst und Gemüse, Kaffee und Käse und Fleisch. Alles ohne Plastik.

Ich habe meine Einmachgläser dabei - wie im Internet empfohlen. Ob Müsli, Nudeln, Reis, Weingummi oder Nüsse. Ich kann an Ständern meine abgewogenen Gläser befüllen und an der Kasse wird mir das Gewicht des Glases vom Gesamtgewicht wieder abgezogen. Bleibt das Nettogewicht. Kaffee wird mir ins Glas gemahlen. Käse wird ganz selbstverständlich in meine Dose gepackt. Hier fühlt man sich verstanden und findet alles auf Anhieb.

Nur Kosmetika und Putzmittel gibt es noch nicht abfüllbar - soll aber noch kommen. Solange muss das gute alte Seifenstück helfen. Mit einem guten Gefühl, aber einem leeren Geldbeutel geht es zurück nach Hause. Der junge Gouda (200 Gramm) hat beispielsweise doppelt so viel gekostet wie der auf dem Markt. Den werde ich mehr als genießen.

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