Studie: Besserverdienende schaden der Umwelt mehr

Studie: Besserverdienende schaden der Umwelt mehr

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Wer viel hat, gibt auch viel aus - leider für die falschen Dinge. (Foto: Patrick Seeger/dpa )

von Tobias Finger

Das Umweltbundesamt hat den Zusammenhang zwischen Einkommen, Einstellung und Umweltschutz untersucht – mit überraschenden Ergebnissen.

Wer umweltbewusster denkt, lebt umweltfreundlicher – könnte man meinen. Eine neue Studie des Umweltbundesamts (UBA) stellt aber fest: Wer umweltbewusster denkt, schadet der Umwelt stärker. Doch wie kann das sein? Der Grund liegt in den komplexen Zusammenhängen, die die Untersuchung aufdeckt.

Möglich macht dies das Forschungsdesign: Neben der Erhebung sozio-demografischer Daten befragten die Forscher die 1000 Teilnehmer nach Verhaltensweisen und Nutzung in Alltagsmobilität, beim Waschen und Trocknen, bei Elektrogeräten. Auch die Beteiligung an erneuerbaren Energien und weitere Faktoren für die persönliche Umweltbilanz, sowie Einstellungen und Wertevorstellungen bezüglich Umwelt und Ressourcenverbrauch wurden abgefragt.

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Forscher teilen Befragte in Energieverbrauchertypen ein

Damit ist die Studie die erste ihrer Art mit repräsentativem Datensatz für Deutschland. Auf Basis der Angaben wurden die Befragten in Milieus eingeteilt, die sogenannten Energieverbrauchstypen, zum Beispiel „bewusste Durchschnittsverbraucher“ oder „Umweltbewusste“. Und hier kommt die überraschende Erkenntnis, dass umweltbewusste Menschen der Umwelt schaden, wieder ins Spiel.

Das UBA stellte fest, dass die umweltbewusst denkenden Menschen mehrheitlich einen höheren formellen Bildungsstand haben und ein proportional höheres Einkommen. Dieses geben sie wiederum für umweltschädliche Luxusgüter aus, wie größere Autos und Fernflug-Reisen sowie vermehrten Fleischkonsum. Diese Luxusausgaben überwiegen potentiell umweltschützendes Verhalten.

UBA-Präsidentin Maria Kratzberger fasst es so zusammen: „Mehr Einkommen fließt allzu oft in schwere Autos, größere Wohnungen und häufiger Flugreisen – auch wenn die Menschen sich ansonsten umweltbewusst verhalten.“ Und weiter: „Der Kauf von Bio-Lebensmitteln oder eine gute Mülltrennung wiegen das nicht auf.“

Ressourcenschwächere Familien haben beste Ökobilanz

Daraus lässt sich schließen: Umweltbewusstsein ist nicht gleich Ökobilanz! Denn tatsächlich haben ressourcenschwächere Familien die beste Ökobilanz. Das ist ein Spiegel der weltweiten Verteilung: Industrienationen in Nordamerika oder Europa verursachen ein Vielfaches der CO2-Emissionen von strukturschwächeren Kontinenten wie Latein- und Mittelamerika oder Afrika.

Earth Overshoot Day Heute hat die Menschheit ihre Ressourcen aufgebraucht

... zumindest, wenn wir der Erde nicht mehr Ressourcen entnehmen wollen, als nachwachsen. Das hat das Global Footprint Network berechnet.

Ein Traktor auf einem vertrockneten Feld - die Erde kann mit dem Konsum der Menschheit nicht mehr mithalten. Quelle: REUTERS

Gleichzeitig beweist die Studie mit ihren Resultaten ein fehlgeleitetes Selbstbild auf beiden „Extremen“ der Milieu-Einteilung: Die umweltbewussten Besserverdiener schaden der Umwelt durch ihren Lebensstil mehr, als sie denken während die weniger umweltbewussten, materiell schwächer Gestellten weniger klimaschädlich Handeln.

Viel Potenzial bei den Besserverdienenden

Aber natürlich gibt es auch Gruppen, bei denen sich höheres Einkommen und umweltschädliches Verhalten nicht proportional zueinander verhalten: Die „bewussten Durchschnittsverbraucher“ vereinen höheres Einkommen und ein höheres Umweltbewusstsein zu einem unterdurchschnittlichen Energieverbrauch, weil sie zum Beispiel bei Fernflügen für die CO2-Kompensation zahlen oder statt einer S-Klasse einen Prius kaufen.

Dort, also bei der Mittel- und Oberschicht, setzen auch die geschlussfolgerten Ansätze des UBA zur CO2-Vermeidung an, denn offensichtlich liegen die größten Reduktionspotenziale bei den Besserverdienenden. Insgesamt haben viele Menschen mit Zustimmung zum Umweltschutz eine schlechtere Ökobilanz.

Wertewandel in der Gesellschaft gefordert

Die Forscher des Umweltbundesamts schlussfolgern, dass eine Reduktion der CO2-Emissionen unabdingbar sei, die nur durch einen Wertewandel und eine gesellschaftliche Neuorientierung erreicht werden kann. Die gezielte politische Steuerung dafür sei in einer pluralen Gesellschaft nicht möglich, weshalb die Politik gesellschaftliche Rahmenbedingungen schaffen muss, die zur Nachhaltigkeit anregen.

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