Stadtluft: Unternehmen entwickelt Dachziegel, die Smog "fressen"

Stadtluft: Unternehmen entwickelt Dachziegel, die Smog "fressen"

von Sandra Lukatsch

Jetzt gibt es auch Dachziegel, die Feinstaub unschädlich machen. Fassaden und Straßenbeläge können das schon länger.

Jedes Jahr sterben weltweit mehr als zwei Millionen Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung, wie Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen. Denn kleine Feinstaubpartikel, deren Durchmesser unter zehn Mikrometern oder sogar unter zweieinhalb Mikrometern liegt, können Lungenschäden und Krebs auslösen.

Immerhin stehen europäische Städte bei der Luftverschmutzung im internationalen Vergleich ganz gut da und selbst amerikanische Metropolen wie Los Angeles und New York können sich sehen lassen, was die Smogbelastung ihrer Luft angeht (siehe Infografik).

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Für das US-amerikanische Unternehmen „Boral Roofing“ jedoch sind die vergleichsweise beruhigenden Ergebnisse noch lange kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen. Denn die Gefahr wird vielmehr größer: Die globale Klimaerwärmung wird zu Hitzewellen führen, die die Belastung durch Luftverschmutzung noch erhöhen.

Um der Luftverschmutzung entgegenzuwirken, hat Boral deshalb eine spezielle Luftreinigungs-Technologie entwickelt: Dachziegel aus Bestandteilen, die den Smog unschädlich machen.

Wie aus Gift Dünger wirdDas Ganze funktioniert so: Sonneneinstrahlung löst auf dem Dachziegel eine als Photokatalyse bekannte chemische Reaktion aus, mit deren Hilfe die schädlichen Stickoxide in Calciumnitrat umgewandelt werden. Das wiederum spült der nächste Regen einfach von den Ziegeln.

Schädlich für das Grundwasser ist Calciumnitrat nicht – im Gegenteil: Der entstandene Stoff ist nichts anderes als Düngemittel und fördert sogar aktiv das Wachstum der Pflanzen. Laut dem Dachziegel-Hersteller soll eine Dachfläche von rund 185 Quadratmetern ausreichen, um in einem Jahr die Menge an Stickoxiden aus der Luft zu entfernen, die ein Auto im gleichen Zeitraum auf einer Strecke von mehr als 17.000 Kilometern verursacht.

Denn der Reinigungs-Effekt soll ganz nebenbei auch die Substanz der Dächer schützen und funktioniert über die gesamte Lebensdauer der Bedachung. Das Video des Herstellers zeigt, wie die Luftreinigung funktioniert:

Ganz neu ist die Idee luftreinigender Bauteile allerdings nicht. In Mexiko City steht ein Haus, das die Feinstaubbelastung von 1.000 Autos am Tag neutralisiert. Möglich macht auch das eine photokatalytische Beschichtung. In Chicago existiert zudem eine Straße, deren Belag Smog "frisst".

Hierzulande testen Forscher des Fraunhofer-Instituts für Schicht- und Oberflächentechnik (IST) zudem, wie sich Oberflächen mit photokatalytischen Eigenschaften im Langzeitversuch verhalten. An der A 4 bei Bergisch Gladbach laufen dazu erste Tests.

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