"Smart Villages": Landkreise wollen unabhängiger von Energieimporten werden

"Smart Villages": Landkreise wollen unabhängiger von Energieimporten werden

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Bund und Länder fördern Regionen, die auf smarte Energiekonzepte setzen.

von Angela Schmid

Über die Kosten der Energiewende wird viel diskutiert - aber sie schafft Arbeitsplätze und verringert Importe. Deshalb wollen Landkreise in Rheinland-Pfalz künftig bessere Vernetzungen umsetzen.

Cochem ist ein beliebtes Urlaubsziel bei viele Städtern - nicht zuletzt wegen der frischen Luft. Wer künftig durch das Moselörtchen reist, wird vermutlich Hinweise darauf finden, dass der Kreis Cochem-Zell zum "Null-Emissions-Landkreis" werden will. Bei Cochem könnte man noch eine Werbemaßnahme dahinter vermuten - immerhin will man auch zur CO2-neutralen Tourismus-Region werden.

Aber auch andere Landkreise arbeiten daran, etwa der Kreis Rhein-Hunsrück. Dort hat vor 15 Jahren noch kaum jemand an die Energiewende gedacht - doch Sonne, Biomasse und Wind haben für zusätzliche Einnahmen gesorgt. Ein neues Nahwärmenetz und die größte solarthermische Anlage im Land liefern saubere Wärme. Und das alles mit der Akzeptanz der Bürger, betont Frank-Michael Uhle, Klimaschutzmanager des Kreises. Sie würden den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben.

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Das liegt allerdings nicht am Preis für Strom und Wärme - ob die Energiewende diesen billiger macht, ist Thema vieler Debatten. Aber es entstehen Arbeitsplätze. Nach Berechnungen des Deutschen Landkreistages könnten bis zum Jahr 2050 rund 250 Millionen Euro derzeitige Energiebezugskosten regional gebunden werden.

Das heißt: im Klartext: Statt Geld für Gas, Kohle und Uran ins Ausland zu überweisen, entstehen regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze. Und das nicht nur für Ingenieure, sondern auch in der Land-, Forstwirtschaft, beim Handwerk und in anderen Bereichen des Dienstleistungssektors.

Kommunen wollen Energiejobs zurückholen

Ein Potenzial, das Lokalpolitiker ausschöpfen wollen. In Rheinland-Pfalz entwickeln sich deshalb 90 Gemeinden aus 15 Landkreisen zu "Smart Villages", also intelligenten Dörfern. Das Bundesumweltministerium will 22 sogenannte Masterplan-Kommunen schaffen, die als Vorreiter ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 um 95 Prozent senken und ihren Endenergieverbrauch gegenüber 1990 halbieren.

Cochem-Zell habe sich bereits positiv positioniert und die Lebens- und Wohnqualität gesteigert, so Manfred Schnur, Landrat des Kreises. Mit einem Energiedorf, in dem wirtschaftliche Energiepotentiale aufgezeigt und Maßnahmen ermittelt werden, hat der Kreis die Voraussetzungen für Smart Villages bereits geschaffen und will jetzt zum Emissions-Kreis werden - und ein Beispiel für andere Orte in Rheinland-Pfalz sein.

"Ein kleines Dorf mit 500 Einwohnern gibt im Durchschnitt mindestens 700.000 Euro für Strom und Wärme aus. Diese Kosten steigen im Mittel mit zwei bis sechs Prozent pro Jahr", rechnet Professor Peter Heck, Geschäftsführender Direktor des IfaS, vor. Das Durchschnittseinkommen der Bürger steige aber weniger stark. Die Kosten für Energie würden die Kaufkraft in der Region verringern, so Heck. Deshalb sei nachvollziehbar, dass die Landkreise eine lokale Energiewirtschaft aufbauen wollen.

Bund und Länder fördern Klima-Kommunen

Nebenbei sollen diese Kommunen den Beweis erbringen, dass eine langfristige Entwicklung zu 100 Prozent Klimaschutz machbar ist. Vier Jahre werden sie mit zwölf Millionen Euro im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums gefördert und begleitet, um als "Leuchttürme im kommunalen Klimaschutz große Ausstrahlungswirkung" zu entfalten - so jedenfalls die Hoffnung von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

In Rheinland-Pfalz gibt es vom Wirtschaftsministerium nur rund 80.000 Euro für die Kommunen, die die Energiewende und den Klimaschutz auf dem Land vorantreiben und dabei gleichzeitig ihre Zukunftsfähigkeit sichern sollen: "Smart Villages sind eine Weiterentwicklung vom Bioenergiedorf", erklärt Alexander Reis vom Institut für angewandtes Stoffmanagement (IfaS), der das Projekt begleitet. "Stoff- und Energieströme sowie Finanzströme sollen nicht mehr von außen kommen oder nach außen getragen werden sollten, sondern in der Region generiert und erhalten bleiben", erklärt Reis das Prinzip.

Regionen Kommunen sehen Energieversorgung als Megathema der Zukunft

Eine groß angelegte Befragung zeigt, dass Energiethemen für die deutschen Kommunen immer wichtiger werden - Stadtplaner hingegen fordern die Verkehrswende.

Strom und Verkehr sind zwei der kommunalen Top-Themen der kommenden 20 Jahre. Quelle: dpa

Regenerative Energiesysteme sind ein Mittel, um Versorgungssicherheit zu schaffen und sie können ökonomische, ökologische und soziale Wertschöpfungseffekte in den Gemeinden auszulösen. Neue Geschäftsmodelle können entstehen, die vor Ort erzeugte Energie bezahlbar bleiben und die Infrastruktur verbessert werden. In Zeiten eines niedrigen Ölpreises sei dies allerdings im Moment nicht immer leicht zu vermitteln, bedauert Reis.

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