Smart City: Trient zeigt Zukunft der Stadt

Smart City: Trient zeigt Zukunft der Stadt

von Nina Diethelm

In Norditalien werden intelligente Technologien für die Städte der Zukunft getestet. Im Zentrum steht dabei die Vernetzung aller Lebensbereiche.

Wo und vor allem wie leben wir in zwanzig Jahren? Werden dann nicht nur Smartphones, sondern ganze Smart Cities unseren Alltag prägen? In der Südtiroler Provinz Trentino und ihrer Hauptstadt Trient versucht man diese Fragen in einem Pionierprojekt zu erforschen. Die Besonderheit: Statt intelligente Technologien bloß im Labor zu testen, werden sie in Trient auf eine reale Stadt angewandt. Damit prägen nicht nur Forschungszentren und Unternehmen, sondern vor allem auch die Einwohner die Entwicklung der Städte von morgen.

Das TasLab als urbanes LaborDie Bedingungen in Trentino sind günstig, um innovative Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) auf den städtischen Kontext anzuwenden: In der Provinz treffen Forschungszentren mit über 800 Wissenschaftlern und 950 IKT-Firmen mit 4500 Mitarbeitenden auf eine leistungsfähige Infrastruktur. So ermöglicht beispielsweise der großflächige Breitband-Internetzugang das Testen von internetbasierten Innovationen und Dienstleistungen. Ein Glasfasernetz von 900 Kilometer Länge wird demnächst fertiggestellt.

Die Entwicklung von Trient zur „Smart City“ beziehungsweise Trentino zum „Smart Territory“ wird von der öffentlichen Verwaltung seit mehreren Jahren aktiv gefördert. Mit einer halben Million Einwohner eignet sich die vergleichsweise kleine Region optimal als „lebendiges Forschungslabor“: Vor Ort können Forscher IKT-Potenziale erkennen, Unternehmen mit neuartigen Produkten noch nicht erfüllte Bedürfnisse decken und die Stadtbewohner deren Tauglichkeit testen.

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„Eine städtische Plattform stützt sich auf die Verfügbarkeit von offenen Daten, die Personalisierung von Diensten, die Integration und Verbindung von Menschen, Objekten, Sensoren“, sagt Tim Berners-Lee, der als Begründer des World Wide Webs gilt. Neben der Verfügbarkeit von offenen Daten ist also auch der innovative Einsatz von Kommunikations- und Informationslösungen ein zentraler Aspekt der plattformbasierten Smart City. Beim TasLab werden solche IKT-Innovationen in zwei Kategorien vorangetrieben:

  • Im Bereich

    „eSociety“

    stehen verschiedene Lebensbereiche wie Gesundheit und Bildung im Zentrum: In Spitälern, Erholungsheimen und bei Hausbesuchen kann die Behandlung mittels kompatiblen medizinischen Aufzeichnungen verbessert und der Aufwand gesenkt werden. Bei Schulen können neue pädagogische Methoden eingesetzt werden, um ein personalisiertes Lernen zu ermöglichen und Lernerfolge multimedial zu fördern. Auch die Verwaltung wird IKT in Zukunft dazu nutzen, Verwaltungsabläufe effizienter zu gestalten. Besonders wichtig ist dabei, dass der Austausch zwischen Verwaltung und Bevölkerung verbessert wird. Denn vor allem bei nutzerorientierten Innovationen zur Steigerung der Lebensqualität und Nachhaltigkeit ist die Interaktion zwischen der öffentlichen Verwaltung und den Einwohnern entscheidend: Was benötigt der Bürger wann, wo und in welchem Umfang? Zudem soll mit „Open Government Data“ die Datenverfügbarkeit und Transparenz gefördert werden.
  • Im Bereich

    „eTerritory“

    dreht sich alles um Makrothemen wie beispielsweise Tourismus, Mobilität und Energieversorgung. Dabei spielen Geodaten – also digitale Informationen zu den Besonderheiten einer Region –  eine entscheidende Rolle. Obwohl die Erstellung und Verwaltung von Geodaten in Trentino bereits seit längerem praktiziert werden, stellt die Aggregation aufgrund der teilweise fehlenden oder komplexen Vergleichbarkeit eine große Herausforderung dar. Umfassende Echtzeit-Informationen – wie beispielswiese zu Eis auf den Straßen – benötigen ausgereifte Abbildungsmechanismen. Außerdem muss die Verwaltung einen Weg finden, um Einwohnern, Firmen und Unternehmen bedarfsgerechte Informationen zur Verfügung zu stellen. Im Tourismus werden IKT-Technologien bereits seit einigen Jahren intensiv eingesetzt. Neue Lösungen sollen Touristen personalisiert informieren und das touristische Erlebnis verbessern. Die Datenintegration spielt auch im Mobilitätssektor aufgrund des zunehmenden Stadtverkehrs und Staus sowie Lärm- und CO2-Emissionen eine wichtige Rolle. Bei der Abstimmung von Bus- und Zugfahrplänen, der Bildung von Fahrgemeinschaften und Car-Sharing können die IKT eine wichtige Rolle einnehmen.

