Sieger unserer Leser-Aktion: Die womöglich kleinste Kantine Deutschlands

Sieger unserer Leser-Aktion: Die womöglich kleinste Kantine Deutschlands

Der Sieger unserer Leser-Aktion löst ein Problem, das viele Büro-Menschen kennen.

Klimawandel beginnt bei jedem Einzelnen: Der eine isst kein Fleisch mehr, der andere fährt nur noch mit der Bahn, der nächste versorgt seine Familie selbst mit Strom. In unserer Leser-Aktion hatten wir Sie dazu aufgerufen, uns persönliche Beispiele aus Ihrem Alltag zu schicken, die als Vorbild für ein nachhaltiges Leben dienen können. Viele von Ihnen haben mitgemacht, es waren interessante Ansätze dabei von Fahrradparkhäusern bis zu Taxitransporten.

Überzeugt hat uns schließlich Manfred Dürr aus Würzburg. Der Projektingenieur erhält einen Hotel-Gutschein in Höhe von 500 Euro, gestiftet von den Barmenia Versicherungen. Sein Projekt stellen wir an dieser Stelle vor.

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Manchmal sind es die kleinen Dinge, die die Welt nachhaltiger machen. Im Fall von Manfred Dürr reichen dafür ein Dampfdrucktopf, eine Induktionsplatte, ein paar Zutaten und die Küche seines Arbeitgebers.

Der Projektingenieur aus Würzburg geht mit diesen Utensilien ein Problem an, das viele Büro-Angestellte kennen: das Mittagessen. Die meisten greifen zum Käse- oder Wurstbrot oder gehen in die Kantine beziehungsweise zum Schnellimbiss. Dort dominiert oft Fleisch die Speisepläne. Dürr findet: „Auf Dauer ist das nicht gesund und es ist außerdem nicht umweltfreundlich.“

Energieeffizient und gesundVor einigen Jahren beschloss er, zumindest in seiner Firma, der Volta Windkraft GmbH in Ochsenfurt, einen anderen Weg zu gehen: selber kochen. Er sei ja Ingenieur, da sei er es gewohnt, Lösungen zu entwickeln, sagt Dürr. Statt mittags außer Haus zu essen, bereitet er nun jeden Tag ein warmes, gesundes und größtenteils veganes Mittagessen für seine vier Kolleginnen und Kollegen - inklusive des Chefs - zu.

Damit er nicht zu viel Vorbereitungszeit verschwendet, bringt er die Zutaten dafür von zu Hause mit. Kartoffeln oder Karotten schält er bereits zu Hause, damit er während der Arbeitszeit im Schnitt mit 25 Minuten Vorbereitungszeit auskommt.

Der Dampfdrucktopf ist wichtig, weil Dürr damit die Kochzeit einstellen kann. Der Druck wird automatisch geregelt, dadurch muss der Projektingenieur nicht die ganze Zeit nach dem Essen sehen. Der Induktionsherd hat Vorteile, weil er schnelles Temperieren ermöglicht und nur der Topf und nicht der Herd selbst erhitzt wird. Das spart Energie.

Klimaschutzbilanz: 0,06 Kilowattstunden pro PortionDie Klimaschutzbilanz kann sich dementsprechend sehen lassen: Aufgrund der fast veganen Kost, energieeffizienter Küchentechnik und der Zubereitung sei diese „äußerst positiv“, sagt Dürr. Er beziffert den Energieverbrauch pro Portion auf 0,06 Kilowattstunden.

Das Repertoire an Gerichten sei zwar eingeschränkt, sagt Dürr, aber abwechslungsreich. So gibt es in der „womöglich kleinsten Kantine Deutschlands“, wie der Projektingenieur sein mittägliches Kochen getauft hat, festgelegte Beilagen wie Hirse, Reis, Nudeln Kartoffeln, Gemüse oder Linsen, dazu kommt Tomatensauce mit Bohnen oder Gemüse, Salat oder Fisch.

Der Fisch ist die einzige tierische Zutat, die er verwendet. Bei den Meertieren achtet er auf zwei Punkte: das MSC-Siegel, das eine nachhaltige Fangmethode bestätigt, und eine geringe Menge. Für jede Person gebe es höchsten 100 Gramm pro Woche, sagt Dürr.

Nachhaltige Ernährung, für jedermann bezahlbarAbgesehen davon ist alles vegan, teils auch in Bio-Qualität. Das Budget pro Portion: 1,50 Euro. Damit dürfte Dürr preislich auch Kantinen schlagen. Und er macht nachhaltige Ernährung damit für jedermann bezahlbar.

Das Projekt kommt auch in der Firma gut an: Er sei schon ein wenig stolz darauf, dass die Kollegen sein Essen schätzten und ihn auch dafür lobten. Besonders, weil sie sich sonst weder vegan noch vegetarisch ernähren.

Die BegründungEtwa 2,1 Tonnen an Emissionen trägt jeder von uns jährlich durch seine Ernährung bei, sagt das Bundesumweltministerium. Weil Fleisch und tierische Produkte sehr viel aufwändiger zu produzieren sind, ist auch die CO2-Bilanz höher. Zudem stößt allein eine Kuh am Tag 500 Gramm Methan aus.

Mit seinem bewussten Fokus auf größtenteils veganes Essen und den Verzicht auf Fleisch kann Manfred Dürr die Bilanz für sein Essen deutlich reduzieren. Seine Idee überzeugt auch, weil er damit beweist, dass es keiner Innovation braucht, um nachhaltiger zu leben. Sein Konzept ist für jeden praktisch umsetzbar.

Weil Dürr nicht nur für sich alleine kocht, spart er zudem Energie - und die Zeit seiner Kollegen. Gleichzeitig setzt er mit seinem bewussten Fokus auf größtenteils veganes Essen ein Zeichen gegen Massentierhaltung und für das Klima. Damit hat er ein Konzept entwickelt, mit dem er auch als Vorbild für andere Büros dienen kann.

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Die weiteren Vorschläge und Ideen unserer Leser stellen wir in den kommenden Wochen an dieser Stelle vor.

 

 

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