Stadtentwicklung: Grüne Parks auf alten Bahntrassen

Stadtentwicklung: Grüne Parks auf alten Bahntrassen

von Malte Laub

Lieber Grünfläche als Ruine - bevor alte Bahntrassen abgerissen werden, überlegen nun einige Städte, dort neue Parks zu pflanzen.

Grün ist gefragt – gerade in Städten. Vielen Metropolen fehlt es an Parks und Erholungsgebieten, stattdessen dominieren Beton und Glas die Innenstädte. Doch häufig verfügen die Städte bereits über Bauwerke, die mit ein bisschen Kreativität und dem nötigen Kleingeld der Natur zu neuem Raum verhelfen können. Wir zeigen sechs Beispiele, in denen sich ehemalige Bahntrassen und Brücken wie grüne Adern durch die Städte ziehen.

High Line - New York CityFrüher rollten hier Güterzüge, heute flanieren die New Yorker über die ehemalige Trasse: die High Line. 1934 als Transportverbindung quer durch Manhattan eröffnet, rollte 1980 der letzte Güterzug über die Hochbahnstrecke – mit drei Wagenladungen gefrorener Truthähne. Danach stand Jahrzehnte auf der Kippe, wie es mit der High Line weitergehen sollte. Die Trasse und die Umgebung verkamen zusehends, Drogen und Prostitution prägten die Gegend – die Zeichen standen auf Abriss. Letztlich setze sich dann aber doch eine 1999 gegründete Gruppe um die Streckenanwohner Joshua David und Robert Hammond durch: Sie wollten aus dem alten Symbol der Industrie einen Park machen und fanden schließlich Gehör – sowohl bei Prominenten, die das Projekt unterstützen, als auch bei der Stadt, die Millionen investierte. Seit vergangenem Herbst ist die 2,33 Kilometer lange Strecke nun ein Park. Und nebenbei eine große Touristenattraktion. Mehr als 20 Millionen Besucher liefen seit der Eröffnung des ersten Streckenabschnitts 2009 über die High Line – und die ehemaligen Problembezirke wurden zu Trendvierteln.

The 606 – Chicago

Gerade erst wurde der nach der Chicagoer Postleitzahl benannte Park eröffnet, doch die Idee, die Strecke der alten Bloomingdale Line zur grünen Ader zu machen, entstand sogar noch vor entsprechenden Überlegungen in New York. Allerdings verbindet die 606 im Gegensatz zur weltbekannten High Line nicht nur vier Stadtviertel miteinander, sondern integriert auch sechs Parks in ein zusammenhängendes Erholungsgebiet. Die ehemalige Bahnstrecke soll dabei weiterhin als Transportweg dienen: Fahrradfahrer, Fußgänger und Jogger sollen die 4,3 Kilometer lange Anlage auch als umweltschonende Verkehrsalternative nutzen.

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Underline – Miami

In Miami fährt die Hochbahn noch – das ist allerdings kein Grund für die Stadt, sie als Zuhause für einen Park auszuschließen. Das Konzept funktioniert hier aber andersherum als in New York oder Chicago: Der Park soll auf der Fläche unterhalb der Hochbahn angelegt werden. Den Auftrag dafür hat James Corner Field Operations bekommen – das Unternehmen, das auch hinter der Gestaltung der High Line im Big Apple steht. 16 Kilometer lang soll der lineare Park werden, der unter der Linie M von Miami ins benachbarte Pinecrest führt. Designstudenten haben bereits Ideen für Kunstausstellungen, Sportanlagen und Fahrradwege geliefert. Bis September soll ein Masterplan stehen, der Baubeginn ist für Mai 2016 angedacht, die Fertigstellung für 2021/22.

Philadelphia Rail Park – Philadelphia

Ebenfalls noch in Planung ist ein Hochbahnpark in der Ostküstenmetropole Philadelphia. Die Stadt benötige dringend Parks, fordern Unterstützer der Gruppe „Friends of the Rail Park“ – damit stoßen sie auf offene Ohren. Auch der Bürgermeister hat schon seine Freundschaft erklärt. Wie in Miami soll das Projekt 2016 in Angriff genommen werden. Der Rail Park soll dann dicht mit einheimischen Gewächsen bepflanzt werden, außerdem sollen Sitzflächen geschaffen werden. Mit 4,8 Kilometern Länge und wäre der Rail Park dann sogar länger als seine Vorbilder aus New York und Chicago und würde 50 Blocks miteinander verbinden. Das solle die Stadt und ihre Bewohner auch im übertragenen Sinne enger zusammenbringen, hoffen die Unterstützer.

The Goods Line – Sydney

Bahnparks gibt es nicht nur in den USA, auch die australische Metropole Sydney hat eine ausgediente Güterverkehrsstrecke in einen Park umgewandelt. Die Goods Line soll dabei in erster Linie ein kulturelles Zentrum sein. Sie verbindet auf ihren recht kurzen 500 Metern diverse Bildungs- und Kultureinrichtungen und soll selbst als Veranstaltungsort genutzt werden. Ein besonderer Clou: Auf der Goods Line gibt es W-Lan.

The Flyover – Liverpool

Ein Internetzugang steht auch auf der Liste von Steve Threlfall, Kate Stewart und Mark Bennett. Die drei Freunde wurden aktiv, als sie hörten, dass eine Überführung im Norden Liverpools für bis zu 4 Millionen Pfund abgerissen werden sollte. Statt zu Schutt und Asche wollen sie das Bauwerk lieber in einen Park verwandeln. Geplant sind Cafés, Konzerte und ein Fahrradweg, der die nördlichen Stadtteile verbindet. Für ihr Engagement wurden die drei Ende Mai mit einem Epic Award belohnt, der Gruppen für besonderes kulturelles Engagement auszeichnet.

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