Quartier als Smart-City-ParadebeispielZentral für das TasLab ist die neue Trienter Vorzeigesiedlung „Le Albere“: Ende März 2013 wurde das  Quartier anlässlich einer dreitägigen IKT-Konferenz feierlich vom italienischen Stararchitekten Renzo Piano und Tim Berners-Lee eingeweiht. „Le Albere“ stellt einen Meilenstein in der Geschichte der Smart Cities dar: Das ganze Quartier wurde komplett durch ein Glasfasernetz erschlossen, welches eine leistungsfähige Datenübertragung und Gebäudeautomatisierung ermöglicht.

Und nicht nur der Name des Quartiers „Le Albere“ – was im Trienter Dialekt soviel wie „die Pappeln“ bedeutet – ist grün, sondern auch die Bauweise und die Energieversorgung: Auf rund 11 Hektaren sind rund 9000 Quadratmeter Büro- und Ladenflächen, über 300 moderne Wohnungen, 2000 unterirdische Parkplätze  und das neue Wissenschaftsmuseum MUSE entstanden. Knapp die Hälfte der ganzen Fläche ist der Öffentlichkeit als großer Park zugänglich.  Außen Natur, innen Technik lautet die Devise von „Le Albere“: Die Gebäude sind nach dem aktuellsten Stand der Technik mit Solarpanels, Wärmepumpen und Komfortlüftungen ausgestattet und wurden mit nachhaltigen Baustoffen wie Holz, Naturstein und Glas realisiert. Eine Anlage zur Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung versorgt das ganze Quartier mit Heizwärme und Warmwasser und klimatisiert die Gebäude im Sommer. „Le Albere verbraucht im Vergleich zu traditionellen Bauten nur ein Drittel der Energie – das Quartier entspricht meiner Vorstellung der Zukunft“, sagt der Architekt Renzo Piano über sein Projekt.

Was bringt die Zukunft?Überbevölkerung, Umweltverschmutzung, Verkehr, Ressourcenverschwendung: die Herausforderungen für die Stadt von morgen sind groß. Bereits heute wohnt die Hälfte der Weltbevölkerung in städtischen Regionen – die OECD rechnet mit 70 Prozent im Jahr 2050.

Das Pionierprojekt in Trient und Umgebung ist wichtig, um nachhaltige, intelligente Lösungen für die ganze Region zu entwickeln. Viel wichtiger ist es jedoch, dass die Erkenntnisse weltweit multipliziert werden können, um in den Städten von morgen die Lebensqualität zu steigern sowie Umwelt und Ressourcen zu schonen.

Und schon jetzt strahlt das Projekt in Trient über die Grenzen hinaus: Im Jahr 2012 wurde das dreijährige Projekt „iScope“ ins Leben gerufen, welches Innovationen für zukünftige, internetgetriebene Dienstleistungen in Smart Cities vorantreiben will. Das Projekt wird von der EU mit 4 Millionen Euro unterstützt und von der Stiftung von der Trienter Stiftung Graphitec koordiniert. Mittels 3D-Modellen sollen Städte so realitätsgetreu wie möglich nachgebildet werden, um die Stadtplanung, die Erbringung von öffentlichen Leistungen, Umweltschutz und Energieversorgung möglichst effizient zu gestalten. Da iScope auf einer offenen Plattform basiert, können auch die Einwohner zur Datensammlung beitragen und die angebotenen, internetbasierten Dienstleistungen verbessern.

Verschiedene europäische Städte wie Wien, New Castle und Zagreb haben neben der Region Trentino bereits iScope-Projekte lanciert. Dank den 3D-Visualisierungen werden verschiedene internetbasierte Dienstleistungen möglich, welche die Lebensqualität erhöhen und ein nachhaltiges Wachstum ermöglichen:

  • Die Mobilität von Personen, die gehbeeinträchtig oder altersschwach sind, kann durch eine personalisierte Applikation vereinfacht werden, die bei den vorgeschlagenen Routen die städtischen Besonderheiten und Barrieren berücksichtigen.
  • Das 3D-Modell einer Stadt ermöglicht eine Optimierung des Energiekonsums eines Gebäudes, indem beispielsweise das Solarstrompotenzial akkurat abgeschätzt werden kann.
  • In Zukunft werden Smartphones dank einer iScope-Applikation zu Sensoren und messen städtische Lärmverschmutzung in Echtzeit.



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