Smartphones: Startups machen Telefonieren grüner

Smartphones: Startups machen Telefonieren grüner

von Jürgen Klöckner

An der Ökobilanz von Smartphones lässt sich noch einiges verbessern. Diese fünf Startups wollen Mobiltelefonie grüner machen.

Smartphones avancieren zum allgegenwärtigen Begleiter dieses Jahrhunderts und hinterlassen dabei einen riesigen CO2-Fußabdruck. Die Materialien - vor allem seltene Mineralien, die mit giftigen Stoffen aus Minen in Afrika gewonnen werden - zerstören die Umwelt schon bevor sie verbaut werden und lassen sich später nur schwer - wenn überhaupt - recyceln.

Außerdem fressen Mobiltelefone eine Menge Energie: Wer W-Lan aktiviert hat, verliert unterwegs Strom, weil das Handy vergeblich nach einem Hot-Spot sucht. Der Ortungsdienst errechnet regelmäßig den Aufenthaltsort, auch wenn man das gerade gar nicht braucht. Und laut einer Studie von Microsoft verbrauchen freie Apps 75 Prozent mehr Strom als ihre kostenpflichtigen Versionen, weil sie Werbung anzeigen. Auch Funkmasten fressen Energie, um Anrufe durchzustellen oder Kurznachrichten um den Globus zu schicken. Ähnliches gilt bei W-Lan Netzwerken.

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Zwar zerbrechen sich große Hersteller wie Apple und Samsung schon seit Jahren den Kopf, wie sie ihr grünes Image aufpolieren können. Apple etwa bietet ein Recyclingprogramm an und versorgt sein Datenzentrum mit nachhaltiger Energie. Doch die spannendsten Vorstöße liefern kleine Startups. Wir stellen fünf von ihnen vor.

eVolution: Stromsparmodus für FunkmastenFunkmasten liefern immer volle Leistung - mittags, wenn tendenziell mehr Leute telefonieren und surfen, aber auch nachts, wenn meist Funkstille herrscht. Dabei wird allerdings eine Menge Strom verschwendet: Der Mast sendet auch, wenn gerade niemand telefoniert. Das israelische Startup eVolution will das ändern. Es hat dafür eine simple, aber effiziente Technologie entwickelt: Sie analysiert anhand von Netzauslastung und Verkehrsdaten, wann ein Funkmast auf geringerer Leistung laufen kann, ohne dass es Smartphone-Nutzer merken. Der karibische Anbieter Digicel hat sie als erster überhaupt getestet - und konnte nach eigenen Angaben so 23 Prozent Energie einsparen. 1,4 Millionen Dollar pro Jahr will das Unternehmen so weniger ausgeben.

ecoATM: Grüne Tonne für SmartphonesSmartphone kaputt, zu langsam, zu alt? Es einfach in die graue Tonne zu werfen, wäre angesichts der giftigen Materialien kein besonders umweltfreundliches Ende. Das amerikanische Startup ecoATM bietet eine Alternative: Die Automaten sehen aus wie Geldautomaten (engl. ATM) und stehen bislang vereinzelt im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien. Der Hersteller verspricht, dass man hier in nur wenigen Minuten sein altes Smartphone guten Gewissens zu Geld machen kann - ecoATM recycelt oder verkauft dann das Handy. Das Video zeigt, wie es geht.

Eta Devices: Doppelte Akkulaufzeit mit neuem ChipYoutube ist eine verlässliche Methode, seinen Handy-Akku innerhalb weniger Stunden zu leeren. Das liegt weniger an der Videoplattform als an einem Chip, der in jedem Smartphone verbaut ist: der sogenannte „Power Amplifier“ wandelt elektrische Signale in Radiowellen um und verschwendet 65 Prozent der Leistung, die ihm zugeführt wird. Joel Dawson und David Perreault vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) wollen das mit ihrem Startup Eta Devices ändern. Eine neue Technik soll die Akku-Laufzeit verdoppeln und schon bald in Smartphones verbaut werden. Auch in Funkmasten kann sie eingesetzt werden.

Sofant: Die SuperantenneEinen ähnlichen Weg geht das im Edinburgh angesiedelte Startup Sofant. Auf der amerikanischen Elektronikmesse CES präsentierte es in diesem Jahr eine Antenne kaum größer als die Spitze eines Kugelschreibers, die neunzig Prozent weniger Energie verbrauchen soll und damit die Akku-Laufzeit eines Smartphones verdoppeln könnte. Nebenbei soll sie auch noch für eine klarere Sprachqualität sorgen. Bislang existiert die Superantenne allerdings nur in Labors - bis zur Marktreife kann es noch einige Jahre dauern.

AdZero: Bambus statt PlastikEs muss nicht immer Plastik und Stahl sein: Das Bambus-Phone sollte eigentlich nur eine Design-Studie des britischen Design-Studenten Kieron-Scott Woodhouse werden. Doch Woodhouse Studie wurde so populär, dass er kurzerhand das Startup AdZero gründete und nun mit Investorengeldern das Handy auf den Markt bringen will. Das Material sieht nicht nur ziemlich gut aus, es ist auch eines der langlebigsten Materialien der Welt. Das Handy ist in etwa so groß wie das aktuelle iPhone, allerdings ein bisschen leichter und läuft mit dem Google-Betriebssystem Android.

 

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