Street Food trifft Think Tank: Rollende Resteküche rettet Essen vor dem Müll

Street Food trifft Think Tank: Rollende Resteküche rettet Essen vor dem Müll

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Die Resteküche nimmt das Gemüse auch krumm. (Foto: ShoutOutLoud)

von Peter Vollmer

Durch Frankfurt soll künftig ein Foodtruck fahren, der Essen verkauft, das sonst auf dem Müll landen würde. Gleichzeitig wollen die Macher über Lebensmittelverschwendung aufklären.

Viele Journalisten schreiben gerne über die großen Probleme unserer Zeit. Ein paar schreiben noch lieber über Lösungen. Aber dass man wie Daniel Anthes selbst aktiv wird, ist eher selten.

Der 30-Jährige schreibt seit Jahren über nachhaltige Konzepte für Wirtschaft und Gesellschaft, so auch für WiWo Green. Nun hat er den Schreibtisch verlassen und plant als Teil des gemeinnützigen Vereins ShoutOutLoud einen Foodtruck, der Lebensmittel vor dem Müll rettet.

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ShoutOutLoud ist seit Jahren vor allem im Frankfurter Raum aktiv und hat etwa durch die Veranstaltung „Integration geht durch den Magen“ soziale und kulinarische Expertise gleichermaßen gesammelt.

Nun wollen die Aktivisten mit der sogenannten Resteküche durch Frankfurt fahren – einem umgebauten Fahrzeug mit kleiner Küche. Damit wollen sie nicht nur ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung setzen, sondern auch für einen größeren Genuss beim Essen werben. „Eine verheißungsvolle Kombination aus Streetfood, Achtsamkeit und kulturellem Austausch“, beschreibt Anthes das Foodtruck-Konzept.

Unförmiges Gemüse vor dem Müll retten

Dass in Deutschland jede Sekunde 313 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen werden, ist kein Geheimnis. Das Problem ist die Verteilung. Hier wollen die Resteköche ansetzen: „Ob krumm gewachsen, nah am Mindesthaltbarkeitsdatum oder durch Transportschäden an der Verpackung beschädigt - unterschiedliche Gründe führen dazu, dass es ein Großteil der Nahrungsmittelproduktion nicht in den Supermarkt schafft“, erklärt Anthes.

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Erste Erfahrungen haben die Resteköche auch schon auf Foodfestivals gesammelt. (Foto: ShoutOutLoud, zum Vergrößern klicken)

Mit Einrichtungen wie den Tafeln wolle man dabei nicht konkurrieren, sondern noch weiter hinten ansetzen: „Wir nehmen auch kleinere Mengen ab und haben im Team auch deshalb die nötige Zeit, eine braune Stelle vom Apfel wegzuschneiden.“

Dazu kooperiert ShoutOutLoud mit dem Biogroßhändler Phoenix. „Da ist das Vermeidungspotenzial am größten“, erklärt Anthes – Supermärkte werfen zwar fauliges Obst und Gemüse weg, aber nur einzelne Teile. Großhändler sortieren gleich die ganze Kiste aus. Die Erzeuger wiederum verfüttern häufig Lebensmittel, die sich nicht verkaufen lassen.

Resteküche nur das halbe Konzept

Die Küche an sich macht aber nur die eine Hälfte des Projektes aus – der Foodtruck soll auch zur Bühne für Veranstaltungen werden. Ob Testkochen für Schulen, Ort für Workshops oder Vorträge: Das Wissen um die Probleme des Lebensmittelhandels zu verbreiten ist vielleicht noch wichtiger als der Genuss. Hier liegt schließlich auch die eigentliche Kompetenz des Teams von ShoutOutLoud, das selbst von einer „Wissenskultur“ im Lebensmittelbereich spricht.

Auch wenn das Konzept auf Gratis-Zutaten und Ehrenamtler setzt – finanziell ist es für den kleinen Verein doch ein Wagnis. Alleine Kauf und Umbau eines geeigneten Fahrzeugs. Deshalb versucht das Team, die ersten Investitionen via Crowdfunding zu bewältigen. 30.000 Euro sollen Versicherung, TÜV und die erste Stromrechnung nicht zum Stolperstein für das Projekt werden lassen.

Geht es nach dem Team von ShoutOutLoud, dürfte auch etwas mehr zusammenkommen – dann könnte es den ehrenamtlichen Resteköchen nämlich von Anfang an eine Aufwandsentschädigung zahlen. Auch wenn keiner von den Helfern darauf bestehe - „es wäre eine faire Sache“, sagt Anthes.

Wer in der Nähe von Frankfurt wohnt, kann natürlich auch mit seinem Appetit helfen – auf ihrer Homepage und bei Facebook kündigen die Resteköche an, wo der Truck künftig stehen wird. Und wer viel Glück hat, wird möglicherweise sogar eingeladen – auch wenn die Ehrenamtler ihre Preise hart kalkulieren müssen, wegwerfen wollen sie natürlich nichts. Dann lieber am Abend etwas verschenken.

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