Streit um Leck am Golf von Mexiko: Wie viel Öl floss wirklich ins Meer?

Streit um Leck am Golf von Mexiko: Wie viel Öl floss wirklich ins Meer?

von Wolfgang Kempkens

Wegen eines Lecks strömen literweise Öl in den Golf von Mexiko - seit 10 Jahren.

Als 2004 der Hurrikan „Ivan“ über den Golf von Mexiko raste, hinterließ er nicht nur auf Land eine Schneise der Zerstörung. Auch im Wasser wütete er und zerstörte eine Öl-Förderanlage etwa 18 Kilometer vor der Küste von Louisiana. Die Folgen sind selbst mehr als ein Jahrzehnt später noch dramatisch: Aus einem Loch strömt seitdem Erdöl in den Golf von Mexiko. Die Bruchstelle befindet sich in einer Wassertiefe von rund 160 Meter, ist jedoch von einer gut 30 Meter dicken Sedimentschicht bedeckt. Aus diesem Grund habe das Leck nicht abgedichtet werden können, heißt es.

Anfangs sollen durch das Loch täglich rund 80 Liter gewesen sein, jetzt sind es laut offiziellen Angaben noch 45 Liter. Umweltschützer beziffern den Öl-Ausstoß allerdings deutlich höher: Sie sprechen von 1400 Litern pro Tag, die in das Meer geflossen sind. Ab Oktober soll dieser Umweltfrevel nun vor Gericht verhandelt werden.

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Eine gute Tat vor dem ProzessSchon 2008 konstatierte die US-Küstenwache, dass der Ölaustritt eine ernsthafte Bedrohung für Fische und anderes Meeresgetier sowie für Vögel darstellt. Sky Truth, eine gemeinnützige Organisation, die Umweltsünden per Satellitenfotos aufspürt, schätzt, dass insgesamt bis zu 4,8 Millionen Liter Öl ins Meer geflossen sind. Verglichen mit der Katastrophe auf der Förderinsel Deepwater Horizon im Jahr 2010 ist das zwar nur eine Kleinigkeit. Nach einer Explosion auf der Plattform strömten mehr als 600 Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko. Trotzdem lägen die Daten von Sky Truth weitaus höher als offiziell zugegeben wird.

Der Prozess muss nun klären, ob und, falls ja, für welche Menge das verantwortliche Unternehmen Taylor Energy zur Verantwortung gezogen werden kann. Vorab hat sich der Konzern, der für das nicht abdichtbare Bohrloch verantwortlich ist, zu einer Geste des guten Willens entschlossen. Die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press berichtete, dass das Meeresforschungskonsortium Waterkeeper, das sich um den Schutz der Meere sorgt, 300.000 Euro für die Beschaffung von Ausrüstung erhält. Weitere 100.000 Euro steckt das Unternehmen in die Erforschung der Langzeitfolgen.

Schätzungen gehen auseinanderÜber die anteilige Verschmutzung des Meeres durch Öl gibt es weit auseinanderliegende Schätzungen. Laut des Magazins „World Ocean Review“, an dem unter anderem die Meereswissenschaftler der Universität Kiel und das International Ocean Institute beteiligt sind, stammen nur fünf Prozent der Ölverschmutzungen aus natürlichen Quellen. Schiffe sind zu 35 Prozent beteiligt, Tankerunfälle zu zehn Prozent. Kommunale und industrielle Abwässer, Bohrinseln und Einträge über die Luft haben einen Anteil von 45 Prozent. Der Rest stammt aus „nicht näher definierten Quellen“, wie es heißt.

Laut Seos (Science Education through Earth Observation for High Schools), einem von der Europäischen Gemeinschaft ins Leben gerufenen Projekt, das Material zum Schutz der Meere für den Schulunterricht aufbereiten soll, ist die Ölindustrie dagegen nur in geringem Maße an der Verschmutzung der Meere mit Öl schuld. Hauptverursacher sind laut Seos mit 48,19 Prozent natürliche Quellen, also spontane Ausbrüche von Öl auf dem Meeresgrund. 40,96 Prozent stammen von Schiffen, 9,24 Prozent aus küstennahen Industrieunternehmen. Die Ölförderung trägt zur Verschmutzung der Meere nur mit 1,61 Prozent bei. Die Zahlen basieren auf Daten aus dem Zeitraum 1988 bis 1997. Neuere stehen nicht zur Verfügung.

 

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