Soja, Rindfleisch, Palmöl: EU importiert massenhaft Produkte, für die Regenwald weichen muss

Soja, Rindfleisch, Palmöl: EU importiert massenhaft Produkte, für die Regenwald weichen muss

von Anna Gauto

Auch die EU treibt illegale Abholzung voran, warnt eine NGO.

Etwa fünf Minuten sollte das perfekte Frühstücksei kochen. Drei, manchmal zwei Minuten reichen zum Zähneputzen. Zwei Minuten vergehen schnell, vor allem wenn man bedenkt, dass alle zwei Minuten tropische Wäldflächen von der Größe eines Fußballfeldes illegal abgeholzt werden.

Das schätzt zumindest die in Brüssel ansässige Nichtregierungsorganisation (NGO) „Fern“ für den Zeitraum zwischen 2000 und 2012. Der Grund für den Kahlschlag ist häufig die Produktion von Rindfleisch, Leder, Palmöl oder Soja.

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Diese Produkte importieren auch die Länder der Europäischen Union (EU) massenhaft, wie Fern kritisiert. Laut den Experten mussten allein 2,4 Millionen Hektar Wälder weichen, um die Länder der EU mit diesen Gütern zu beliefern.

Deutschland importiert Palmöl aus LandraubflächenLaut einer aktuellen Studie der NGO hat die EU im Jahr 2012 Produkte aus illegaler Abholzung im Wert von sechs Milliarden Euro importiert. Das ist ein Anteil von fast einem Viertel am gesamten Welthandel mit diesen Gütern.

Damit gehört die EU zu den größten Importeuren von Produkten aus sogenannten Landraubflächen. Die Niederlande, Italien, Deutschland, Frankreich und Großbritannien sind laut Fern die mit Abstand größten Konsumenten.

In den Niederlanden und Deutschland spiele Palmöl, das in Kosmetika und Lebensmitteln verarbeitet ist, eine besonders wichtige Rolle.

Großbritannien beziehe vor allem Rindfleisch, während Frankreich der größte Importeur von Soja sei, das vor allem als Kraftfutter in die Fleischproduktion gehe.

Die Mehrheit der landwirtschaftlichen Güter, die in die EU kommen und für die illegal Wald gerodet wird, stammen aus Brasilien und Indonesien.

Die Studienautoren schätzen, dass die Entwaldung in Brasilien zu 90 Prozent illegal ist – gemeint sind Handlungen, die nach der Rechtsprechung des jeweiligen Landes verboten sind. Doch auch Paraguay und in Malaysia sind vom Kahlschlag betroffen.

Waldschützer leben gefährlichDie Regenwälder sind wichtige CO2-Speicher. Werden sie abgeholzt, damit Rinder grasen können oder Sojateppiche gedeihen, untergräbt das nicht nur den globalen Kampf gegen den Klimawandel.

„Die illegale Entwaldung bedeutet auch, Korruption zu fördern und Menschenrechte zu verletzen“, warnt der Studienautor Sam Lawson. „Diejenigen, die versucht haben, illegale Entwaldung zu stoppen, wurden bedroht, angegriffen und sogar getötet.“

Tatsächlich berichten Amazonas-Indianer von Morden und Todesdrohungen durch Holzfäller. Im vergangenen Jahr wurde ein kambodschanischer Journalist, der zu illegaler Entwaldung recherchiert hatte, erschossen in seinem Auto aufgefunden.

„Die illegale Abholzung von Wäldern, um auf den entstehenden Flächen Rinder weiden zu lassen oder Nutzpflanzen anzubauen, ist leider allzu gängige Praxis in den Tropen und Subtropen“, sagt Martin Häusling, Mitglied der Grünen im EU-Parlament.

Als größter Nettoimporteur von landwirtschaftlichen Erzeugnissen von Abholzungsflächen stehe die EU in der Pflicht: „Die Einfuhr von Produkten aus Landraubflächen muss ein Ende haben", fordert Häusling.

Der aktuelle "Stolen Goods Report", den Fern heute veröffentlicht hat, stützt sich auf eine Studie aus dem vergangenen Herbst. Sie hat untersucht, wie viel Waldflächen wegen kommerzieller Landwirtschaft illegal gerodet werden (das Forschungsdesign findet sich auf Seite 13).

Nun haben die Umweltschützer zum ersten Mal Zahlen präsentiert, die dokumentieren sollen, in welchem Maß die EU für illegale Entwaldung verantwortlich ist.

Fern fordert die EU nun auf, bestehende Gesetze wie die EU-Holzhandelsverordnung konsequent umzusetzen, um die Einfuhr von illegal geschlagenem Holz und Holzprodukten zu stoppen.

Außerdem brauche es einen breiten EU-Aktionsplan, um Abholzung wegen kommerzieller Landwirtschaft einzudämmen.

Hier ein Erklärvideo zum Thema illegale Waldrodung auf Youtube:

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