Städte: Reich durch öffentlichen Nahverkehr

Städte: Reich durch öffentlichen Nahverkehr

von Felix Ehrenfried

Studie: Städte, die in den öffentlichen Nahverkehr und Radwege investieren, stärken die Wirtschaft. Die Förderung des PKW-Verkehrs bringt dagegen nichts.

Immer mehr Städte setzen künftig auf den öffentlichen Nahverkehr, auf mehr Fahrradfahrer und Fußgänger. Das ist die bedeutendste Erkenntnis einer aktuellen Studie, die der Nutzfahrzeughersteller MAN in Kooperation mit der Technischen Universität München (TUM) jüngst präsentiert hat. In der Studie mit dem Titel "What Cities Want" (zu deutsch: Was Städte wollen) untersuchten die Experten den Verkehr in 15 Metropolen auf der ganzen Welt (hier die Studie als PDF zum Download). Darunter: London, München, Instanbul, Shanghai, Singapur, Johannesburg, Los Angeles, Melbourne.

Dass sich die Mobilitätskonzepte in Städten ändern müssen, ist sicher. Denn gerade Großstädte erfahren einen nie dagewesenen Bevölkerungszuzug. Lebte nach Angaben der Vereinten Nationen 2008 schon die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten soll dieser Anteil bis 2030 auf mehr als 66 Prozent ansteigen. Zwei von drei Menschen auf der Erde wohnen dann in Metropolen.

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Ein Wandel in der Stadtmobilität ist also unvermeidlich. Ein Ergebnis der Studie, das Hoffnung macht: Um mit dem Bevölkerungsansturm klar zu kommen, setzen die meisten Stadtplaner auf grüne Fortbewegung. Das Fahrrad und der öffentliche Nahverkehr (ÖPNV) spielen eine Zunehmend größere Rolle in den Planungen. Und zwar nicht nur in grünen westeuropäischen Städten wie Kopenhagen oder der europäischen Fahrradhauptstadt Oldenburg - auch in Beirut oder São Paulo sollen die Bürger mehr Radeln, Bus, Tram oder U-Bahn fahren.

Ein Ausbau des ÖPNV bringt auch wirtschaftliche Vorteile: Je besser die lokalen Unternehmen und Geschäfte mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sind, desto besser entwickelt sich die Wirtschaft.

Besserer ÖPNV stärkt die WirtschaftDas deutliche Fazit der TUM-Experten: "Kapazitätsausbau des öffentlichen Verkehrs ist für das ökonomische Wohlergehen einer Stadt wichtiger als die Erhöhung der Verkehrsqualität im privaten Pkw-Verkehr."

In diesem Zusammenhang merken die Autoren allerdings auch an, dass die meisten Städte schon über ein gut ausgebautes Straßennetz verfügen. Nun erfolge in einem zweiten Schritt der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs.

Der zweite Trend in Sachen Stadtmobilität heißt: Mehr Radfahrer und Fußgänger. Sieben der 15 untersuchten Städte wollen hier Geld für eine bessere Infrastruktur in die Hand nehmen. Damit wollen sie vor allem mehr Rad-und Fußwege schaffen. Den Autos wird dafür häufig Platz genommen.

So gibt es in acht der untersuchten Städten bereits Bereiche, die für Autos gesperrt sind. Ähnlich viele Metropolen nutzen verkehrsberuhigte Zonen, um die Menschen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Rad zu motivieren. Daneben diskutieren  fast alle Städteplaner die Möglichkeit, Gebühren für die Straßennutzung zu erheben.

Was die Marketingstrategen in den Stadtverwaltungen interessieren dürfte: Die Verantwortlichen in den 15 untersuchten Metropolen glauben, dass Umweltschutz für die Stadtbewohner kaum entscheidend für die Wahl des Verkehrsmittels ist. Dagegen "stehen für die ÖPNV-Nutzer Reisezeit und Qualität des ÖPNV an oberster Stelle", heisst es in der Studie.

Das bedeutet: Statt Bus und Bahn mit einer besseren Klimabilanz im Vergleich mit dem Auto zu bewerben, sollte der Slogan heißen: Mit dem Bus kommen Sie schneller und komfortabler an Ihr Ziel als mit dem Auto.

Fazit: Die Studie "What Cities Want" zeigt ein weltweites Umdenken in den Städten. Doch statt auf das grüne Gewissen der Bevölkerung zu setzen, sollten klare, wirtschaftliche Vorteile den Wandel hin zu Bus, Bahn und Fahrrad beschleunigen.

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