Statt Cola und Mate: "selosoda" macht Limonade aus Kaffeekirschen

Statt Cola und Mate: "selosoda" macht Limonade aus Kaffeekirschen

von Peter Vollmer

Wenig Zucker, fair für die Bauern und hergestellt aus Kaffeeabfällen: selosoda punktet als grüne Softdrink-Alternative.

Kaffee kann ganz schön bitter schmecken, Kaffeekirschen hingegen sind noch süßer als ihre europäischen Namensvettern. Die Bohne ist nämlich von einer fruchtigen Schicht umgeben, die Kaffeebauern während der Ernte gerne lutschen.

Bei der industriellen Verwendung der Kaffeebohne werden die äußeren Schichten jedoch einfach weggeschmissen. Ein Unding, fand Laura Zumbaum. Bei ihrer Arbeit im Marketing von mymuesli kümmerte sie sich um Getränkemarken – und lernte, dass in der Kaffeekirsche mehr als nur die Bohne steckt.

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Ein Drittel der geernteten Früchte wird als Abfall nicht mehr weitergenutzt – dabei steckt auch in den Schalen noch einiges an Geschmack (und Koffein). Deshalb brachte Zumbaum sie testweise als Tee in den Shop des Müsli-Onliners.

Das kam so gut an, dass Zumbaum eine eigene Limonade daraus machen wollte. Die auf den Namen "selosoda" getaufte Brause auf Kaffeeabfall-Tee-Basis war geboren. Weniger süß, ohne Zusätze und moralisch im Vorteil, denn der Ankauf der Schalen bedeutet für die Bauern in Panama ein zusätzliches Einkommen.

"Unser direktes Handelsmodell ermöglicht uns eine finanzielle Wertsteigerung der Kaffeepflanze um 50 Prozent", erklärt Zumbaum. Und in Zeiten von knappen Flächen für den Lebensmittelanbau ist es ohnehin sinnvoll, alle genießbaren Teile zu verwerten.

Mehr Kohlensäure, weniger ZusätzeIm Sommer testete sie selosoda bei einigen Gastronomen und Endkunden aus. Eine kleine Biosaftkelterei half bei der ersten Palette, die als "Live-Marktstudie" diente und laut Zumbaum "eine wirklich gute Gelegenheit war, zu sehen, wie das Produkt tatsächlich ankommt."

Die Rückmeldungen waren positiv, auch wenn es noch Stellschrauben zur Nachbesserung gab. So hatte die nächste Palette etwa mehr Kohlensäure, erzählt die junge Gründerin.

Der Markt ist groß: 120 Liter an Erfrischungsgetränken schüttet jeder Deutsche jährlich in sich hinein – und mit wachsendem Bewusstsein für gesunde Ernährung steigt auch die Vielfalt im Getränkeregal.

Das finale selosoda-Rezept besteht aus Kaffeekirsch-Tee, fünf Prozent Bio-Zitrussaft und Kohlensäure. Das war’s auch schon: "Wir wollten keine 1000 Zusätze reinpacken, die Kaffeekirsche allein hat schon einen vielseitigen Geschmack" so Zumbaum. Das ganze schmeckt etwas nach Orange, ein bisschen nach Honig, gar nicht nach Kaffee. Nicht bitter, sondern süß, dabei stecken in einem Liter nur 15,6 Gramm natürlicher Zucker – große Cola-Hersteller packen schon mal das Dreifache in die Flasche.

Doppelter Espresso in süß

Die Flaschen gibt es ohnehin nur in Viertelliter-Größe, was zumindest zum Wachwerden reichen sollte. Der Koffeinanteil entspricht etwa dem eines doppelten Espresso – mit Energy Drinks ist selosoda also auch nicht vergleichbar, zumal sich der Wachmacheffekt über einen längeren Zeitraum verteile. Die derzeit angesagten Mate-Getränke dürften eher zur Konkurrenz werden – wobei auch diese teils extrem viel Zucker enthalten.

Auf mittlerweile 50 Getränkekarten in Deutschland findet sich selosoda, allerdings reichen die Einnahmen noch nicht für größere Investitionen. Deshalb beschloss Zumbaum, über die Crowdfundingplattform Startnext Geld für eine große Charge einzusammeln: Mit 20.000 Euro will sie die ersten 20.000 Flaschen produzieren.

Das Ziel ist mittlerweile bereits erreicht - wer sich also noch eine der Funding-Prämien sichern will, muss sich beeilen. Ansonsten gibt es auch schon einen eigenen Shop, wo man die Flaschen für nicht ganz günstige 3,30 Euro bestellen kann. (Künftig soll der Gastro-Preis zwischen 2,50 und 3,00 Euro liegen.)

Nun, da die Finanzierung steht, kümmert sich Zumbaum um die Produktion. Die ist allein schon wegen des Rohstoffs aufwendiger als bei anderen Getränken: "Wir setzen auf direkte Handelsbeziehung ohne Zwischenhändler und eine Zusammenarbeit, die transparent gestaltet ist." Im Frühling steht der nächste Besuch in Panama an, sie will sich aber auch Kaffeeplantagen in Nachbarländern anschauen. Kein Selbstzweck: Der faire Umgang mit Bauern und die Nutzung bislang ungenutzter Rohstoffe sind ein Alleinstellungsmerkmal für selosoda.

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