Stromproduzierender Fußball: Ein Kraftwerk zum Kicken

Stromproduzierender Fußball: Ein Kraftwerk zum Kicken

von Jürgen Klöckner

Millionen Menschen müssen in Entwicklungsländern ohne sauberen und sicheren Strom auskommen. Ein Fußball mit dem Namen Soccket soll das ändern.

Bill Clinton kann mit Fußball mehr anfangen als der durchschnittliche Amerikaner. Doch das war sicher nicht der einzige Grund, wieso es ihm dieser Fußball ganz besonders angetan hat. Er heißt Soccket und ist Ball und kleines Kraftwerk zugleich. Soccket generiert und speichert während eines ganz normalen Fußballspiels Strom (6 Watt), mit dem man ein Handy aufladen oder eine Lampe leuchten lassen kann. Nur fünfzehn Minuten spielen genügen, um eine Lampe drei Stunden zu betreiben.

Clinton findet diese Idee „außergewöhnlich“ - und spendete im Jahr 2011 dem Soccket-Produzenten Uncharted Play Geld für die Entwicklung des Balls. „Soccket könnte das Leben von armen Menschen mit Strom verbessern, ohne dass teure Netze gebaut werden müssen“, sagte Clinton.

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1,4 Milliarden Menschen haben laut Weltbank keinen Anschluss ans Stromnetz, weitere 1,3 Milliarden haben keine stabile Energieversorgung, vor allem in Entwicklungsländern. Jessica Matthew, die Uncharted Play mitbegründet hat und nun leitet, weiß das aus eigener Erfahrung.

Ihre Eltern stammen aus Nigeria. Als sie ihre Familie besuchte, sah sie immer wieder dasselbe Bild: Kinder, die tagsüber bis zur Erschöpfung Fußball spielen und Abends unter Straßenlaternen lernen. „Wir verlieren in Nigeria jeden Tag Energie“, sagt Jessica Matthew der BBC. Und die soll Soccket auffangen.

Vier Harvard-Studenten, ein Ball

Ihren ersten Prototypen entwickelte sie mit drei Kommilitonen während ihres Studiums an der US-Eliteuniversität Harvard. 2009 testeten sie einen ersten Ball in Südafrika. Er funktionierte wie eine Taschenlampe, die man durch Schütteln auflädt. Er produzierte also Strom, wenn der Ball hin und her sprang. Dieser Mechanismus war allerdings beim Spielen zu spüren - und so hatte der Prototyp nicht mehr viel mit einen normalen Fußball zu tun.

Nur ein Jahr später hatte das Team aus Harvard eine neue Version entwickelt. Diesmal produzierte der Ball Strom beim Rollen und generierte so drei Mal mehr Strom als der erste. Er war robuster und langlebiger, doch immer noch war ein Unterschied zu einem normalen Ball zu spüren.

Der dritte Prototyp sollte endlich serienreif werden. Dafür holten sie weitere Entwickler ins Team und gründeten schließlich das Startup Uncharted Play, das nicht nur den Wunderfußball entwickelt, sondern auch andere Sportartikel elektrifizieren will. Das runde Mini-Kraftwerk ist immer noch ein wenig schwerer als ein normaler Ball, spielt sich allerdings nun beinahe identisch. Außerdem kann man ihn fast vollständig recyceln.

Derzeit  steigt das Team in die Großproduktion ein. Über tausend Fans liehen dem Startup dafür erst im März über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter Geld. So kamen fast hunderttausend Dollar zusammen. Bald kann man den Ball vorbestellen. 

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