Statt Schnellstraßen: Bolivien baut die längste Seilbahn der Welt

Statt Schnellstraßen: Bolivien baut die längste Seilbahn der Welt

von Nora Marie Zaremba

In La Paz in Bolivien entsteht derzeit die weltweit größte innerstädtische Seilbahn.

Pendler der bolivianischen Städte La Paz und El Alto nehmen morgens nicht die U-Bahn, um verstopften Straßen zu entgehen.  Sie steigen in die Luft auf - mit "Mi teleférico".

Die Seilbahn umfasst zurzeit drei Linien und verbindet La Paz mit seiner Nachbarstadt El Alto. Die Kabinen kommen von der österreichischen Firma "Doppelmayr Seilbahnen GmbH".

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"Mi teleférico" und die Firma "Doppelmayr" gehörten zu den Finalisten der diesjährigen GreenTec Awards in der Kategorie "Urbanisierung". Nominiert war auch Deutsche Post DHL mit ihrem Vorhaben, Lieferdienste so emissionsarm wie möglich zu gestalten - beispielsweise über den vermehrten Einsatz von Fahrradkurieren und Elektroautos. Das Rennen machte letztendlich aber ein deutsches Projekt: Photoment - ein Betonzusatz, der Smog absorbiert (WiWo Green berichtete).

Auf wenn es für "Mi teleférico" bei den Green Tec Awards nicht zum Sieg reichte, beeindruckend ist das Projekt allemal: Die drei Linien sind jeweils in den Nationalfarben des Andenstaates gehalten - rot, gelb und grün. Eine Fahrt kostet umgerechnet rund 25 Cent. An manchen Tagen soll alleine eine Linie bis zu 75.000 Pendler transportieren.

Pendeln ohne Dreck und Lärm

In La Paz ist die Seilbahn als klimafreundliche Alternative zu Bus und Bahn durchaus sinnvoll. Die Stadt liegt auf 3600 Metern Höhe, El Alto liegt sogar noch höher. Bisher steckten viele Pendler, die in El Alto wohnen und zur Arbeit nach La Paz müssen, im Stau fest. Keine angenehme Angelegenheit: Stau in südamerikanischen Großstädten bedeutet jede Menge Lärm und Dreck. Dank "Mi teleférico" dauert die Fahrt nun gerade einmal 15 Minuten.

Bis 2019 sollen sechs weitere Linien dazukommen. Mit insgesamt mehr als 1400 Kabinen soll das Seilbahnprojekt laut seiner Macher dann das größte der Welt sein.

Reicht die Finanzierung?Die Frage liegt auf der Hand, wie sich der extrem arme Andenstaat Bolivien die Seilbahn überhaupt leisten kann. Bei Präsident Eva Morales gilt sie als Prestigeobjekt. Die bestehenden Linien wurden mit Einnahmen aus dem verstaatlichten Gasgeschäft finanziert. Die sechs weiteren Linien sollen rund 450 Millionen Dollar kosten - auch sie sollen mit Einnahmen aus dem Erdgassektor bezahlt werden.

Dass Bolivien ein umweltfreundliches Verkehrsmittel für seine Stadtbewohner verwirklicht, ist löblich. Allerdings leidet das Land derzeit wie andere Förderländer auch unter den niedrigen Rohstoffpreisen. Es bleibt abzuwarten, wie viel letztendlich für die Seilbahn übrig bleibt.

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